Loffenauer Bürgermeister a. D. feiert 70.

Loffenau (stj) – Vier Jahrzehnte lang stand Erich Steigerwald als Bürgermeister im Dienste der Gemeinde Loffenau. Am Samstag, 24. Juli, wird der einzige Ehrenbürger des Dorfs 70 Jahre alt.

Mit sich im Reinen: Erich Steigerwald genießt den Ruhestand und feiert am 24. Juli seinen 70. Geburtstag. Foto: Stephan Juch

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Mit sich im Reinen: Erich Steigerwald genießt den Ruhestand und feiert am 24. Juli seinen 70. Geburtstag. Foto: Stephan Juch

Locker und leger steht Erich Steigerwald auf dem Balkon seines Anwesens in der Merkurstraße, lässt sich gut gelaunt quasi über den Dächern der Gemeinde, die er vier Jahrzehnte lang als Bürgermeister prägte, für seinen heutigen Jubeltag ablichten. Den 70. Geburtstag kann der erste Loffenauer Ehrenbürger am Samstag bei guter Gesundheit feiern. Das tut er im kleinen Kreis mit Verwandten und Freunden.

Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt der jüngste Verlust seines Freundes und langjährigen Wegbegleiters Toni Huber. Auch Steigerwald selbst hatte schon mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, vor allem als ihn vor acht Jahren ein Stimmbandkarzinom außer Gefecht setzte. Und 2014 ereilte ihn ein Schicksalsschlag, als seine Frau Ilse verstarb. Aber der „ewige Erich“, wie sie ihn in Loffenau gerne nennen, kämpfte sich durch diese Krisen, zog auch seine fünfte Amtszeit voll durch und weiß nun seit mittlerweile knapp vier Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand zu genießen.

„Ich habe einen endgültigen Schnitt gemacht“

„Ich habe einen endgültigen Schnitt gemacht und mische mich in die Kommunalpolitik überhaupt nicht mehr ein“, betont Steigerwald. Und schiebt sofort hinterher: „Obwohl sie mich nach wie vor brennend interessiert.“ Aber dafür habe er ja das BT, das er neben zwei weiteren Tageszeitungen täglich liest. Kein Terminstress, genügend Zeit für die Hobbys: So hat sich der Pensionär das vorgestellt. Nach wie vor ist Steigerwald begeisterter Jäger, hat Begehungsscheine in Loffenau und Lautenbach sowie in der Nähe von Wetzlar, der Heimat seiner zweiten Ehefrau Rosemarie, die er über die Jagd kennengelernt hat.

Entspannung findet der Bürgermeister a. D. auch beim Forellen-Angeln und beim Cruisen mit seinem Cabriolet – einem Mustang, mit dem er nach den Corona-Einschränkungen durch Deutschland touren möchte. „Ich hätte nie gedacht, dass mir der Staat mal meine geliebte Skatrunde verbieten würde“, blickt der nun 70-Jährige auf die Entbehrungen der vergangenen Monate zurück, die ihn persönlich aber nicht so hart getroffen hätten. Er ist mit sich im Reinen.

Beschäftigung findet Steigerwald zurzeit auch beim Schreiben einer Ortschronik für die Jahre von 1930 bis 1955. „Über diese Zeit ist in Loffenau wenig bekannt und berichtet“, erläutert der Hobbyhistoriker, der für seine Arbeit auf die alten Gemeinderatsprotokolle sowie die Archive der Gemeinde und des Landkreises zurückgreift. Zur Ortschronik dazu gehören Kurzbiografien seiner fünf Vorgänger. 2022 wird Loffenau 725 Jahre alt – ein guter Anlass, die Chronik der Gemeinde bis dahin vervollständigt zu haben.

Träger der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg

Beim Blick auf das aktuelle Geschehen vor der Haustür würde sich Steigerwald wünschen, „dass die Tour de France mal wieder durch Loffenau fährt“. Das war in seiner Amtszeit zweimal der Fall – und jeweils wurde die L564 entsprechend hergerichtet. Doch seit dem letzten Gastspiel der Radprofis im Jahr 2005 hat sich der Zustand der Straße nach Bad Herrenalb derart verschlechtert, dass es heute zu Massenstürzen kommen würde, ist sich Steigerwald sicher. Neben diesem beklagenswerten Zustand trauert der Träger der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg dem schleichenden Verlust der Infrastruktur im Dorf hinterher – kein Friseur, keine Tankstelle, kein Bäcker. Und man merke im Ort, dass Bauplätze fehlen. Dennoch lasse es sich in Loffenau sehr gut leben, betont der Ehrenbürger, der diesen Titel auch in der italienischen Partnergemeinde Montefelcino trägt.

Besonders freue sich Steigerwald, dass zu seinem heutigen Geburtstag Bürgermeister Frank Schöning aus der sächsischen Partnergemeinde Kreischa nach Loffenau kommt. Der Jubilar selbst stammt aus Nürtingen, wo er am 24. Juli 1951 als zweiter Sohn von Maria und Georg Steigerwald geboren wurde. Als Hauptamtsleiter der Gemeinde Deizisau bewarb er sich schließlich als 26-Jähriger um die Bürgermeisterstelle in Loffenau – und fand hier sein persönliches Glück.

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
24. Juli 2021, 10:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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