Lukas Kwasniok: „Alle – bis auf die Bayern!“

Saarbrücken (moe) – Natürlich hat Lukas Kwasniok die Pokalsensation seines 1. FC Saarbrücken gegen Düsseldorf gebührend gefeiert. Der Trainer gab gar den Animateur. Auf dem Party-Zenit war er aber nicht mehr mit dabei, wie er im BT-Interview verrät.

Unbändige Freude nach der Pokalsensation: Saarbrückens Trainer Lukas Kwasniok (links) herzt Anthony Barylla.Foto: Oliver Dietze/dpa

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Unbändige Freude nach der Pokalsensation: Saarbrückens Trainer Lukas Kwasniok (links) herzt Anthony Barylla.Foto: Oliver Dietze/dpa

Lukas Kwasniok hat von Haus aus eine Reibeisenstimme. Gestern klang sie allerdings noch ein ganzes Stück rauer. Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich hat der Muggensturmer als Trainer des 1. FC Saarbrücken mit dem Sieg gegen Fortuna Düsseldorf Fußball-Historisches geleistet: Noch nie zuvor hatte ein Viertligist das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht. Nach der irren Pokalschlacht, die in einen 7:6-Erfolg im Elfmeterschießen gegen den Bundesligisten gipfelte, kündigte der 38-Jährige eine derart ausschweifende Feier an, „dass wir wahrscheinlich morgen nicht wissen, wie der Tag heißt“. Auf dem Weg in den „Sportschau-Club“ der ARD unterhielt sich Kwasniok mit BT-Sportredakteur Moritz Hirn über die Pokalsensation.

BT: Herr Kwasniok, welchen Tag haben wir heute?

Lukas Kwasniok (lacht): Mittlerweile weiß ich es wieder. Ich war auf der Party im Übrigen nur der Animateur, als die Feier dann am Laufen war, bin ich rechtzeitig gegangen. Als Trainer muss man auf dem Höhepunkt nicht mehr dabei sein.

Bis dato nur ein weiteres gewonnenes Spiel

BT: Ihr Verein hat mit dem Halbfinaleinzug Geschichte geschrieben. Wie würden Sie persönlich den Erfolg einordnen?

Kwasniok: Das fällt mir noch schwer. Aktuell ist es ein gewonnenes Spiel, wir haben eine weitere Etappe hinter uns gebracht. Und eine weitere vor Augen. So nüchtern fühlt sich das aktuell an. Morgen kann das vielleicht schon ganz anders sein.

BT: Für Siege im Elfmeterschießen braucht man immer ein bisschen Glück. Dennoch muss man es als Underdog gegen einen etablierten Bundesligisten ja auch erst einmal so weit schaffen. Wie beurteilen Sie die Leistung ihrer Mannschaft?

Kwasniok: In der ersten Halbzeit sind die Dinge schon so aufgegangen wie geplant, wobei uns die frühe Verletzung von Innenverteidiger Boné Uaferro natürlich einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Aber wir sind insgesamt verdient mit dem 1:0 in die Pause gegangen. Ab der 60. Minute hat man dann schon gemerkt, dass die Beine schwer werden und wir etwas hinterherhecheln. Auch nach dem Gegentreffer in der 90. Minute haben wir uns etwas schütteln müssen, um dann zu begreifen: „Hey, wir haben die Verlängerung gegen einen Bundesligisten erreicht, das ist was Großes.“ In der Verlängerung sind wir mit dem Mut der Verzweiflung dann etwas früher angelaufen, haben das System auf 4-4-2 umgestellt. Damit hatten die Düsseldorfer Probleme, das haben wir gespürt. Insgesamt waren wir meiner Meinung nach in der Verlängerung die bessere Mannschaft.

Elfmeterschießen als i-Tüpfelchen im Drehbuch

BT: Das Weiterkommen ist also verdient?

Kwasniok: Zumindest ist es nicht unverdient. Wir hatten die Chance, das 2:1 zu machen. Das Elfmeterschießen war dann aber das i-Tüpfelchen in diesem Drehbuch.

BT: Wie ging es Ihnen beim Showdown? Sie mussten schließlich minutenlang bangen...

Kwasniok: Man kann halt gar keinen Einfluss nehmen, das ist das Schlimme. Aber es ist eben auch der Gipfel der Gefühle im Fußball. Das steht natürlich völlig im Gegensatz zueinander. Das auszuhalten ist nicht einfach, aber wenn es am Ende erfolgreich ist, ist es umso schöner.

„Chapeau, Danke – und hoffentlich nicht das letzte Mal!“

BT: Großen Anteil am Erfolg hat freilich Daniel Batz. Ihr Keeper wollte sich zu seiner Leistung nach dem Spiel nicht äußern, sondern wollte sie von anderen Leuten beurteilt wissen. Was sagt der Trainer über seinen Keeper?

Kwasniok: Ich finde, man darf auch in einer Mannschaftssportart einen hervorheben. Wenn der „Batzi“ nicht fünf Elfmeter hält, kommen wir nicht weiter. So ist es einfach. Neben den Elfern hat er ja auch noch ein paar andere Murmeln gehalten. Insofern muss man schon sagen: „Chapeau, Danke – und hoffentlich nicht das letzte Mal!“

BT: Damit wären wir beim Halbfinale. Ein paar Saarbrücker Fans haben in der Euphorie gesagt: „Jetzt bitte die Bayern, die fressen wir auch noch.“ Wie halten Sie es?

Kwasniok: Wenn wir die Bayern im Halbfinale bekommen, dann war es bis dahin eine schöne Reise, bei allen anderen rechnen wir uns eine klitzeklitzekleine Chance aus. Daher würde ich mir alle Teams wünschen – bis auf die Bayern.

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Erstellt:
5. März 2020, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 04sec

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