Loriot starb vor zehn Jahren

Baden-Baden (mw) – Mit seinem spöttischen Blick auf den ganz normalen Wahnsinn des Alltags hat sich der Humorist Vicco von Bülow alias Loriot unvergessen gemacht. Vor zehn Jahren starb er.

Vicco von Bülow in einer Szene mit seiner Dauer-Filmpartnerin Evelyn Hamann. Foto: Wolfgang Jahnke/dpa

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Vicco von Bülow in einer Szene mit seiner Dauer-Filmpartnerin Evelyn Hamann. Foto: Wolfgang Jahnke/dpa

Er war nicht nur ein begnadeter Spaßmacher, sondern auch einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler in Deutschland: Loriot, der mit bürgerlichem Namen Vicco von Bülow hieß. Vor zehn Jahren, am 22. August 2011, starb der geniale Humorist mit 87 Jahren in seiner bayerischen Wahlheimat Ammerland am Starnberger See. Der äußerst vielseitige Loriot war Karikaturist, Autor, Schauspieler, Regisseur und Moderator, er schrieb Bücher, inszenierte Opern und drückte Kinofilmen seinen Stempel auf. In erster Linie aber prägte der 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Preuße mit dem leicht spöttischen Blick das Fernsehen – Loriot gilt vielen als der bedeutendste deutsche Humorist, den das Medium je hatte.

Dicke Knollennasen, fidele Möpse und triefende Ironie: Lesern von „Stern“ und anderen Zeitschriften waren sie schon vorher bekannt, vor mehr als 50 Jahren eroberten Loriots berühmte Figuren dann auch das Fernsehen. Seine erste Fernsehserie „Cartoon“ startete Anfang 1967 in der ARD noch in vornehmem Schwarz-Weiß und wurde zur Bühne für ulkige Ehepaare, zerstreute Professoren, geschwätzige Politiker und drollige Hunde, die der geniale Humorist per Trickfilm zum Leben erweckte.

„Früher war mehr Lametta!“

Für Loriot war das Comedyformat, das sich außerdem um andere bekannte Karikaturisten, Cartoons und die Produktion von Zeichentrickfilmen drehte, der Beginn einer großen TV-Karriere. Von Loriot geprägte Sentenzen wie „Ein Klavier, ein Klavier!“ oder „Früher war mehr Lametta!“ gingen in den Sprachgebrauch ein. In „Cartoon“ saß Loriot erstmals auf seinem roten Sofa – wie nach Einführung des Farbfernsehens im August 1967 zu erkennen war – und kündigte mit süffisantem Lächeln die Beiträge an, die sich um den ganz normalen Wahnsinn des Alltags drehten. Ein Knollennasen-Politiker schwadronierte über die „18,6-prozentige Steigerung des Humorkonsums in Baden-Württemberg“, ein gezeichneter Wissenschaftler namens Arno Lindemann berichtete von den verheerenden Folgen übermäßigen Fernsehens auf Hunde, als da wären: Schlaflosigkeit, böse Träume und tagelanges Stottern.

Der Zeichentrickhund „Wum“ machte mit seinem Pendant, dem Elefanten „Wendelin“ Karriere. Foto: Georg Göbel/dpa

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Der Zeichentrickhund „Wum“ machte mit seinem Pendant, dem Elefanten „Wendelin“ Karriere. Foto: Georg Göbel/dpa

Dazu gab es Sketche, in denen sich Loriot auf seine unnachahmliche Art und gemeinsam mit anderen Schauspielern über Politik-Prozeduren oder Medien-Rituale wie den „Internationalen Frühschoppen“ lustig machte. Ab und zu latschte ein von Loriot als „Herr Störk“ vorgestellter Mitarbeiter unmotiviert durchs Bild, oder auch mal eine komplette schottische Kapelle, die mit ohrenbetäubender Dudelsack-Musik dafür sorgte, dass kein Wort von Loriots Moderation mehr verständlich war – skurrile TV-Momente für die Ewigkeit.

In seiner ersten Fernsehserie, die bis 1972 lief, zeigte Loriot bereits die ganze Bandbreite seines großen Könnens: Mit seinen vor Ironie und Sarkasmus triefenden Zeichnungen, Trickfilmen und Sketchen mokierte er sich in unnachahmlicher Weise über gestelzte Sprache, gespreiztes Auftreten und bürokratischen Irrsinn.

Die legendärsten Skizzen und Sketche entstanden dann in Vicco von Bülows folgendem Fernsehprojekt, der 1976 gestarteten Comedyreihe „Loriot“ mit ihm und der kongenialen Evelyn Hamann, in der es unter anderem um eine Herrenboutique in Wuppertal, zwei dicke Männer in der Badewanne („Die Ente bleibt draußen!“) oder um das Date mit der berühmten Nudel im Gesicht ging. Mit dem Ende von „Loriot“ 1978 endete im Wesentlichen auch Vicco von Bülows steile Fernsehkarriere. Danach wandte er sich unter anderem dem Kino zu und drehte die beiden Filme „Ödipussi“ (1988) und „Pappa ante Portas“ (1991) – sein Werk hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Der in langjähriger Ehe verheiratete Vater zweier Töchter starb am 22. August 2011 in Ammerland mit 87 an Altersschwäche und wurde auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße beigesetzt.

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Erstellt:
21. August 2021, 18:00 Uhr
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