Lockerungen für Geboosterte

Stuttgart (bjhw) – Das Land hat neue Corona-Spielregeln. Vieles wird eingeschränkt - doch Menschen, die bereits ihre Boosterimpfung haben, genießen eine Vorzugsbehandlung.

Die Nachfrage nach Corona-Tests dürfte weiter steigen. Hier Teströhrchen in einer Tübinger Teststation. Foto: Marijan Murat/dpa

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Die Nachfrage nach Corona-Tests dürfte weiter steigen. Hier Teströhrchen in einer Tübinger Teststation. Foto: Marijan Murat/dpa

Trotz mancher Kritik bleibt die Landesregierung bei ihrem vergleichsweise harten Vorgehen in der vierten Corona-Welle. Eine Gruppe jedoch profitiert von Erleichterungen. „Für alle Menschen, die bereits ihre dritte Impfung gegen Corona erhalten haben, entfällt überall dort, wo 2G plus gilt, die Testpflicht“, so Uwe Lahl, Amtschef im Sozial- und Gesundheitsministerium. Schon ab dem heutigen zweiten Adventssamstag gilt im Einzelhandel 2G. Clubs, Discos und Weihnachtsmärkte sind geschlossen. Der öffentliche Alkoholkonsum ist verboten. Weiter auf- und ausgebaut werden die Impfstationen in den Stadt- und Landkreisen. Und die Apotheker, die nach den Bund-Länder-Beschlüssen künftig auch impfen dürfen, warnen vor überzogenen Erwartungen angesichts zwingend nötiger Vorbereitungen.

Warum geht die Landesregierung schärfer vor als andere?
Nach den jüngsten Beschlüssen der Ministerpräsidenten steht es allen Bundesländern frei, bei Erreichen bestimmter Corona-Zahlen in verschiedenen Bereichen eigene Ge- und Verbote zu erlassen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erläutert die Einschränkungen mit den hohen Infektionszahlen: „Wir müssen, auch wenn es schmerzt, zu drastischen Mitteln greifen, um diese Welle zu stoppen.“ Im Einzelhandel gilt 2G, in anderen Bereichen, etwa in Gaststätten, im Zoo, im Theater oder bei Freizeitveranstaltungen, 2G plus, also eine Testpflicht auch für Doppeltgeimpfte und Genesene. „Wer aber bereits geboostert ist“, so Lahl, „muss überall dort, wo die 2G-plus-Regel in Kraft ist, keinen aktuellen negativen Corona-Test mehr vorlegen.“

Verordnung kommt „sehr kurzfristig“

Wie wird kontrolliert?
Für den Einlass nach den jeweiligen Regeln sind Ladenbesitzer, Gastwirte oder Veranstalter zuständig, für die Kontrollen der Kontrollen die Ortspolizeibehörden. Und die hat Lahl in einem Brief gebeten, bis Ende nächster Woche kulant vorzugehen. „Die Lage ist sehr ernst, wir wissen aber, dass die neue Verordnung sehr kurzfristig kommt und eine riesige Herausforderung für Veranstalter und Gastronomen darstellt“, schreibt der Amtschef. Dies solle bei der Ahndung etwaiger Verstöße berücksichtigt werden.

Können Gastronomen, die aus wirtschaftlichen Gründen bei 2G plus freiwillig schließen, auf Hilfen hoffen?
Landesweit sind Gaststätten trotz der 2G-Regel durchaus gut besucht. Dass sehr viele geimpften und genesenen Gäste jetzt aber auch noch einen aktuellen Antigen-Test dabei haben müssen, kommt für Fritz Engelhardt, den Landesvorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), einem Lockdown durch die Hintertür gleich. Die Branche sei zu keinem Zeitpunkt Pandemietreiber gewesen, „ein sicherer Gasthausbesuch ist, zumal unter 2G-Bedingungen, problemlos möglich“. Engelhardt kritisiert vor allem die Einführung der neuen Regeln „von heute auf morgen“. Das sei gegenüber den Betroffenen respektlos. Er gehe davon aus, dass sehr viele gastgewerbliche Betriebe in den nächsten Tagen schließen, weil sie unter den Bedingungen der neuen Corona-Verordnung nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könnten. Das Land plant zusätzliche Hilfen bei derartigen wirtschaftlichen Härten, wobei erst geklärt werden muss, wie der Nachweis zu führen ist.

Was gilt im Sport?
Grundsätzlich bei allen Veranstaltungen dürfen Zuschauer-Kapazitäten nur noch zur Hälfte ausgeschöpft werden, darüber hinaus wurde eine Obergrenze von 750 Zuschauern eingeführt. Und die ist schon am heutigen Samstag auch in der Fußballbundesliga verbindlich. Die Bayern sind noch strenger. Weil die Inzidenz höher ist als in Baden-Württemberg, sind beim Nachbarn Zuschauer im gesamten Profisport von Spielen der überregionalen Ligen ausgeschlossen.

Ab wann kann in Apotheken geimpft werden?
Vielerorts zum Straßenbild gehören lange Schlangen vor Impfbussen oder jenen Impfstationen, wie es sie auch in Baden-Baden oder Rastatt gibt, die weiter ausgebaut und zur Gänze aus Landesmitteln finanziert werden. Die Hoffnung auf Entspannung wird von Tatjana Zambo, der Gaggenauer Apothekerin und Präsidentin des Landesapothekerverbands (LAV), die schon beim Testen Vorreiterin war, jedoch gedämpft: weil vielfach die unbedingt notwendigen Räume nicht vorhanden seien. Dazu erläutert LAV-Sprecher Frank Eickmann auf BT-Anfrage die Gründe für den zeitlichen Vorlauf bis 2022: Apotheker müssten eine Schulung absolvieren, deren Details noch gar nicht geklärt seien. „Wir sind nicht die Lösung“, so Eickmann, „sondern ein Teil der Lösung.“ Vergleichsweise zügig könnten allerdings rund 60 Standorte in Mannheim, im Großraum Esslingen und im Großraum Schwäbisch Hall die Corona-Schutzimpfung anbieten, weil sie in einem Modellversuch gegen Grippe impfen dürfen.


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