Loffenau bietet „beste Standorte für Windkraft“

Loffenau (ham) – Reiner Singer fordert seit vielen Jahren Windkraft auf den Höhen von Loffenau, die ideale Bedingungen bieten. Durch eine Initiative des Wirtschaftsministeriums verspürt der Fraktionschef der FWG im Gemeinderat Rückenwind für sein Lieblingsprojekt.

Reiner Singer plädiert im Gemeinderat schon seit vielen Jahren für Windkraft und Umweltschutz vor Ort. Foto: pr

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Reiner Singer plädiert im Gemeinderat schon seit vielen Jahren für Windkraft und Umweltschutz vor Ort. Foto: pr

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will Gemeinden und Anwohner an den Einnahmen von Windrädern beteiligen. Der Vorstoß spielt Reiner Singer in die Karten. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wählergemeinschaft im Loffenauer Gemeinderat setzt sich schon lange für Windkraft auf den Höhen des Murgtals ein. BT-Redakteur Hartmut Metz unterhielt sich mit Singer darüber, ob seine klamme Kommune von dem 18-Punkte-Plan Altmaiers auch finanziell profitieren kann.

BT: Herr Singer, Sie plädieren seit Jahren im Gemeinderat für Windkraft auf Loffenauer Gemarkung. Ihre Gründe?

Reiner Singer: Bereits 2002 habe ich als Neubürger den ersten Leserbrief pro Windkraft geschrieben. Damals übrigens mit der gleichen Intention, die auch heute noch gilt: Wir müssen etwas gegen den Klimawandel und damit gegen den CO2-Ausstoß unternehmen. Der Bau von Windrädern ist eine Möglichkeit. Auf Loffenauer Gemarkung haben wir mit die besten Windkraftstandorte in ganz Baden-Württemberg. Konkrete Windmessungen bei früheren Planungen haben dies bestätigt.

BT: Wirtschaftsminister Peter Altmaier ist nun auf Ihrer Seite und plädierte vor Kurzem dafür, die Standort-Kommunen am Ertrag zu beteiligen, um die Akzeptanz zu erhöhen. Verspüren Sie nun plötzlich Rückenwind?

Singer: Die Windkraft in Baden-Württemberg braucht sicher Unterstützung, damit die möglichen Potenziale auch sinnvoll genutzt werden können. In der Vergangenheit wurde die Windkraft hier im Land politisch eher behindert. Andere Bundesländer sind einen anderen Weg gegangen. Insofern erhoffe ich mir jetzt, dass auch in Baden-Württemberg ein Umdenken einsetzt.

BT: Der CDU-Politiker schlägt vor, „mindestens“ 0,2 Cent je produzierter Kilowattstunde an die Gemeinden zu zahlen. Das ergäbe im Schnitt rund 20 000 Euro pro Windrad. Reicht das?

Singer: Wenn die Politik jetzt – neben der Pacht für den Grundbesitzer – den Gemeinden ein finanzielles Zubrot in Form einer Förderung der Windkraft geben will, kann dies sicher helfen, die Akzeptanz zu erhöhen. Meine Hauptintention besteht aber nach wie vor darin, einen möglichst effektiven Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten – auf unserer Gemarkung ist das die Nutzung der Windkraft. Leider wurde auf Loffenauer Gemarkung bei der Regional- und Flächennutzungsplanung trotz bester Windhöffigkeit kein Vorrangstandort ausgewiesen. Als Gegenargumente wurden im Wesentlichen Naturschutzgründe genannt und hier vor allem der Schutz des Auerhuhns.

Klimawandel setzt Auerhuhn mehr zu

BT: Das Auerhuhn gilt als vom Aussterben bedroht.

Singer: Stopp, hier muss jetzt differenziert werden. Es ist richtig, dass viele Anzeichen darauf hindeuten, dass das Auerwild seinen Lebensraum im Schwarzwald möglicherweise verlieren wird. Aber die Tierart Auerhuhn ist nicht vom Aussterben bedroht. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet in den lichten, kalten Wäldern in Skandinavien und Sibirien werden Auerhühner noch geschossen und verspeist. Der durch Zählung nachgewiesene Bestand an balzenden Hähnen ist in den letzten 25 Jahren im Schwarzwald auf ein extrem niedriges Niveau gefallen. Und das, obwohl Baden-Württemberg mit dem Aktionsplan Auerhuhn seit 2008 viele Millionen in den Schutz investiert hat. Es darf vermutet werden, dass der Auerhuhnschutz einen starken Gegenspieler hat, der vor Ort mit Geld nicht besiegt werden kann: der Klimawandel.

BT: Der Präsident des Bundesverbands Wind-Energie, Hermann Albers, bot an, „ein bis zwei Prozent der Erträge“ an die Gemeinden zu zahlen – plus einen Gewerbesteuer-Anteil zulasten der Gemeinden, an denen die Gesellschaften ihren Sitz haben. Der Vorstoß der Bundespolitik kommt zur rechten Zeit, weil die Kommunen nun durch Corona noch klammer und in Zugzwang sind. Forbach ist auch solch ein Beispiel.

Singer: Ja, es stimmt, auch die Kommunen werden durch Corona große finanzielle Schwierigkeiten bekommen. Klimaschutz ist aber ein Langstreckenlauf und eher auf Dauer angelegt. Wenn wir mit einer sinnvollen Klimaschutzmaßnahme zusätzlich einen Beitrag für die Gemeindekasse leisten können, will ich dies auf jeden Fall realisieren. Als Gemeinderat trage ich auch eine finanzielle Gesamtverantwortung für die Gemeinde.

BT: Sie plädieren immer – wie die Naturschutzorganisationen – für mehr Umweltschutz vor Ort. Man kann ja nicht immer nur den Dritte-Welt-Ländern vorwerfen, sie holzten den Regenwald ab …

Singer: Richtig. Wenn wir alle, jeder in seinem Verantwortungsbereich, sinnvolle Klimaschutzprojekte realisieren, kommen wir einen wesentlichen Schritt weiter. In allen Landkreisen im Nord-, Mittel- und Südschwarzwald drehen sich inzwischen Windräder, was bei einem Sonntagsausflug für jeden sichtbar wird – nur in Rastatt/Baden-Baden nicht. Woran liegt dies? Ich erwarte vom Natur- und Artenschutz eine gewisse Kompromissbereitschaft, sehr gute Windkraftstandorte trotz Bedenken mitzutragen. Der Klimawandel betrifft schließlich alle Tier- und Pflanzenarten, er kennt keine Grenzen. Im Zweifel sollte die Politik entsprechende Vorgaben machen.

BT: Gegner lehnen gerne Windparks ab als „Verspargelung der Landschaft“ – Spargel gilt aber doch in badischen Landen als Delikatesse … Finden Sie die Windräder ästhetisch oder unästhetisch?

Singer: Diese Frage muss jeder subjektiv für sich selbst beantworten. Für mich wären Windräder auf Loffenauer Gemarkung ein sichtbares Zeichen, dass wir bereit sind, uns für den Klimaschutz zu engagieren und somit Gesamtverantwortung übernehmen – und eben nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip verfahren.

Ein halbes Dutzend Windräder machbar

BT: Sie sind bisher in Loffenau mit Ihrer Forderung nach Windkrafträdern noch nicht durchgedrungen. Sind Sie nun optimistischer?

Singer: Um Windräder auf unserer Gemarkung realisieren zu können muss zunächst der politische Wille hierzu vorhanden sein. Dann müssen der Regional- und der Flächennutzungsplan überarbeitet und geändert werden, dies wird einige Jahre dauern. Hierbei müssen dann alle Fakten offengelegt werden. Bei der letzten Planung wurden zum Beispiel Daten zum tatsächlichen Vorkommen von Auerwild nicht bereitgestellt, obwohl wir dies zweimal öffentlich gefordert haben. Zwei Windräder auf der Hohen Wanne oder vier Windräder als interkommunales Projekt zusammen mit Gernsbach auf dem Höhenrücken der Teufelsmühle hielte ich für erstrebenswert, die Hoffnung stirbt zuletzt.


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