Loffenau nur zufällig im Mittelpunkt

Loffenau (ham) – Wegen einer Grundsteuer-Modellrechnung ist Loffenau diese Woche in den Mittelpunkt gerückt. Vermeintlich sinkt nur dort im Land nach der neuen Berechnung die Grundsteuer. Ein Irrtum.

Auch wenn man seinen Eingang in Loffenau tierisch schön bepflanzt, sinkt die Grundsteuer künftig wohl kaum. Foto: Metz

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Auch wenn man seinen Eingang in Loffenau tierisch schön bepflanzt, sinkt die Grundsteuer künftig wohl kaum. Foto: Metz

Mancher schwäbische Häuslebesitzer wird bei der Zeitungslektüre diese Woche erst einmal kräftig geschluckt haben. Nach einer Modellrechnung des Steuerzahlerbundes würde sich die Grundsteuer in Böblingen spätestens ab 2025 fast versiebenfachen! Allein in Loffenau durften sich die Eigentümer dagegen zufrieden die Hände reiben, prognostizierte die Beispielrechnung doch dort eine Senkung der Grundsteuer von 593,05 auf 219,53 Euro, wenn auf Bodenrichtwerte umgestellt wird.

Allerdings steht dieser Rückgang um fast 60 Prozent nur auf dem Papier – und wird genauso wenig im Portemonnaie der Loffenauer Hauseigentümer ankommen, wie der Betrag bei den Böblingern aus dem Geldbeutel verschwindet. Deren Grundsteuer wird wohl kaum von bisher 127,76 auf 926,45 Euro in die Höhe schnellen; in Leonberg stiege dann die Abgabe sogar von 329,48 auf 1.823 Euro im Jahr.

340.000 Euro unverzichtbar

Dass sich vermutlich weder in Loffenau noch in anderen Kommunen viel an dieser Einkommensart ändern, hat mehrere Gründe: Zum einen liegt das daran, dass die klamme Gemeinde kaum auf die rund 340.000 Euro im Jahr durch die Grundsteuer verzichten kann. Daher müsste der Gemeinderat die neuen Bodenrichtwerte so anpassen, dass ähnlich hohe Einnahmen in den Gemeindesäckel flössen.

Zum anderen ist die vermeintliche Horrorrechnung des Bundes der Steuerzahler in Baden-Württemberg mit angeblich zahllosen „Verlierern“ in Ein- und Zweifamilienhäusern eher bloße Fiktion. Die grün-schwarze Landesregierung hält wenig von dem 2019 beschlossenen Grundsteuer-Bundesgesetz. Sie will daher die gewährte Möglichkeit nutzen, ein „modifiziertes Bodenwertmodell“ abzusegnen – und das dürfte mit den Kommunen abgestimmt werden. Schließlich darben sie im Südwesten nicht erst seit Corona finanziell und können gar nicht auf die jährlichen Einnahmen von 1,8 Milliarden Euro verzichten.

Nur zehn Fälle nicht repräsentativ

Das sieht auch Loffenaus Bürgermeister Markus Burger so. Warum ausgerechnet das 2.500-Seelen-Dorf in der Untersuchung als Solitär dasteht und nur hier die Steuer sinkt, weiß er leicht zu erklären: Die Fallzahl von lediglich zehn „herausgepickten Einfamilienhäusern aus zehn Gemeinden“ ist wenig repräsentativ. Berechnete sich die Grundsteuer bisher in erster Linie nach dem Gebäudewert, richte sich „das neue Modell in erster Linie nach dem Bodenwert. Überall dort, wo der Bodenwert geringer ist, sinkt daher tendenziell die Grundsteuer“, erläutert das Ortsoberhaupt und betont: „Dies ist aber kein Phänomen nur in Loffenau, sondern betrifft alle ländlichen Gemeinden. Die übrigen aufgeführten Beispiele wie Böblingen liegen alle in Ballungsgebieten mit hohen Bodenrichtwerten. Daher steigt dort die Steuer.“

Letztlich dürften sich die Änderungen bei dieser Steuer also allerorten nivellieren.

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Erstellt:
16. Juli 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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