Loffenau: Paradebeispiel für Habitat-Baumgruppe

Loffenau (stj) – Mit dem Vertragsnaturschutz hat das Land Baden-Württemberg ein Förderinstrument für den Waldnaturschutz aufgelegt. Loffenau ist 2021 ins Programm eingestiegen.

41 Meter hoch und über 200 Jahre alt ist diese Tanne in der Vorderen Adamsmiss nahe des Albursprungs am Revierrand von Loffenau. Dort erklären die Forstleute dem Gemeinderat den Vertragsnaturschutz und dessen Vorzüge. Foto: Stephan Juch

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41 Meter hoch und über 200 Jahre alt ist diese Tanne in der Vorderen Adamsmiss nahe des Albursprungs am Revierrand von Loffenau. Dort erklären die Forstleute dem Gemeinderat den Vertragsnaturschutz und dessen Vorzüge. Foto: Stephan Juch

Im Loffenauer Gemeinderat herrschte darüber schon im vergangenen Jahr Einigkeit, schließlich gibt es im Gemeindewald relativ viele alte und ökologisch wertvolle Bäume, die erhaltenswert sind, aber keinen guten Wert mehr im Holzverkauf erwarten lassen. Bei der Waldbegehung konnten sich die Kommunalpolitiker nun ein Bild davon machen, wo und wie der Vertragsnaturschutz Anwendung findet.

„Wir haben hier ein Paradebeispiel für eine Habitat-Baumgruppe“, erklärt Revierleiter Raphael Knapp an der Vorderen Adamsmiss im Distrikt IV Teufelsmühle. Nahe des Albursprungs befinden sich dort am Revierrand zu Bad Herrenalb mehrere alte Baumriesen – unter anderem eine 41 Meter hohe und über 200 Jahre alte Tanne, die zu den ältesten Bäumen Loffenaus gehören dürfte. Sie hat zwar ein stattliches Holz-Volumen von circa 25 Festmetern, ihr ökologischer Wert übersteige den ökonomischen aber bei Weitem. „Das ist oft so“, sagt Markus Krebs. Der Leiter des Forstbezirks Gaggenau und seine Kollegen nutzen den Besuch der abgelegenen Habitat-Baumgruppe, um zu verdeutlichen, dass Naturschutz im Loffenauer Wald nichts Neues ist. Allerdings kann er jetzt monetär in Wert gesetzt werden – eben durch das Vertragsnaturschutzprogramm.

Waldnaturschutz wird monetär belohnt

Werden einzelne Bäume, wie die imposante Tanne, an der die Gemeinderäte für ein Gruppenfoto posieren, für die Dauer von zehn Jahren stillgelegt, erhält die Gemeinde 130 Euro dafür; bei einer Zeitspanne von 20 Jahren sind es 360 Euro. Revierförster Knapp hat innerhalb weniger Meter Abstand fünf Tannen und vier Altbuchen mit einem blauen Band markiert. Legt man diese vertraglich für 20 Jahre still, bekommt Loffenau dafür rund 3.400 Euro, rechnet Knapp zusammen. Allerdings gibt der Förster zu bedenken, dass es nicht überall so leicht sei, Habitat-Baumgruppen wie diese auszuweisen.

Die Entwicklung mehrerer alter und starker Bäume in unmittelbarer räumlicher Nähe bietet einen Rückzugsraum für viele bedrohte Waldarten. Die Förderung soll diese Altbaumgruppen, auch mit einzelnen toten Bäumen, erhalten und eine natürliche Weiterentwicklung gewährleisten. Langfristig soll so ein funktionales Netz aus alten und toten Bäumen entstehen.

Wie wohltuend ein Aufenthalt in diesem, einem Märchenwald ähnelnden Refugium an der Grenze zu Bad Herrenalb sein kann, erfahren die Gemeinderäte beim interaktiven Waldbaden mit Forst-Trainee Sarah Kubela. Nach dem Schildern persönlicher Eindrücke und Gefühle geht es um die Prozesse, die sich im langen Leben eines Baums abspielen, der Heimat vieler Lebewesen und Mikrohabitate ist. „Der Zyklus ist für das Ökosystem extrem wichtig“, betont Kubela: Ökosysteme haben unterschiedlichste Elemente und Strukturen; diese sind durch ein Netzwerk ökologischer Wirkungs- und Wechselwirkungsbeziehungen miteinander verbunden.

Tannenstachelbart in Loffenau

Am Beispiel der alten Tanne bei der Stickelswies am Rande zum Staatswald von Bad Herrenalb verweist sie zum Beispiel auf die perfekten Plätze für Horste von Greifvögeln, den Lebensraum für zahlreiche Insekten, für Fledermaus-Arten oder seltene Pilze, wie den in Loffenau nachgewiesenen Tannenstachelbart. „Es ist schön, dass der Naturschutz diese Wertschätzung erfährt“, freut sich der Trainee über den Vertragsnaturschutz, der nun entsprechende Bemühungen finanziell belohnt – auch im Loffenauer Gemeindewald.

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
25. Oktober 2021, 15:56 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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