Lockdown trifft Gastronomen mit voller Wucht

Baden-Baden/Bad Peterstal-Griesbach/Rust (tas) – Die zweite Zwangsschließung in diesem Jahr wird für viele Wirte und Hoteliers das Aus bedeuten, da sind sich Branchenvertreter in der Region sicher.

Gastronom Hans Schindler: Er konnte seinen Biergarten nach dem ersten Lockdown im Mai wieder aufmachen. Nun musste er erneut schließen.Foto: Monika Zeindler-Efler

© Monika Zeindler-Efler

Gastronom Hans Schindler: Er konnte seinen Biergarten nach dem ersten Lockdown im Mai wieder aufmachen. Nun musste er erneut schließen.Foto: Monika Zeindler-Efler

Für den Chef des Gasthauses Auerhahn in Geroldsau, Hans Schindler, ist es ein Déjà-vu-Albtraum: Schon wieder ein Lockdown, und schon wieder trifft er Restaurants, Cafés, Bars und Hotels mit voller Wucht.„Mit dem ersten Lockdown wurden viele Gastronomiebetriebe praktisch schon auf die Intensivstation gezwungen. Der Lockdown zwei wird nun für sie den Todesstoß bedeuten“, sagt er.

Schindler, der auch Erster Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Stadtkreis Baden-Baden ist, muss nun seine Mitarbeiter schon wieder in Kurzarbeit schicken. Sie müssen dann nicht nur auf einen Teil ihres Lohns verzichten, sondern auch auf das volle Trinkgeld, das sie im November von den Gästen bekommen hätten.

Als wäre die Situation bei den Wirtsbetrieben nicht schon schlimm genug. Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Umsatz im Gastgewerbe zwischen März und August 2020 real (preisbereinigt) um 40,5 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums. Zwar fiel der Ausfall während des Shutdowns im April mit über 68 Prozent am deutlichsten aus, aber auch in den Folgemonaten konnten die Wirte noch nicht an die Geschäfte des Vorjahrs anknüpfen. Im August lag der Umsatzrückgang in der Gastronomie immer noch bei rund 22 Prozent.

Laut Schindler lief das Geschäft vor allem dort gut, wo man auf eine großzügige Außenbewirtung zurückgreifen konnte. „Die letzten drei Monate waren eigentlich gar nicht schlecht“, sagt Schindler, dessen Auerhahn auch über einen Biergarten verfügt. „Aber nun holt uns die Krise wieder ein.“

Hotelier Meinrad Schmiederer: „Unser Haus war jetzt bis zur vorvergangenen Woche zu fast 100 Prozent ausgebucht.“ Foto: Hotel Dollenberg

© Hotel Dollenberg

Hotelier Meinrad Schmiederer: „Unser Haus war jetzt bis zur vorvergangenen Woche zu fast 100 Prozent ausgebucht.“ Foto: Hotel Dollenberg

Auch Hotelier Meinrad Schmiederer, Chef des Schwarzwald-Hotels Dollenberg in Bad Peterstal-Griesbach, musste die Türen seines Beherbergungsbetriebes sowie der Renchtalhütte am Montag für die Gäste schließen. „Unser Haus war jetzt bis zur vorvergangenen Woche zu fast 100 Prozent ausgebucht. Dann forderte Frau Merkel übers Fernsehen die Menschen auf, zu Hause in ihren Wohnorten zu bleiben. Damit setzte eine Welle von Absagen und Stornierungen ein, vor allem auch aus Belgien und dem Elsass, zwei für uns sehr wichtige Regionen“, beschreibt er.

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Schmiederers Aussagen zufolge hat er neben dem Kurzarbeitergeld bisher keine staatliche Unterstützung erhalten. „Wir sind durchs Raster gefallen, unser Umsatzverlust war nicht groß genug.“ Die Hilfen gingen vor allem an wirtschaftlich schwächere Betriebe. Die Richtlinien hätten es nicht erlaubt, wirtschaftlich stärkere Unternehmen zu unterstützen. Schmiederer fordert, die von der Bundesregierung erneut angekündigten Hilfsprogramme für die geschlossenen Gastronomiebetriebe und Hotels linear und unabhängig von der wirtschaftlichen Lage auszuzahlen. Es gäbe keinen Sinn, die wirtschaftlich starken Betriebe so lange nicht zu berücksichtigen, bis auch diese schwach seien. „Immer weiter vom Speck herunterzuvespern, ist nicht gerade ein sinnvoller Ansatz“.

Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird der November-Lockdown den Restaurants und Hotels in der Republik Einbußen in Höhe von 5,8 Milliarden Euro bescheren. Zwar hat die Bundesregierung für die von der angeordneten Schließung betroffenen Unternehmen einen finanziellen Ausgleich angekündigt, wie viel von dem Geld am Ende in den Betrieben ankommt, steht laut Schindler aber auf einem ganz anderen Blatt. „Warten wir mal die Ausführungsbestimmungen ab. Unter dem Strich wird es nur eine kleine Hilfe sein.“

Die Herbst-Saison im Europa-Park sollte eigentlich andauern, doch der Lockdown macht das zunichte. Foto: Europa-Park

© Hans-Joerg Haas/Europa-Park

Die Herbst-Saison im Europa-Park sollte eigentlich andauern, doch der Lockdown macht das zunichte. Foto: Europa-Park

Auch der Europa-Park in Rust mit seinen zahlreichen Hotels, Restaurants und der Wasserwelt Rulantica würde bei dem derzeit angedachten Finanzausgleich schlecht fahren. „Der Teilausgleich liefert sicher einen wichtigen Beitrag, Existenzen zu sichern, er ist für die Branche aber dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der Sprecher der Geschäftsleitung, Engelbert Gabriel auf BT-Anfrage. „Unser Umsatzverlust liegt bereits bei über 100 Millionen Euro.

Zudem: Da der Finanzausgleich für diesen November am Umsatz des Vorjahresmonats gemessen werden soll, Rulantica aber erst am 28. November 2019 in Betrieb ging, dürfte hier kaum Geld fließen. Auch der Park war im vergangenen Jahr im November die meiste Zeit geschlossen. Um die Umsatzverluste durch Corona zu dämpfen, sollte er jetzt zum ersten Mal zwischen der Herbst- und Wintersaison offen bleiben, doch die Zwangsschließung macht auch diese Pläne zunichte.

„Nachdem wir uns nach dem ersten Lockdown erfolgreich zurückgekämpft haben, wurden wir jetzt unerwartet erneut unsanft ausgebremst. Das ist ein harter Schlag für die Hotel- und Freizeitparkbranche.“ Gabriel ist sich sicher: „Viele Betriebe werden das nicht überstehen.“

Es könnte nochschlimmer kommen


Das befürchtet auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bundesverband). „Einem Drittel der 245.000 Betriebe droht bei einer erneuten Schließung das Aus“, hatte Verbandspräsident Guido Zöllick bereits Ende Oktober gewarnt. Und es könnte noch schlimmer kommen, sollte der Lockdown verlängert werden, befürchtet Auerhahn-Wirt Schindler. „Wenn uns auch noch das Weihnachts- und Silvestergeschäft flöten geht, können wir alle zumachen – dann ist die Branche tot.“


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