Welterbe Baden-Baden: OB ist „überglücklich“

Baden-Baden (hol/dpa) – Baden-Baden wird Welterbe. Die Unesco hat am Samstagmittag entschieden, dass die Kurstadt diesen Titel künftig gemeinsam mit zehn anderen Bäderstädten in Europa führen darf.

Große Freude auf der Bühne im Kurpark, nachdem nach der langen Verzögerung die Entscheidung gefallen ist. Foto: Harald Holzmann

Große Freude auf der Bühne im Kurpark, nachdem nach der langen Verzögerung die Entscheidung gefallen ist. Foto: Harald Holzmann

„Ich bin überglücklich“, sagte die sichtlich gerührte Oberbürgermeisterin Margret Mergen, nachdem die Entscheidung verkündet war. „Ich freue mich über die gemeinsame Ehrung. Das ist ein toller Tag für Baden-Baden – und für ganz Europa“, betonte die OB. Schließlich seien die „Great Spas of Europe“ – unter diesem Namen wird die Liste der Städte ins Weltkulturerbe aufgenommen – ein internationales Projekt mit elf Städten in sieben Ländern.

„Mächtig stolz“ sei sie, meinte auch Ministerin Nicole Razavi (CDU). Die Ressortchefin für Stadtentwicklung, unter deren Leitung auch das Thema Denkmalschutz fällt, sieht die Entscheidung der Unesco als „Erfolg für das ganze Land“. Baden-Baden sei ein würdiger Botschafter für Baden-Württemberg. Und damit sei das erste Ziel des Koalitionsvertrages der neuen Landesregierung schon erfüllt, sagte Razavi, die seit drei Monaten im Amt ist, lachend.

Lichtentaler Allee als Gesamtkunstwerk

„Super super glücklich“, beschrieb Frank Marrenbach seinen Zustand. Der ehemalige Brenners-Direktor bildete zusammen mit dem früheren IHK-Chef Hans-Peter Mengele so etwas wie den Motor für die Welterbe-Bewerbung. Beiden war die tiefe Freude darüber, dass die mehr als 15 Jahre währende Arbeit von der ersten Idee an nun endlich von Erfolg gekrönt wurde.

„Wir sind Welterbe!“ Ministerin Nicole Razavi, OB Margret Mergen und Moderatorin Evelin König-Wirbitzki freuen sich. Foto: Harald Holzmann

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„Wir sind Welterbe!“ Ministerin Nicole Razavi, OB Margret Mergen und Moderatorin Evelin König-Wirbitzki freuen sich. Foto: Harald Holzmann

Baubürgermeister Alexander Uhlig, geboren in der Welterbe-Stadt Regensburg, freut sich, nun auch in einer Welterbe-Stadt arbeiten zu dürfen. Die Baupolitik in Baden-Baden sei eine große und sehr schöne Aufgabe. „Aber es ändert sich eigentlich nichts“, sagte er. Wie bisher auch, gelte es, den Charakter der Stadt und die Lichtentaler Allee als Gesamtkunstwerk zu erhalten.

Wolfgang Niedermeyer, Vorsitzender des Vereins Stadtbild, nutzte den Moment der Freude über das Unesco-Votum für einen Appell an die Baden-Badener Bürger, „mit vollem Herzen dabei zu sein“ bei dem Projekt und sich für die neue Welterbe-Stadt einzusetzen.

Tourismuschefin: Es geht weiter um Qualität

Auch Tourismus-Chefin Nora Waggershauser sagte, sie sei „absolut glücklich“. Der Welterbe-Titel sei freilich kein „Marketing-Booster“ für die Stadt, um mehr Gäste zu gewinnen. Es gehe in Baden-Baden auch künftig darum, den „Qualitätstourismus im Auge zu behalten“.

Der Entscheidung des Unesco-Welterbekomitees im chinesischen Fuzhou, die live im Kurgarten übertragen wurde, war eine lange Hängepartie vorausgegangen. Ursprünglich war geplant gewesen, dass die Organisation der Vereinten Nationen gegen 13 Uhr über den Antrag entscheiden sollte. Doch die Sitzung war in Verzug – und so dauerte es bis 14.30 Uhr, bis der Tagesordnungspunkt „Great Spas of Europe“ – der englische Titel heißt soviel wie „Großartige Bäderstädte in Europa“ – aufgerufen wurde. Doch dann ging alles schnell: Ohne jede Diskussion wurde dem Antrag stattgegeben. „Ich glaube, wir haben's“, meinte die OB in die gespannte Stille vor der Kurhaus-Muschel hinein – noch ganz überrascht, dass die Entscheidung so ohne Diskussionen getroffen wurde. Dann brach Jubel aus, die etwa 120 Zuschauer erhoben sich von ihren Stühlen und klatschten.

Um 12 Uhr hatten sich vor der Konzertmuschel im Kurpark in Baden-Baden die ersten Zuschauer eingefunden. Für sie waren 350 Stühle bereitgestellt und zwei Bühnen vor dem Kurhaus aufgebaut. Evelin König-Wirbitzki moderierte die Veranstaltung. Unter den Gästen vor Ort waren auch viele Kommunalpolitiker und Vertreter der Landespolitik Ex-OB Wolfgang Gerstner und die frühere Tourismuschefin Brigitte Görtz-Meißner waren auch vor Ort.

Die Gäste vor der Konzertmuschel werden durch die Verzögerung gehörig auf die Folter gespannt. Foto: Harald Holzmann

Die Gäste vor der Konzertmuschel werden durch die Verzögerung gehörig auf die Folter gespannt. Foto: Harald Holzmann

Baden-Baden hatte sich gemeinsam mit den anderen Städten unter dem Motto „Great Spas of Europe“ - bedeutendste Kurstädte Europas - beworben. In Deutschland dürfen nun auch Bad Ems und Bad Kissingen den Titel führen. Das zuständige Komitee der Unesco traf die Entscheidung auf seiner 44. Sitzung in der chinesischen Stadt Fuzhou. Mit dem begehrten Titel werden nur Kultur- und Naturstätten von herausragendem universellen Wert ausgezeichnet.

Die „Großen Bäder Europas“ sind Kurorte, die vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangten. Natürliche Thermalwasser sind Grundlage einer Epochen übergreifenden Tradition der europäischen Badekultur. Zu den elf Kurstädten, die den Welterbetitel erhielten, zählen auch Spa (Belgien), Vichy (Frankreich), Bath (Vereinigtes Königreich) sowie Karlsbad, Franzensbad und Marienbad aus der Tschechischen Republik.

Im Stadtbild zeichnen sich die Kurorte bis heute mit Bauten aus, die auf medizinische, therapeutische und gesellschaftliche Funktionen ausgerichtet sind. „In diesen mondänen Stätten der Gesundheitspflege, der Muße und des geselligen Umgangs bildeten sich architektonische Prototypen und eine städtebauliche Typologie heraus, für die es keine frühere Parallele gibt“, teilte die Stadt Baden-Baden zu der Nominierung mit.

Strenge Kriterien für den Titel

Strenge Kriterien gibt es für die Aufnahme in die Liste des Welterbes. Die Objekte müssen von „außergewöhnlichem universellem Wert“ sein. Aus Baden-Württemberg stehen das Zisterzienserkloster Maulbronn (1993), die Klosterinsel Reichenau (2000), der obergermanisch-raetische Limes (2005), die prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen (2011), die beiden Le Corbusier-Häuser in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (2016) sowie die Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb (2017) auf der Liste. Für Baden-Baden versprechen sich Stadt und Land durch den Titel vor allem einen Werbeeffekt - auch wenn Baden-Baden international bekannt ist.

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Banges Warten auch auf der Bühne im Kurpark (von links): OB Margret Mergen, die Ministerin für Landesentwicklung, Nicole Razavi, und Moderatorin Evelin König-Wirbitzki. Foto: Harald Holzmann

Banges Warten auch auf der Bühne im Kurpark (von links): OB Margret Mergen, die Ministerin für Landesentwicklung, Nicole Razavi, und Moderatorin Evelin König-Wirbitzki. Foto: Harald Holzmann

Zwei Bühnen und 350 Stühle wurden vor dem Kurhaus aufgestellt. Foto: Harald Holzmann

Zwei Bühnen und 350 Stühle wurden vor dem Kurhaus aufgestellt. Foto: Harald Holzmann

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BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
24. Juli 2021, 12:16 Uhr
Aktualisiert:
24. Juli 2021, 15:56 Uhr
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