Lotsen durch den Corona-Dschungel

Rastatt (sl) – Die Mitarbeiter der Corona-Hotline im Gesundheitsamt Rastatt sind Helfer im Wirrwarr der Verordnungen und Regeln. Mitunter sind sie auch Tröster oder müssen mit Beleidigungen umgehen.

Vor allem montags und freitags laufen die Drähte der Corona-Hotline des Gesundheitsamts im Landratsamt heiß. Foto: Frank Vetter

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Vor allem montags und freitags laufen die Drähte der Corona-Hotline des Gesundheitsamts im Landratsamt heiß. Foto: Frank Vetter

Mit zunehmender Dauer der Pandemie wird die Informationslage für die Bevölkerung nicht übersichtlicher. Häufig wechselnde und nicht immer logisch erscheinende Verordnungen verunsichern die Menschen, und jüngst kam noch das Chaos um die Vergabe von Impfterminen hinzu. Lotsen im Corona-Dschungel sind da bitternötig, und das Landratsamt gibt sie den Bewohnern des Landkreises Rastatt mit den vier Mitarbeitern der Corona-Hotline an die Hand, die sieben Tage die Woche jeweils von 8 bis 16.30 Uhr unter (07222) 3812300 erreichbar ist.
Das Anschwellen der sogenannte zweiten Welle war an den Telefonen deutlich zu spüren. Zwischen Mitte November und Mitte Januar haben rund 12.000 Mal die Apparate geläutet, hat Sozialdezernent Stefan Biehl in der Statistik nachgesehen. Besonders anstrengende Arbeitstage waren für das Team, das aus drei Frauen und einem Mann besteht, ausgerechnet Heiligabend und Silvester. Aber auch an den Feiertagen ist das Quartett im Einsatz gewesen. In erster Linie ist die Aufgaben, Fragen rund den Umgang mit dem Coronavirus und die Bekämpfung der Pandemie zu beantworten. Dafür müssen sie sich natürlich selbst auf dem Laufenden halten. „Wenn Herr Kretschmann um 11 Uhr eine Pressekonferenz gibt, dann melden sich hier um 12.30 Uhr die ersten Anrufer und stellen Fragen dazu“, illustriert eine der Mitarbeiterinnen die Herausforderung. Die Namen der Mitarbeiter wird das BT nicht nennen, weil die Corona-Lotsen am Telefon auch Anfeindungen und Drohungen ausgesetzt sind.

Es gibt Drohungen,
aber auch Tränen

Es herrscht eben auch viel Verärgerung und Unverständnis gegenüber den Corona-Maßnahmen, und nicht jeder Anrufer ist sich bewusst, dass er mit seiner Kritik, ob berechtigt oder nicht, bei der Hotline an der falschen Adresse ist. Dennoch würden sie versuchen, ruhig zu bleiben und sachlich zu informieren, berichten die Kollegen. Manch ein Rüpel hat dann ein Einsehen und entschuldigt sich.

Oft sind aber auch Trösterqualitäten gefragt, denn nicht selten fließen am Telefon der Corona-Hotline Tränen. Positiv getestete Personen wollen dann zum Beispiel wissen, wie sie sich verhalten müssen. Aber natürlich wollen sie auch seelischen Ballast loswerden. „Keine leichte Aufgabe“, wie Biehl weiß, der den Mitarbeitern seinen Respekt zollt und darauf verweist, dass es einen vergleichbaren Service nicht in jedem Landkreis gibt. Besonders nah ging einer Kollegin begreiflicherweise der Anruf einer Frau, deren Mann im Krankenhaus beatmet wurde und im Sterben lag.

Lebensnahe Fragen an der Tagesordnung

In der Mehrzahl geht es bei den Telefonaten aber um Hilfe im Regelwirrwarr. Zu den häufigen Anliegen der Anrufer gehören sehr lebenspraktische Fragen etwa zu Familienfeiern, zur Einstufung von Kontaktpersonen mit Infizierten. Sie wollen wissen, wer wann wo einen Coronatest machen kann und ob man diesen selbst bezahlen muss. Die Anrufer stellen Fragen zur Quarantäne, wie lange sie dauert und ob es eine Entschädigung für den Arbeitgeber gibt. Ob das Kind in die Schule oder Kita kann und wie hoch dort das Ansteckungsrisiko ist. Welche Hygienevorschriften es für die Einrichtungen gibt und welche Verordnungen in Pflegeheimen gelten. Auch was Reiserückkehrer aus Risikogebieten beachten müssen, ist häufig Thema. Oder die Frage, ob man zum Einkaufen ins Elsass darf.

Nicht zu verwechseln ist die Hotline mit der bundesweiten Rufnummer 116 117, über die Impftermine vereinbart werden können, und mit der telefonischen Infektionsrückverfolgung, die ebenfalls im Gesundheitsamt mit Unterstützung der Bundeswehr erfolgt. Daher auch die ungewohnte Präsenz von Uniformen im Landratsamt.

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Erstellt:
20. Januar 2021, 09:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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