Lückenfüller schenkt Karlsruher DJ-Duo neue Perspektiven

Karlsruhe (BT) – Dennis Bauer und Sascha Kessler alias „ButchVoyage“ produzieren in der Pandemie ihren ersten eigenen Track.

Stehen seit 2016 gemeinsam als „ButchVoyage“ an den Turntables: Dennis Bauer (links) und Sascha Kessler. Foto: Sandrine Günter/pr

© Sandrine Günter#

Stehen seit 2016 gemeinsam als „ButchVoyage“ an den Turntables: Dennis Bauer (links) und Sascha Kessler. Foto: Sandrine Günter/pr

Große Karlsruher Clubs und dämmrige Bars wie die „Stadtmitte“, „Gotec“, „Culteum“, „Venus“, „Lux“, „Ginas“ oder „Rook“ voll zuckender Körper, die sich zum Beat der Musik treiben lassen – das sind die abendlichen Wirkungsstätten von „ButchVoyage“ – einem DJ-Duo aus der Fächerstadt. Seit vielen Monaten sind die Clubtüren in Deutschland nun schon verschlossen – ob sich alle nach der Krise wieder öffnen werden, ist fraglich. Obwohl Dennis Bauer und Sascha Kessler im Alltag auch normalen Jobs nachgehen – Gymnasiallehrer und Gesundheitsmanager – konnten sie die Finger nicht von ihren Turntables lassen. Sie nutzten die auftrittsfreie Zeit, um sich einen Wunsch zu erfüllen – einen eigenen Track zu produzieren. BT-Redakteurin Kathrin Maurer hat sich mit „ButchVoyage“ über die Clubszene, Chancen der Pandemie und ihren neuen Track, der am 26. Februar erscheinen wird, unterhalten.


BT: Für die Clubszene und Euch als DJ-Duo war Corona bestimmt ein ziemlicher Dämpfer. Wie habt Ihr das bislang überstanden?
Sascha Kessler: Im vergangenen Sommer gab es noch ein paar Veranstaltungen mit Social-Distancing-Konzepten, das hat noch ganz gut funktioniert. Als das Wetter jedoch trister wurde, wurde die Veränderung greifbar: Clubs wurden geschlossen, die Kultur generell wurde runtergefahren. Wir haben uns dann natürlich die Frage gestellt, wie es für uns nun weitergehen soll. Aus der Not entstand die Tugend und wir widmeten uns dem Produzieren – das war unser Lückenfüller und hat uns neue Perspektiven eröffnet.

BT: War das erst nur als Tüftelei gedacht oder hattet Ihr von Beginn an die Intention, am Ende einen Track rauszubringen?
Sascha: Also die Idee hatten wir schon lange, wir wollten uns künstlerisch in der Produktion stärker ausleben. Das Jahr 2020 hat sich dann angeboten, die Zeit zu investieren, sich dem Thema anzunähern und es dann auch final umzusetzen.
Dennis Bauer: Neben dem Producing hatten wir ein paar Veranstaltungen online. Mit solchen Events konnten wir uns etwas über Wasser halten. Aber die Gagen sind kleiner als in Clubs und es sind natürlich auch weniger Zuschauer.

BT: Digitale Partys und Streaming-Konzerte im eigenen Wohnzimmer gab es seit vergangenen Herbst ja so einige. Wie ist das für Euch als DJs, wenn das direkte Feedback des Publikums fehlt?
Dennis: Natürlich fehlt uns diese Rückmeldung. Wir haben in Karlsruhe viel in kleinen Bars gespielt, ganz oft in der „Venus“ zum Beispiel, da passen so 200 Leute rein, und da ist das Feedback natürlich deutlich zu spüren.

BT: Denkt Ihr, die Club-kultur wird sich durch Corona nachhaltig verändern?
Dennis: Diese Sorge ist auf jeden Fall existent. Gerade erst haben wir ein Video des Geschäftsführers der Stadtmitte angesehen, in dem er zu Spenden aufruft. So ein großer Club hat hohe Mietkosten, da ist es schon schwer, sich über Wasser zu halten. Wir sind auch aktiv geworden, und haben eine Party für die Stadtmitte organisiert, dort aufgelegt und zu Spenden aufgerufen.
Sascha: Wir sind uns in diesem Punkt, ob sich die Kulturlandschaft – gerade in Karlsruhe – wieder erholen wird, nicht ganz einig. Ich bin eher der Optimist, ich denke die Kultur-, Club- und DJ-Szene wird weiterhin bestehen. Aber aus wirtschaftlicher Sicht, glaube ich, werden wir einige Clubs in Karlsruhe im nächsten Jahr nicht mehr wiedersehen, weil die Situation für diese einfach nicht mehr tragbar ist. Bis zum Sommer, bin ich der Meinung, werden wir mit dem Impfen bestimmt Einiges erreicht haben. Ich bin natürlich kein Virologe, aber nach dem Sommer sollte dann nichts mehr erneut schließen müssen, sonst würde es wirklich schwierig werden.

BT: Ihr seid neben der musikalischen Verbindung auch Freunde – wann kreuzten sich Eure Wege?
Sascha: Unsere Väter sind beste Freunde und haben viele Schlachten zusammen geschlagen. Dennis ist zwei Jahre älter als ich, also kenne ich ihn praktisch seit meiner Geburt. Unsere Eltern haben sich immer getroffen und so waren wir von klein auf viel zusammen unterwegs. Als ich dann auch im clubfähigen Alter war, hat mich Dennis mitgenommen.

Seit 2016 gemeinsam an den Turntables

BT: Wie seid Ihr vom Tanzen vorm DJ-Pult 2016 schließlich dahinter gelandet?
Dennis: Sascha fand Techno und House schon früher toll, ich hörte eher so kommerzielle Musik, die auch im Radio lief. Er wollte mich zwar immer auf den Geschmack bringen und hat mir am Handy dann seine Musik vorgespielt, aber ganz ehrlich, ich dachte immer, was ist denn das für ein Mist?! Dann sind wir gemeinsam auf das „Kappa Future Festival“ in Italien gegangen, dann hab ich es gespürt.
Sascha: Dennis sagte damals zu mir, er habe zum ersten Mal Gänsehaut gehabt – und so fing 2016 alles an.

BT: Welches Genre bedient Euer Sound?
Sascha: Wir machen Tech-House, Ibiza-Sound, rhythmisch und treibend. Der Sound ist nicht so nachdenklich und düster, wie Techno auch sein kann, sondern animiert zum Tanzen. Mittlerweile fühlen wir uns im Progressive House sehr wohl – auch etwas düster, aber mit viel Stimme.

BT: Am 26. Februar veröffentlicht Ihr Euren ersten selbstproduzierten Track „Feels like I’m falling“. Wie ist er entstanden – Ihr habt als DJs ja einige Samples im Ohr, wie erfindet man da noch Neues?
Dennis: Wir arbeiten mit dem Produzenten Michael Schneider von Third Dimension zusammen, er gehört sozusagen zu unserem erweiterten Team. Wir haben mit dem Song versucht, das Gemeinsame unserer unterschiedlichen Stile zu finden – so ist die Richtung entstanden.
Sascha: Immer etwas Neues zu erfinden, ist nicht möglich. Schon allein durch sein Genre ist man konditioniert. Wenn wir mit Michael zusammenarbeiten, spielen wir uns die Ideen hin und her, basteln und schicken uns Sounds gegenseitig zu. Selbst wann man das Gefühl hat, man hätte etwas Neues erfunden, hat man es wahrscheinlich doch schon mal zuvor gehört in einer Art und Weise.
Dennis: Manchmal hören sich Tracks auch ganz anders an, obwohl sie fast identisch sind. Ich spiele Gitarre und da gibt es so viele Songs mit identischen Akkorden, die nur etwas anders gespielt werden – das macht oft den Unterschied.

BT: Wie entstehen bei einem Techno-Track Titel und Geschichte, die Ihr damit erzählen wollt – sie wird ja nicht über den Text transportiert?
Dennis: Erst war die Musik da, dann der Text, dann der Titel. „Feels like I’m falling“ handelt von dem Gefühl, wenn man an einer nur noch schleppend laufenden Beziehung festhalten möchte.
Sascha: Die Baseline stand zuerst, und es war uns klar, dass wir etwas Nachdenkliches schaffen wollten. Der Text stammt von einem Songwriter aus London und hat direkt das transportiert, was wir uns gewünscht haben.

BT: Könnt Ihr Euch vorstellen, auch selbst mal zu texten für künftige Tracks?
Sascha: Absolut, das wird noch passieren. Für unseren ersten Track war das Gefüge mit dem Songwriter da und es hat sehr gut gepasst. Wir haben uns in ein komplett neues Feld eingearbeitet und somit hatte es Vorteile, den Text auszulagern. Texten werden wir bestimmt, aber singen können wir nicht (lacht).

BT: Am 26. Februar erscheint der Song. Ist das während der Pandemie nun ein Wagnis für Euch oder macht es durch die Streaming-Plattformen kaum einen Unterschied?
Dennis: Es ist schon etwas gewagt, aber auch das absolut Richtige in dieser Zeit. Die Pandemie bringt natürlich Schwierigkeiten mit sich – aber auch Chancen. Die Chance für uns war, die auftrittfreie Zeit zu nutzen, um eigene Musik zu produzieren, damit die Menschen uns auf diesem Weg hören können. Was natürlich fehlt, ist, den Track auf einer Release-Party zu feiern. Das hätte uns schon viel gegeben.
Sascha: Der Song entstand ja in der Kollaboration mit Third Dimension. Da die schon eine Plattform auf Streamingdiensten haben, werden wir bestimmt eine gewisse Reichweite erlangen.

„ButchVoyage“ sind auf allen gängigen Social-Media-Plattformen vertreten: Facebook, Instagram, Youtube.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Kathrin Maurer

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Erstellt:
20. Februar 2021, 18:30 Uhr
Lesedauer:
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