Logistiker bereiten sich auf Corona-Impfstoffversorgung vor

Von Tobias Symanski

Baden-Baden/Grünwald/Weinheim (tas) – Die Produktion von Corona-Impfstoffen ist bereits gestartet, auch die Logistikbranche läuft sich warm. Mitte Dezember soll die Verteilung der Wirkstoffe starten.

Logistiker bereiten sich auf Corona-Impfstoffversorgung vor

Schon Mitte Dezember soll die Spritze gegen das Coronavirus angesetzt werden, bis dahin müssen aber noch die Lieferketten aufgebaut werden. Foto:Friso Gentsch/dpa

Die Vorbereitungen für die Impfungen gegen das Coronavirus laufen auf Hochtouren: Die Pläne für die Einrichtung der Impfzentren werden konkreter, und auch in der Produktion und Verteilung der Impfstoffe arbeitet man auf den Tag X hin.

„Wir sitzen in den Startlöchern“, sagt Britta Hamberger, die Sprecherin des Arzneimittelherstellers Dermapharm mit Sitz in Grünwald bei München, auf Anfrage des BT. Das Unternehmen hatte bereits Anfang September eine Kooperationsvereinbarung mit dem Impfstoffentwickler Biontech geschlossen. Die Bayern wollen die Mainzer bei einem Teil der Herstellung von BNT162b2 unterstützen.

Dermapharm übernimmt dabei die sogenannte Formulierung des von Biontech gelieferten Wirkstoffs sowie die Abfüllung und Verpackung. Wieviel der Impfdosen Dermapharm bereitstellt, ist Vertragsgeheimnis – und auch wann die Produktion endlich losgeht. Erste Tests wurden laut Hamberger aber bereits durchgeführt.

Alles soll möglichst schnell gehen

Klar ist nur: Bis Ende des Jahres wollen Biontech und der Kooperationspartner Pfizer weltweit bis zu 100 Millionen und im Folgejahr bis zu 1,3 Milliarden Impfdosen bereitstellen. Pfizer selbst hat die Produktion bereits angekurbelt – noch bevor der Antrag auf Marktzulassung von den staatlichen Stellen beschieden ist. Denn alles soll möglichst schnell gehen. Wie Pfizer dem Badischen Tagblatt mitteilt, „ist geplant, dass der potenzielle Impfstoff in Europa weitestgehend von unserem Produktionsstandort in Puurs (Belgien) direkt zum Verwendungsort geliefert wird.“ In Deutschland werde der US-Konzern den Impfstoff nicht produzieren.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) rechnet damit, dass der Südwesten in einer ersten Tranche von Biontech/Pfizer 600.000 Impfdosen erhalten wird – und die müssen verteilt werden.

Die Logistiker rüsten sich bereits für den großvolumigen Auftrag. Vor allem die Logistikgrößen Deutsche Post DHL, Fedex, UPS und Kühne + Nagel machen sich Hoffnungen, das Geschäft mit dem Staat an Land zu ziehen. „Es gibt wenige Logistiker weltweit, die in der Lage sind, einen temperaturempfindlichen Impfstoff rund um die Welt zu transportieren. Deutsche Post DHL Group ist einer davon, das macht uns stolz“, sagt Unternehmenschef Frank Appel selbstbewusst. Impfstoffe müssen oftmals bei Temperaturen auf Kühlschrankniveau gelagert und transportiert werden, der von Biontech benötigt sogar tiefe zweistellige Minusgrade.

„Ausreichende Vorkehrungen gegen Diebstahl“

Auch Kühne + Nagel sieht sich im Transportrennen gut gerüstet. Erst im September eröffnete der Logistikkonzern zwei neue Luftfracht-Drehkreuze für temperaturempfindliche Pharmaprodukte, eines davon in Brüssel. Sowohl die Schweizer als auch DHL haben laut eigenen Aussagen bereits erste Logistikverträge für den Transport von Covid-19-Impfstoffen abgeschlossen.

Der Weinheimer Spezialist für den Medikamentenversand, Trans-o-flex, weist im Zusammenhang mit der Impfstoffbeförderung auch auf andere sicherheitsrelevante Bereiche hin. Neben der Sicherung der Kühlkette und dem sorgsamen Umgang mit dem wertvollen Gut gehe es darum, „ausreichende Vorkehrungen gegen Diebstahl zu treffen“, sagt Unternehmenschef Wolfgang P. Albeck. Das Unternehmen beliefert täglich viele Apotheken, Kliniken, Alten- und Pflegeheime, Ärzte und Labore mit sensiblen Pharmaprodukten.

Wenn die Regelversorgung mit dem Corona-Impfstoff im zweiten Quartal kommenden Jahres wie geplant steht, ist Trans-o-flex als Transportanbieter also auf jeden Fall mit im Boot. Das Unternehmen will aber auch in der ersten Versorgungswelle eine Rolle spielen und führe dazu im Moment Gespräche mit unterschiedlichen Bundesländern über den Impfstoff-Transport, wie eine Sprecherin des Unternehmens auf BT-Anfrage mitteilt. Weitere Angaben dürfe sie zu dem Thema allerdings nicht machen.

Die Zeit drängt. Bereits Mitte Dezember sollen in Baden-Württemberg die Zentralen Impfzentren (ZIZ) stehen, um in einem ersten Schritt Risikogruppen und medizinisches Personal mit dem heiß begehrten Corona-Gegenmittel zu versorgen.