Luca-App soll Gesundheitsämter entlasten

Rastatt/Karlsruhe (for) – Die Luca-App soll die Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung entlasten. Im Landkreis Rastatt arbeitet man mit Hochdruck daran, die App bald nutzen zu können.

Die Luca-App könnte bei einer möglichen Wiedereröffnung von Geschäften oder Gastronomien eine digitale Gästeregistrierung ermöglichen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

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Die Luca-App könnte bei einer möglichen Wiedereröffnung von Geschäften oder Gastronomien eine digitale Gästeregistrierung ermöglichen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Kontaktpersonen so schnell wie möglich ermitteln und auf diese Weise Infektionsketten rechtzeitig unterbrechen, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen – bei dieser teilweise schwierigen Aufgabe sollen die Gesundheitsämter in Deutschland durch die sogenannte Luca-App entlastet werden. Hinter der App steckt ein System, das den sicheren Kontaktaustausch zwischen Bürgern, Veranstaltern und Gesundheitsämtern ermöglichen soll.

Technischen Voraussetzungen geschaffen

Damit könnte die App insbesondere dann, wenn Läden oder die Gastronomie wieder vermehrt öffnen und Veranstaltungen wieder stattfinden dürfen, wichtige Dienste leisten. Auch das Gesundheitsamt in Rastatt arbeitet mit Hochdruck daran, die Luca-App bald im Landkreis nutzen zu können, wie Benjamin Wedewart, Pressesprecher beim Landratsamt, auf BT-Nachfrage mitteilt. Die nötigen technischen Voraussetzungen dafür seien beim Gesundheitsamt Rastatt eigentlich auch schon geschaffen. „Das Kontaktnachverfolgungsprogramm Sormas wurde mittlerweile bei den meisten Gesundheitsämtern installiert“, teilt Stefan Biehl, zuständiger Dezernent des Landratsamts Rastatt, mit. Allerdings fehle nach wie vor die Schnittstelle zum Robert-Koch-Institut (RKI) und dem Landesgesundheitsamt. Diese sei notwendig, damit die Gesundheitsämter Kontaktpersonen und statistische Daten ohne großen Aufwand auch digital an das RKI übermitteln können. „Vom Land wurde uns zugesagt, dass diese Schnittstelle bis Ende März geschaffen sein soll“, so Biehl weiter. Die Gesundheitsämter selbst hätten darauf jedoch keinen Einfluss.

Schnittstelle zum RKI bereitet Probleme

Derzeit arbeite das Gesundheitsamt Rastatt daran, die Luca-App vorerst auch ohne diese Verbindung nutzen zu können. Zwar sei das nicht optimal, weil so alle Daten händisch übermittelt werden müssten, dennoch wolle man diese Möglichkeit nicht ausschließen. „Wir hoffen sehr, dass wir die Luca-App bis Mitte April endlich effektiv nutzen können, notfalls eben auch ohne die Schnittstelle“, meint Biehl.

Immer wieder bekomme er Anfragen von Bürgern, Bürgermeistern und Gewerbevertretern, die sich nach dem aktuellen Stand der Luca-App erkundigten. „Man merkt, dass von vielen ausdrücklich gewünscht wird, dass wir endlich mit der App einsteigen“, sagt Biehl. Aber dennoch wolle er nichts überstürzen. „Wenn wir die App tatsächlich nutzen – und das wollen wir künftig auch – dann muss sie problemlos funktionieren. Deshalb müssen wir das jetzt genau prüfen und checken.“ Gerade im Landkreis Rastatt, wo der Inzidenzwert sehr hoch sei, könne man sich keine Fehler leisten.

App kommt im Landkreis Karlsruhe schon zum Einsatz

Anders als im Landkreis Rastatt ist man im Landkreis Karlsruhe schon einen Schritt weiter. Dort kommt die App bereits zum Einsatz. Zwar hätte auch das Gesundheitsamt in Karlsruhe das Problem, dass die Kontaktpersonen noch nicht über die App an das RKI übermittelt werden können, „aber das Kontaktmanagement findet ja vor Ort bei den Gesundheitsämtern statt“, betont Martin Zawichowski, Pressesprecher des Landratsamts, gegenüber dem BT. Entscheidend sei also, dass die Schnittstellen zwischen Bürgern, Handel, Gastronomie, Veranstaltern und dem Gesundheitsamt umgesetzt sind. „Und das ist bei uns der Fall.“ Für die Kontaktverfolgung im Landkreis sei die fehlende Verbindung zum RKI deshalb nicht unbedingt notwendig, meint auch Ragnar Watteroth, Finanzdezernent im Landkreis Karlsruhe. „Über diese Schnittstelle werden hauptsächlich statistische Daten übermittelt und das machen wir derzeit eben einfach noch manuell.“ Zwar sei das ein großer Aufwand, aber es sei kein Grund, die Luca-App noch nicht einzusetzen.

Viele Rahmenbedingungen noch offen

Vonseiten des RKI heißt es hingegen, dass die notwendigen Anpassungen für die Schnittstelle zu Sormas seit Ende 2020 zur Verfügung stünden. „Die Gesundheitsämter erfassen seit 2001 Daten elektronisch und übermitteln sie auch elektronisch an die zuständigen Landesbehörden“, teilt RKI-Pressesprecherin Marieke Degen mit. Dafür stelle das RKI eine kostenlose Referenzsoftware zur Verfügung, die auch das Fall- und Kontaktpersonenmanagement unterstützt. Die Gesundheitsämter entscheiden laut Degen anhand ihrer Bedarfe eigenständig darüber, welche Softwareprodukte sie einsetzen – es gebe viele verschiedene Werkzeuge, empfohlen sei der Einsatz der Software-Tools Demis und Sormas. Für beide Tools sind laut RKI bereits Schnittstellen für die Datenübertragung geschaffen worden. Die notwendigen Anpassungen für die Schnittstelle zu Sormas stünden seit Ende November 2020 zur Verfügung, die notwendigen Anpassungen in der Demis-Infrastruktur seit 3. Dezember 2020.

Nach wie vor offen seien aber die sonstigen Rahmenbedingungen für die App. Das Ministerium für Soziales und Integration hat den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 3. März 2021 ausdrücklich begrüßt, wonach sich die Länder auf ein bundeseinheitliches System für die Digitalisierung der Kontaktnachverfolgung verständigen sollen, teilt Ministeriumssprecher Pascal Murmann mit. Nachdem sich die Länder bislang noch nicht auf ein gemeinsames Vergabeverfahren für eine länderübergreifende digitale Lösung zur Kontaktdatenerfassung und Kontaktpersonennachverfolgung einigen konnten, plane das Sozialministerium derzeit ein Vergabeverfahren, durch das eine Landeslösung vorangebracht werden soll.

Erfolg hängt von Akzeptant der Benutzer ab

Letztlich hänge der Erfolg der Luca-App aber in erster Linie von der Akzeptanz der Benutzer ab, so Murmann. „Nur wenn diese von der App überzeugt sind und auch die Bereitschaft besteht, im Infektionsfall dem Gesundheitsamt die Aufenthaltsorte der letzten 14 Tage mitzuteilen, wird eine App den gewünschten Erfolg beisteuern können.“ Deshalb hofft auch der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel, dass möglichst viele Geschäfte und Veranstalter als auch Kunden und Besucher von der Luca-App Gebrauch machen.

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