Lösung eines Dauerkonflikts

Baden-Baden (vo) – Nach der Aufspaltung der Oetker-Gruppe steht das Brenners Park-Hotel & Spa im Fokus.

Das Brenners Park-Hotel: Es ist Mitglied der Oetker Collection. Foto: Monika Zeindler-Efler

© MONIKA ZEINDLER-EFLER

Das Brenners Park-Hotel: Es ist Mitglied der Oetker Collection. Foto: Monika Zeindler-Efler

In der vergangenen Woche endete – zumindest vorläufig – der jahrelange Streit unter den Erben der Oetker-Dynastie mit der Aufspaltung des Konzerns. Die Gruppe mit mehr als 400 Firmen und einem Jahresumsatz von 7,3 Milliarden Euro wird neu aufgestellt. Was bedeutet dies für die exklusive Hotelkette „Oetker Collection“ mit Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden als Flaggschiff?
Über die Aufspaltung des 30 Jahre alten Familienunternehmens war schon lange spekuliert worden. Im Dauerkonflikt stehen auf der einen Seite fünf ältere Halbgeschwister aus den ersten beiden Ehen des 2007 verstorbenen Firmenpatriarchen Rudolf-August Oetker, auf der anderen Seite drei jüngere aus der dritten Ehe. „Mit dieser Entscheidung überwinden die Gesellschaftergruppen ihre unterschiedlichen Vorstellungen zur Führung und Strategie der Oetker-Gruppe“, begründete der Konzern per Pressemitteilung den Einschnitt.

Die Gesellschafter Richard Oetker, Rudolf Louis Schweizer, Philip Oetker, Markus von Luttitz sowie Ludwig Graf Douglas bleiben Inhaber der Dr. August Oetker KG sowie unter anderem der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG, der Conditorei Coppenrath & Wiese KG, der Radeberger Gruppe KG mit ihren Getränkefachmärkten und -großhandlungen sowie von Plattform- und Liefermodellen. Außerdem gehören ihr künftig das Brenners Park-Hotel in Baden-Baden und das Hôtel du Cap-Eden-Roc in Antibes. Beide verbleiben mitsamt den Grundstücken bei den fünf Erben des ersten Familienstamms und werden weiterhin von der Oetker Hotel-Management Company (OHMC) in Baden-Baden gesteuert.

Die drei Erben aus dritter Ehe, Alfred, Carl Ferdinand und Julia Johanna Oetker, übernehmen demnach unteren anderem die Tochtergesellschaften Henkell & Co. Sektkellerei, die Martin Braun Backmittel KG, die Chemiefabrik Budenheim, die Kunstsammlung August Oetker sowie die restlichen Häuser aus der Hotelsparte samt Immobilien, die unter dem Dach der OHMC bleiben.

Vielversprechende Belegungszahlen


Die acht Kinder von Rudolf August Oetker halten jeweils Anteile von 12,5 Prozent am Konzern. Damit kommen die Kinder aus den ersten beiden Ehen auf zusammen rund 62,5 Prozent der Anteile. Die drei jüngsten Kinder aus der letzten Ehe des Patriarchen, die vor allem durch Alfred Oetker als stellvertretenden Beiratsvorsitzenden vertreten werden, erreichen 37,5 Prozent. Allerdings hatte der Patriarch noch zu Lebzeiten bestimmt, dass letztere nicht überstimmt werden dürfen. Diese Konstellation war dem Familienunternehmen, das noch 2017 einen Umsatz von fast zwölf Milliarden Euro erwirtschaftet hatte, zuletzt nicht immer zuträglich. Die neue Aufteilung der Unternehmensbereiche wird von Fachleuten nun als positiv für die Zukunft bewertet.

Blick nach Baden-Baden: Offiziell wurde die Oetker Collection zwar erst im Jahr 2008 gegründet, doch die Wurzeln reichen bis zur Eröffnung des Brenners Park-Hotel & Spa im Jahr 1972 zurück. Das Anwesen in herausragender Lage an der Lichtentaler Allee galt als ein Lieblingsreiseziel von Rudolf August Oetker.

Startschuss für eine neue Sparte im Familienunternehmen

Im Jahr 1941 kaufte er das Anwesen. Es war der Startschuss für eine neue Sparte im Familienunternehmen. Inzwischen umfasst die Oetker Collection elf sogenannte Masterpiece-Hotels sowie mehr als 150 private Villen und Anwesen weltweit.

Die Hotelgruppe ist bislang im Konzern neben den Geschäftsbereichen Nahrungsmittel (Umsatz 2020: 4,137 Milliarden Euro), Bier und alkoholfreie Getränke (1,625 Milliarden Euro) sowie Sekt, Wein und Spirituosen (970 Millionen Euro) unter der Bezeichnung „Weitere Interessen“ angesiedelt.

Im vergangenen Jahr erzielte dieser Geschäftsbereich, zu dem auch Unternehmen der chemischen Industrie oder der Logistik gehören, einen Umsatz von knapp 600 Millionen Euro. Das war ein Minus von mehr als elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, das in erster Linie auf das Konto der Hotels ging. Deren Erlöse blieben um 118 Millionen Euro oder 69,4 Prozent hinter dem Vorjahreswert von 170 Millionen Euro zurück.

Speziell zum Brenners Park-Hotel heißt es dazu im Geschäftsbericht, dass das Haus zwar im Juni 2020 nach dreimonatiger Schließung wiedereröffnet werden konnte und zunächst vielversprechende Belegungszahlen gehabt hätte. Dennoch habe die Auslastung deutlich unter dem Niveau des Vorjahres gelegen, sodass hohe Umsatzverluste verkraftet werden mussten. Konkrete Zahlen dazu nennt Oetker im Geschäftsbericht nicht.


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