Loffenau: Welchen Mehrwert bringt die Bioregion?

Loffenau (stj) – Der Gemeinderat will die Entwicklung des neuen Vereins Bioregion Mittelbaden+ erst mal abwarten, ehe man sich für einen Beitritt als förderndes Mitglied entschließt.

Loffenau ist auch bekannt für seine saftigen Streuobstwiesen. Deren Erhalt geht einher mit den Zielen des Vereins Bioregion Mittelbaden+. Foto: BT-Archiv

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Loffenau ist auch bekannt für seine saftigen Streuobstwiesen. Deren Erhalt geht einher mit den Zielen des Vereins Bioregion Mittelbaden+. Foto: BT-Archiv

Obwohl der Gemeinderat den Zielen des neuen Vereins Bioregion Mittelbaden+ positiv gegenübersteht, konnte sich das Gremium am Dienstagabend nicht dazu durchringen, sich als förderndes Mitglied anzuschließen. Man wolle zunächst abwarten und die Tätigkeiten des Vereins beobachten, ehe man sich zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht dazu entschließt, beizutreten.

Die Verwaltung hatte eine Mitgliedschaft befürwortet, sehe sie doch mehrere sinnvolle Kooperationsmöglichkeiten mit dem jungen Verein – gerade was die Vermarktung von regionalen Erzeugnissen anbelange. Bürgermeister Markus Burger verwies etwa auf den Loffenauer Landmarkt oder die Aktivitäten des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins im Bezug auf den Erhalt der Streuobstwiesen.

Netzwerke sind in Mode, aber bringen die wirklich was?

Hintergrund: Am 10. Dezember 2020 hat das Land Baden-Württemberg die Initiativgruppe Bioregion Mittelbaden als Bio-Musterregion Mittelbaden anerkannt; am 9. September 2021 hat sich daraus der eingetragene Verein Bioregion Mittelbaden+ gegründet. Ziele des Vereins sind insbesondere die ökologische Landwirtschaft entlang regionaler Wertschöpfungsketten zu stärken, die Auswahl an Bio-Lebensmitteln zu vergrößern und das Netzwerk der Akteure auszubauen. Die Vereinsgründung wird von den Verantwortlichen um das Vorstandstrio Helga Decker, Sven Wilhelm und Martin Blum als Meilenstein auf dem Weg zur Bio-Musterregion gewertet. Im Juli 2020 hatten rund 70 Interessierte das Projekt gestartet, mit dabei: Landwirte, Winzer, Imker, Gastronomen, Händler und Verbraucher aus der Region. Der Naturpark Schwarzwald Mitte-Nord wurde zum „Leadpartner“. Der Naturpark verantwortet das Regionalmanagement in der Außenstelle Steinbach und trägt die Gesamtverantwortung. Die Bioregion umfasst den Landkreis Rastatt, den Stadtkreis Baden-Baden und den Ortenaukreis und ist in dieser Ausdehnung mit die größte der 14 Bio-Musterregionen in Baden-Württemberg.

Kuppenheim und Bischweier sind beigetreten

„Wir fragen uns schon, welchen Mehrwert die Gemeinde Loffenau von einer Mitgliedschaft hat“, sagte Wolfgang Reik. Der Fraktionssprecher von SPD & Aktive Loffenauer Bürger verwies auf zahlreiche Vereine und Netzwerke, denen Loffenau zuletzt beigetreten sei – und dies nicht immer mit nachvollziehbaren Vorteilen. Die 300 Euro Jahresbeitrag, die man als förderndes Mitglied der Bioregion Mittelbaden+ zahlen müsse, seien zwar nicht die Welt, man wolle aber schon wissen, was damit passiert. Reiner Singer (Freie Wähler) ergänzte in diesem Zusammenhang, dass es bei eingetragenen Vereinen üblich sei, dass Vorstandsgremien ehrenamtlich und unentgeltlich arbeiteten, dies gehe aus der Satzung der Bioregion Mittelbaden+ aber nicht eindeutig hervor. „Auf dem Papier sieht das alles gut aus. Aber wenn aus den Mitgliedsbeiträgen der Kommunen die Vorstandschaft mitfinanziert wird, wäre das sicher nicht in unserem Sinne.“

Man einigte sich im Gemeinderat schließlich ohne Abstimmung darauf, dem Verein vorerst nicht beizutreten und zu schauen, wie er sich entwickelt. Jüngst für eine Mitgliedschaft ausgesprochen hatten sich aus dem Landkreis Rastatt Kuppenheim und Bischweier.


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