Talent-Jagd weit über den Campus hinaus

Karlsruhe (BNN) – Die Gründer schliefen auf dem Boden, um Geld zu sparen für ihr Start-up Campusjäger. Das heißt mittlerweile Workwise und wächst von Karlsruhe aus rasant.

Wohnzimmer-Atmosphäre bei Workwise: Das Team um Gründer Martin Trenkle (Mitte) wächst rasant. 2023 soll die eigene Mitarbeiterzahl mehr als verdoppelt sein. Foto: Andrea Fabry/BNN

© Foto Fabry info@foto-fabry.de

Wohnzimmer-Atmosphäre bei Workwise: Das Team um Gründer Martin Trenkle (Mitte) wächst rasant. 2023 soll die eigene Mitarbeiterzahl mehr als verdoppelt sein. Foto: Andrea Fabry/BNN

Loft-Atmosphäre im Workwise-Büro in der Karlsruher Innenstadt: An der Bar zischen die Kaffeemaschinen, bei der Bücherecke stehen stylische Sofas. Auf eine Holzplatte sind bunte Polaroids gepinnt. In der Küche schnippelt eine Mitarbeiterin Bananenscheiben in ihr Müsli – ringsum wird aber vor allem viel gearbeitet.

Die Workwise GmbH, 2013 mit voller Privathaftung als BGB-Gesellschaft Campusjäger gegründet, wächst rasant. 144 Mitarbeiter sind dort aktuell beschäftigt; im kommenden Jahr sollen es über 300 sein. „Wir schauen uns bereits nach weiteren Innenstadtbüros um“, sagt Martin Trenkle (29), der mit seinem Co-Gründer Jannik Keller (28) die Mehrheit an dem Personalvermittler hält – wobei dieser Begriff für Workwise verkürzt ist. Eine Herausforderung sei es, im beschriebenen Tempo zu wachsen.

Das Unternehmen stößt auf Investoren-Interesse: Mittlerweile sind Armira Growth und LEA Partners zwei weitere Financiers an Bord. Zwölf Millionen Euro wurden so eingesammelt.

Denn Workwise will an Technologie, Kundenservice und Bekanntheitsgrad feilen, sieht einen riesigen Markt. „Fachkräftemangel ist das große Problem“, betont Trenkle im Gespräch mit dieser Zeitung. Der werde verschärft, wenn jetzt auch noch die Baby-Boomer in Rente gehen.

Bewerberfeld reicht über Europa hinaus

Wachsen will Workwise zunächst in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Zu den über 1.700 Kunden zählen beispielsweise EnBW, Bechtle, Starface oder Chrono24. Für Bewerber hingegen öffne man sich immer mehr über Europa hinaus. Die stellen ein Profil für ihre Bewerbungen ein, beantworten kurze Fragen, statt Anschreiben zu formulieren – und sehen per Mausklick, in welchem Stadium ihre Bewerbung gerade ist.

Zu Umsatz und Ergebnis macht Trenkle keine Angaben. Nur so viel: Selbst im Corona-Jahr 2020 habe man entgegen dem damaligen Branchentrend dazugewonnen, und zwar 50 Prozent. Verdient wird, wenn ein Bewerber über Workwise eingestellt wird.

Zur jungen Firmen-Historie: Trenkle und Keller kennen sich bereits aus der Schule in Wörth, schreiben sich fürs Wirtschaftsingenieurs-Studium am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein und wissen bereits vor der ersten Vorlesung: Sie wollen ein Unternehmen gründen. Den Markt der Personalvermittlung sehen sie als hoch attraktiv an, vor allem, weil er seinerzeit aus ihrer Sicht noch nicht genügend digitalisiert ist. Ein Zimmer der gemeinsamen Studentenbude vermieten sie an Airbnb-Kundschaft, schlafen selbst auf dem Boden – und nutzen ihre Einnahmen fürs Start-up Campusjäger. Vor allem Praktika und Jobs für Studierende vermitteln sie seinerzeit, sind profitabel, nehmen erst 2018 Fremdkapital auf.

Andere Stellenportale sind eingebunden

Es kommen immer mehr vor allem kleine und mittelständische Kunden hinzu; die Campusjäger-Plattform bietet ihnen Service fürs komplette Mitarbeiter-Spektrum. Daher der konsequente Schwenk zum neuen Firmennamen Workwise im Jahr 2021.

„Workwise ist keine Jobbörse und kein Personalvermittler“, präzisiert Trenkle. Die digitale Plattform kann weitaus mehr. Der Unternehmer erklärt es am Beispiel eines Kunden. Dem fehlen bei der Stellensuche Reichweite und einfache Prozesse.

Reichweite erzeugt Workwise, weil die Plattform Stellenmärkte von Stepstone, indeed und 100 weiteren Anbietern einbindet. Hinzu kommt der eigene Kandidatenpool mit über 300.000 Aspiranten. Das ist die eine Seite der Dienstleistung.

Die andere sind die Prozesse: Geht ein Bewerber beispielsweise auf die „Karriere“-Seite eines Workwise-Kunden und klickt dort Felder an, dann arbeitet im Hintergrund das IT-System der Karlsruher. Ziel sei es, den Bewerbungsprozess so effizient wie möglich zu gestalten – um im täglichen Kampf um Talente die besten fürs Unternehmen zu gewinnen. „Hunderttausende“ Bewerbungen laufen pro Jahr über die Workwise-Plattform.

Und der kurios klingende Firmenname Campusjäger aus den Anfangsjahren? „Der bleibt als Marke aktiv“, sagt Trenkle, zeigt dabei auf die Polaroids auf der Holzplatte. Die stammen noch aus der Zeit, als die Gründer in ihrer Studentenbude auf dem Boden schliefen.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Dirk Neubauer

Zum Artikel

Erstellt:
11. April 2022, 10:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.