Lüftungsanlagen kontra Denkmalschutz in Baden-Baden

Baden-Baden (hez) – Der Förderverein der Vincenti-Schule fordert den schnellen Einbau von Lüftungsanlagen in den Klassenzimmern. Doch ohne ein Gespräch mit dem Denkmalschutz wird wohl nichts gehen.

Beim Einbau von Lüftungsanlagen in der Vincenti-Schule muss der Denkmalschutz gefragt werden. Foto: Nico Fricke/Archiv

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Beim Einbau von Lüftungsanlagen in der Vincenti-Schule muss der Denkmalschutz gefragt werden. Foto: Nico Fricke/Archiv

Um den Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen sicherzustellen, fordert der Förderverein der Vincenti-Grundschule in einem Brief an die Verwaltungsspitze die „zügige Beschaffung und Bereitstellung“ von Lüftungsanlagen, die auch einen Austausch mit Frischluft vornehmen. Dies ist aber besonders an der Vincenti-Schule nicht so einfach.

„Mit großer Sorge“, so heißt es in dem Schreiben, blickten die Eltern und der Förderverein auf den kommenden Herbst und Winter. Es stelle sich die Frage, wie die Grundschule „über den Winter“ kommen könne, wenn es keim Impfangebot für Kinder dieser Altersklasse gibt und besonders ein „schlüssiges Gesamtkonzept für den Lehr- und Lernbetrieb unter Pandemiebedingungen nach wie vor nicht erkennbar ist“.

Eine Situation wie im Frühjahr müsse unbedingt vermieden und der Präsenzunterricht so lange wie möglich sichergestellt werden, heißt es. Der Förderverein verweist darauf, wie wichtig die sozialen Kontakte und das Arbeiten im Klassenverband für die Grundschüler seien.

Stadt zuversichtlich wegen Förderanträgen

Um den Präsenzunterricht zu gewährleisten, spricht sich der Förderverein für den Einsatz von Lüftungsanlagen in den Klassenräumen aus, die einen kontinuierlichen Austausch mit der Frischluft von außen ermöglichen. Dies sei reinen Luftfilteranlagen vorzuziehen, die lediglich „bereits verbrauchte Luft im Zimmer reinigen“. Diese Geräte lehne man ab. Beim Einbau von Lüftungsanlagen müsse aber bezüglich der Vincentischule die Denkmalschutzbehörde zustimmen.

Der Förderverein appelliert an die Verwaltung, „für das kommende Schuljahr alle Möglichkeiten zur Sicherstellung des Schulbetriebs unter Pandemiebedingungen zu nutzen.“ Siegfried Schmich, Leiter des städtischen Fachgebiets Gebäudemanagement, verweist im BT-Gespräch darauf, dass die Verwaltung beim Bund Förderanträge für die Installierung von raumlufttechnischen Anlagen für alle Grundschulen und Kindertagesstätten der Kurstadt gestellt habe. Dabei handle es sich um Geräte, „die sich die Luft von außen holen“. Schmich ist auch zuversichtlich, dass diese Anträge bewilligt werden. Die Umsetzung brauche dann aber ihre Zeit und sei nicht kurzfristig zu Schuljahresbeginn machbar. Bei der Vincentischule gebe es das auch vom Förderverein erwähnte Problem, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht.

Beim Einbau einer Lüftungsanlage werde das Mauerwerk durchbrochen. Darüber müsse man zunächst einmal mit dem Denkmalschutz-Landesamt sprechen. Er sehe aber durchaus Chancen, so Schmich, hier eine Zustimmung der Denkmalschützer zu bekommen. Es gebe nun auch ein Förderprogramm des Landes, das die Anschaffung von mobilen Luftfilteranlagen in den Schulen unterstützt, berichtet der Fachgebietsleiter.

Dies gelte aber nur für über die Fenster schwer zu belüftende Klassenzimmer. Die Stadt prüfe nun, so Schmich, für welche Schulen und Räume in Baden-Baden dies in Betracht kommen könne.

Offene Fenster sind noch nötig

BT-Redakteur Henning Zorn kommentiert: Da hat der Förderverein der Vincent-Grundschule schon recht: Ein erneuter kompletter Lockdown für die Schulen wäre eine Art Super-GAU für das Bildungswesen. Die Erfahrungen im Verlauf der Pandemie haben gezeigt, wie wichtig Präsenzunterricht für die Entwicklung der Kinder und das Erreichen von Bildungszielen ist – von den Belastungen für die Familien ganz zu schweigen. Lüftungsanlagen sind sicherlich eines der Mittel, die dazu beitragen, bei einer erneut starken Pandemiewelle Schulschließungen zu vermeiden. An Denkmalschutzbedenken sollte so etwas möglichst nicht scheitern. Doch es wäre illusorisch anzunehmen, dass solche Installationen schon zu Beginn des Schuljahrs im September möglich sind. Und das liegt nicht einmal am Geld. Wie es aussieht, haben die Förderanträge der Stadt Baden-Baden auf Zuschüsse zum Einbau stationärer raumlufttechnischer Anlagen in den Grundschulen und Kitas – obwohl etwas spät gestellt – durchaus gute Chancen auf Genehmigung. Doch unzählige andere Kommunen haben für nicht minder unzählige Schulen auch solche Anträge gestellt. Keiner weiß, wo diese Masse von Geräten plötzlich herkommen soll. Erschwerend macht sich bemerkbar, dass der Welthandel ohnehin teilweise ins Stocken geraten ist und die Lieferprobleme gerade bei elektronischen Bauteilen viele Schwierigkeiten bereiten. So rechnet auch die Baden-Badener Stadtverwaltung damit, dass die Lüftungsanlagen vielleicht erst im kommenden Frühjahr eingebaut werden können. Da muss man wohl erst einmal weiter auf geöffnete Fenster setzen und hoffen, dass der Winter nicht so kalt wird.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
23. August 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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