Lucca Strolz: 100 Tage Kuppenheim-Trainer

Kuppenheim (rap) – Erst Vollgas im Abstiegskampf, dann eine coronabedingt lange Ruhepause: Lucca Strolz hat in seinen ersten 100 Tagen als Trainer des Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim einiges erlebt.

„Insgesamt bin ich mit der Leistung der Jungs zufrieden“: 08-Coach Lucca Strolz. Foto: Frank Seiter

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„Insgesamt bin ich mit der Leistung der Jungs zufrieden“: 08-Coach Lucca Strolz. Foto: Frank Seiter

So ein klein wenig kommt Lucca Strolz dann doch ins Grübeln, als er seine ersten 100 Tage als Trainer des Fußball-Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim in drei Worten beschreiben soll. „Wie soll ich das in so wenigen Worten schaffen?“, fragt der Kuppenheimer, der schon als kleiner Steppke im Wörtelstadion gegen den Ball getreten hat. Zumal Strolz seit jenem 22. September, als er Nachfolger von Matthias Frieböse wurde, bereits einiges mit dem SV 08 erlebt hat: knallharter Abstiegskampf, coronabedingte Spielabsagen und schließlich seit Ende Oktober – aufgrund von hohen Infektionszahlen – eine vorzeitige, verlängerte Winterpause.

„Intensiv“, fällt dem ehemaligen Co-Trainer von Lukas Kwasniok beim damaligen Drittligisten FC Carl-Zeiss Jena zuerst ein, wenn er an sein bislang gut dreimonatiges Engagement in der Knöpflestadt denkt. „Gerade in der ersten Phase“, blickt der 27-Jährige zurück. Kein Wunder, übernahm Strolz den mittelbadischen Traditionsverein, der in den vorherigen Spielzeiten unter Frieböse zur erweiterten Spitzengruppe der Verbandsliga gehört hatte, auf einem Abstiegsplatz. Auf Tabellenrang 16 war der SV 08 gestürzt, Frieböse zog nach einem missratenen Saisonstart (vier Spiele, drei Punkte) die Reißleine – und trat zurück.

Mittlerweile auf einem Nichtabstiegsplatz

Mit dem neuen Mann an der Seitenlinie, der vor der Zeit in Jena als Trainer im Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC gearbeitet hatte, bewies Ralf Balzer, der sportliche Leiter der Schwarz-Blauen, jede Menge Mut und den richtigen Riecher: Strolz stabilisierte den SV 08, feierte gleich einen – zu dieser Zeit und in dieser Situation – überraschenden 2:1-Sieg gegen den FC Radolfzell, gefolgt von einem Punktgewinn beim SV Endingen. Nach der 1:3-Niederlage gegen das Spitzenteam SC Lahr wurde der FC Waldkirch mit 1:0 besiegt, bevor man vor dem erneuten sportlichen Lockdown gegen den SV Weil (2:2) die Punkte teilte. Dazwischen musste die Partie beim Aufsteiger SF Elzach-Yach gleich zwei Mal coronabedingt abgesagt werden. Macht nach Adam Riese acht Zähler, verbunden mit dem Sprung auf Rang elf – einem Nichtabstiegsplatz. „Davor hätte ich die acht Punkte aus diesen fünf Spielen sofort unterschrieben“, sagt Strolz, „aber in Endingen haben wir kurz vor Schluss den Siegtreffer liegenlassen, auch gegen Weil war ein Sieg drin. Zehn Punkte wären möglich gewesen, aber insgesamt bin ich mit der Leistung der Jungs zufrieden.“

So verwundert es auch nicht, dass der 27-Jährige neben der „intensiven ersten Phase“ in diesen 100 Tagen „auch jede Menge Spaß und Freude“ mit der Mannschaft hatte. „Auch wenn es durch Corona und die erneute Zwangspause eher gefühlt 25 Tage waren“, sagt der 08-Trainer. Denn hintenraus, also in den vergangenen zwei Monaten, war es laut Strolz vor allem eins: ruhig. Aufgrund der im Herbst wieder rasant gestiegenen Infektionszahlen versetzte der Südbadische Fußballverband Ende Oktober den regionalen Fußball – wie bereits im Frühjahr – in einen langen Dornröschenschlaf.

Zunächst die Defensive stabilisiert

Am Anfang hatte Strolz aber seine liebe Mühe – nicht etwa mit der Analyse der Gegner in der für ihn doch recht unbekannten Verbandsliga, sondern mit den Namen seiner Spieler. „Ich bin absolut kein Namensspezialist. Anfangs hab‘ ich auch den einen oder anderen falschen Namen reingerufen, zumal die Jungs ja auch alle Spitznamen haben. Da war es schon schwer durchzusteigen“, erinnert sich der 08-Coach, lacht und versichert: „Aber jetzt hab‘ ich alle drauf.“

So schnell Strolz Spitznamen wie „Baches“ oder „Fa“ verinnerlicht hat, so schnell verordnete er einer verunsicherten Wörtelelf wieder eine defensive Stabilität – das Kuppenheimer Steckenpferd, auch schon zu Frieböse-Zeiten. „Die Stabilität gegen den Ball war sicherlich der größte Ansatzpunkt vor dem Spiel gegen Radolfzell. Ich habe der Mannschaft eine tiefere Ausgangsposition verordnet, kleine Anlaufmuster an die Hand gegeben und die Intensität im Anlaufverhalten verändert, um ihr Sicherheit zu geben“, lässt Strolz seine Premiere gegen Radolfzell Revue passieren. Neben der wiedererstarkten Betonabwehr forderte der 08-Coach von seiner Mannschaft vor allem eins: Mut, Fehler zu machen. „Ich habe versucht, ihr die Angst vor Fehlern zu nehmen, sie ermutigt, immer wieder auch riskante Pässe zu spielen. Fehler gehören zu einem Lernprozess dazu.“

Doch der 08-Coach sieht das lediglich als ersten Schritt an, in den nächsten Wochen und Monaten – sobald Corona wieder einen Trainingsbetrieb zulässt – steht das Spiel mit dem Ball im Vordergrund. „Das ist ein Prozess, der länger als drei, vier Wochen dauert, eher ein ganzes Jahr.“

Hört sich nach der langen Ruhephase nach viel intensiver Arbeit an...

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Erstellt:
31. Dezember 2020, 11:30 Uhr
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