Lyrische Mahnung für Klimaschutz in Bühl

Bühl (jo) – Im Rahmen der Projektreihe „Artothek – Mobile Skulpturen“ in Bühl ist nun ein weiteres öffentliches Kunstwerk eingeweiht worden: Ein „Lyrik-Paravent“ von Barbara Laskowski in Dreherstraße.

Präsentation des „Lyrik-Paravent“ : Bürgermeister Wolfgang Jokerst, Barbara Laskowski, Rolf Rohrbacher-Laskowski und Sebastian Nagler (von rechts). Foto: Joachim Eiermann

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Präsentation des „Lyrik-Paravent“ : Bürgermeister Wolfgang Jokerst, Barbara Laskowski, Rolf Rohrbacher-Laskowski und Sebastian Nagler (von rechts). Foto: Joachim Eiermann

Lautes Tippen auf einer alten Schreibmaschine empfängt die Besucherinnen und Besucher. Zu Papier bringt die Bühler Künstlerin und Lyrikerin Barbara Laskowski in einem 27 Jahre alten Video eines ihrer Gedichte, das als Vorlage für den jetzt aufgestellten „Lyrik-Paravent“ diente.

Das Gesamtkunstwerk aus Stahl und schwerem Milchglas ist ein weiteres Objekt der Projektreihe „Artothek – Mobile Skulpturen“ in Bühl. Etwa 60 Kunstfreunde versammelten sich am Samstag zu dessen offizieller Präsentation. Den Zeitpunkt, 12.05 Uhr, also buchstäblich Fünf nach Zwölf, hatte die Künstlerin mit Blick auf den Klimawandel und dessen fortgeschrittenem Stadium gewählt. „Es ist nicht Kunst der Kunst willen, sondern Kunst, die sich einmischen will“, führte Bürgermeister Wolfgang Jokerst ins Werk ein. Es gehe um das elementare Thema Klimanotstand, die Bedrohung von Mensch und Natur. „Die Bestrebungen der Stadt, sich mehr für den Klimaschutz zu engagieren, finden mit diesem Kunstwerk einen kulturellen Widerhall“, sagte er.

Am Lieblingsstandort der Künstlerin

Das Mahnmal setzt zugleich ein Zeichen für die Lyrik – eine Kunstgattung, die leider immer weniger Freunde zähle, wie Jokerst bedauerte. Dabei handele es sich um eine besondere Form der Wortkunst, die direkte und unmittelbare Wirkung erziele und viele Musiker und Maler inspiriert habe. Daran anknüpfend rezitierte Barbara Laskowski, im Wechsel mit korrespondierenden Jazz-Improvisationen des Saxofonisten Sebastian Nagler, eine kleine Auswahl ihrer Lyrik: kurze Gedichte über feinsinnige Beobachtungen von Natur und Umwelt, über Gedanken, Empfindungen und Handeln sowie den Sinn des Lebens. „Meine Texte sind keine apokalyptischen Texte – nicht auf den ersten Blick“, erklärte sie. Wir alle auf der Welt seien Geschwister: „Wir atmen eine Luft, trinken ein Wasser, uns strahlt eine Sonne und ein Mond leuchtet uns.“ Doch: „Die Meere leer, die Kinder krank. Die Luft wird knapp und auch die Zeit.“ Das Paravent-Gedicht beginnt mit den Worten: „Die Tiere leben noch.“ Durch Auslassung der jeweils letzten Worte – Strophe für Strophe – lässt es den Ausgang offen.

Zu finden ist das Kunstwerk in der Dreherstraße, nahe der Buchhandlung „Leseinsel“ – an „meinem Lieblingsstandort“, wie Barbara Laskowski sagte: „Der Platz ist wie gemacht für die Arbeit. Die Arbeit ist wie gemacht für den Platz.“ Es handelt sich um den siebten Beitrag des Artothek-Projekts, getragen vom Alternativen Kulturverein (AKV) und unterstützt von der Stadt. „Als Vorstand des AKV sind wir auch ein bisschen stolz, dass uns mit diesem Lyrik-Paravent auf diesem Plätzchen mitten in der Stadt ein kulturelles Kleinod gelungen ist“, äußerte Rolf Rohrbacher-Laskowski. Zur Finanzierung beigetragen hätten vor allem private Kunstfreunde mit Spenden und ein Unternehmen mit einem Preisnachlass. Es laufe auch eine Bewerbung um einen Zuschuss aus dem städtischen Nachhaltigkeitsfond.

Konzept soll ausgebaut werden

Bürgermeister Jokerst erinnerte daran, dass die Zusammenarbeit zwischen Stadt und AKV im Bereich der Bildenden Kunst vor zehn Jahren begonnen habe, als Bühl die baden-württembergischen Heimattage ausrichtete. 2017 startete die Artothek „Mobile Skulpturen“, die seitens der Stadt vor allem logistisch unterstützt werde; teilweise auch finanziell, sofern machbar. Der Alternative Kulturverein strebt an, dieses in der Region einzigartige Konzept für Kunst im öffentlichen Raum von einheimischen Künstlern weiter auszubauen. So gab Rohrbacher-Laskowski zu verstehen: „Wir hoffen auf mehr, sodass man eines Tages sagen kann: Bühl ist Kunststadt.“

Gegenwartskunst in 16 Skulpturen

Die Dauerausstellung ist 24 Stunden am Tag geöffnet: Die Stadt Bühl kann inzwischen mit 16 Skulpturen der Gegenwartskunst aufwarten, verteilt vom Krankenhaus bis zur Weststadt, vom Nordtor-Kreisel bis zum Windeck-Gymnasium. Im Rahmen der AKV-Artothek sind Werke von Gabriele Müller-Nagler, Manfred Emmenegger-Kanzler mit Thomas Weiss, Christian Gospos, Jörn Kausch, Rolf Rohrbacher-Laskowski und jetzt von auch von Barbara Laskowski zu sehen. Im Herbst soll der „Rowdy“ von Henning Schwarz auf den Europaplatz zurückkehren, nach Abschluss der Bauarbeiten der Sparkasse. Etwas älteren Datums sind die Skulpturen, die in Bühl als „Kunst am Bau“ entstanden. Die bekannteste ist Werner Pokornys Cortenstahl-Plastik vor dem Bürgerhaus Neuer Markt.

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Erstellt:
16. August 2021, 11:00 Uhr
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