Logistiker zeigen Zuversicht

Baden-Baden/Rheinmünster (tas) – Corona stoppte die Logistikbranche über Wochen, nun rollen wieder mehr Lkw trotz der anhaltenden Pandemiewelle über die Straßen.

Der Verkehr rollt: Während der Transport von Gütern im ersten Lockdown noch deutlich unter die Räder kam, läuft das Geschäft im Moment wieder besser. Foto: Patrick Pleul/dpa

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Der Verkehr rollt: Während der Transport von Gütern im ersten Lockdown noch deutlich unter die Räder kam, läuft das Geschäft im Moment wieder besser. Foto: Patrick Pleul/dpa

Der erste Lockdown im Frühjahr ließ Schlimmes befürchten, doch die Politik hat erkannt, dass die Wirtschaft noch stärker unter die Räder kommt, wenn der Güterverkehr nicht rollen kann. Und so bewegen sich die Lkw im zweiten Lockdown fast ungehindert über die europäischen Straßen
„Wir sind mit einem hellblauen Auge davon gekommen“, sagt Karlhubert Dischinger, der Präsident des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL). Er, der selbst über viele Jahre die Fachspedition Karldischinger in Ehrenkirchen südlich von Freiburg leitete, hat als Verbandschef einen guten Überblick über die Transportbranche. Und dort laufe es wieder deutlich besser als im ersten Halbjahr.

Die Logistik ist ein wichtiger Indikator für die Lage in der gesamten Produktionswirtschaft: Nur was hergestellt und verkauft wird, muss auch verteilt und transportiert werden. Beispielsweise im Automobilsektor, wo im ersten Lockdown über Wochen ganze Fabriken stillstanden – und mit ihnen die Lkw, die Zulieferteile quer durch Europa transportieren.

Dass bei den Autobauern die Produktion wieder angezogen hat, hilft auch Karldischinger. Das Unternehmen unterhält am Baden-Airpark in Rheinmünster einen Standort, der in die Produktionsabläufe des nahe gelegenen Daimler-Werks in Rastatt und den jeweiligen Zulieferern integriert ist. „Wir sind noch nicht bei hundert, aber vielleicht bei 80 Prozent“, sagt Dischinger zum Auftragsvolumen seines Familienbetriebs im Automotive-Bereich. Auch der Transport von Haushaltsgeräten – die sogenannte weiße Ware – und Möbeln laufe derzeit sehr gut. Zudem betreibt Karldischinger das „Zentrallager Pandemieprodukte“ für das Land Baden-Württemberg und verteilt im ganzen Südwesten Hygieneartikel, Masken und Teststreifen für Schnelltests an Kliniken, Landratsämter und Rettungsdienste.

Kurzarbeit ist wieder Geschichte

Noch Mitte Juli hatte die Unternehmensberatung PwC die Prognose aufgestellt, dass die Bruttowertschöpfung im europäischen Frachtverkehr und in der Logistik im Jahr 2020 um 8,6 Prozent einbrechen könnte. Damit wäre der Logistikbereich noch schwerer von der Corona-Pandemie betroffen als die Gesamtwirtschaft. Allerdings fließt in diese Betrachtung auch der Warenverkehr per Schiff und Flugzeug mit ein, der von der Krise besonders hart getroffen wurde und immer noch wird.

Ingo Kaiser, Geschäftsführer der IKG-Spedition in Baden-Baden-Steinbach, sieht das Jahr 2020 vergleichsweise optimistisch. „Wir sind, was den Umsatz angeht, zwar nicht mehr an die Zahlen des Vorjahrs herangekommen, nichtsdestotrotz hatten wir ganz ordentlich zu tun.“ Die Kurzarbeit ist bei der Firma auch wieder Geschichte, „wir hatten sie nur im ersten Lockdown“.

IKG fährt viel in Richtung Italien und Russland und transportiert für die unterschiedlichsten Branchen: Chemie, Stahl, Baustoffe, Nahrungsmittel, Medizin, Papier, Haushaltsgeräte oder Automobil. „Der Verkehr rollt, wir haben keine Einschränkungen“, sagt Kaiser, der für 2021 verhalten optimistisch ist. „Wir rechnen damit, frühestens im dritten Quartal kommenden Jahres wieder unter einigermaßen normalen Verhältnissen zu arbeiten.“

Auch Karlhubert Dischinger ist mit Blick auf die gesamte Logistikbranche für kommendes Jahr zuversichtlich. „Es ist schon erstaunlich, wie ruhig es derzeit ist“ – und meint damit eine drohende Insolvenzgefahr bei dem einen oder anderen Transporteur. Er hofft, dass die Solidarität der Firmen untereinander – auch was Zahlungsziele angeht – anhalte. Trotzdem weiß Dischinger auch, dass nicht jeder Logistiker die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg überstehen wird. „Ich bin gespannt, was im Februar oder März passieren wird.“


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