Macht der Nostalgie im klag in Gaggenau

Gaggenau (mhr) – „Die Schumacherin und der Herr Müller“ gaben im klag ein „Heimspiel“ der besonderen Art.

Überzeugendes Akustik-Duo: Claus Müller und Antje Schumacher ernten bei ihrem „Heimspiel“ begeisterten Applaus. Foto: Margrit Haller-Reif

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Überzeugendes Akustik-Duo: Claus Müller und Antje Schumacher ernten bei ihrem „Heimspiel“ begeisterten Applaus. Foto: Margrit Haller-Reif

Manchmal geht es ganz einfach. Und ganz schnell. Loslassen, entspannen, das aktuelle Schreckensszenario in der Welt wie weggeblasen. So war es, als „Die Schumacherin und der Herr Müller“ zum „Heimspiel“ am Freitag in der gut besetzten klag-Bühne antraten.

Der erste Song „What the World needs now is Love“ wird zum kraftvollen musikalischen Appell, umso mehr, wenn anderswo der Frieden mit Füßen getreten wird. Und erst recht, wenn der Appell von der wunderbaren Stimme der Schumacherin und ihrer hellblauen Ukulele ausgeht und Herrn Müllers „ganz hervorragendem“ Gitarrenspiel. Mit Antje Schumacher und Claus Müller hat per Zufall ein neues Akustik-Duo zusammengefunden, das mit einem ungewöhnlichen und gleichwohl stimmigen Repertoire für sich einnimmt.

Knisternd-metallisches Timbre

Motown-Soul-Pop-Groove-Klänge der 60er-, aber auch 70er- und 80er-Jahre sind ihr Ding, das hört und sieht man. Entsprechend eindrücklich vermitteln die beiden ihre Spielfreude. Unprätentiös, ohne jeden Showeffekt, entwaffnend natürlich und direkt bereiten sie den musikalischen Nährboden für die Macht der Nostalgie: Die ausgebildete Sängerin, Schauspielerin und Ukulele-Könnerin Antje Schumacher und Claus Müller, der Schlagzeuger, an der akustischen Gitarre und am Cajon. Das unverwechselbar knisternd-metallische Timbre der Schumacherin ist wie geschaffen für Soulnummern und Lieder der Neuen Deutschen Welle, allem voran Nina Hagen. Gitarrist Herr Müller wiederum drückt nicht nur dem „Love, Peace and Happiness“-Credo der Sechziger oder dem Rock-Titel „My Generation“ von The Who seinen Stempel auf. Diana Ross, Kate Bush, Nina Simone, Blondie, Burt Bacharach, die Jackson Five – das Duo hat Hits, Evergreens, aber auch manche eher unbekannten Song-Raritäten aus längst vergangenen Tagen ausgegraben. Petula Clarks „Downtown“ oder „Message of Love“ von den Pretenders sind ebenso in ihrem reichhaltigen Repertoire zu finden wie Antje Schumachers eigenes Stück „Love to Fall“. Nicht selten beschwören sie bei der Schumacherin nostalgische Gefühle an ihre Kindheit und Jugend in Gaggenau herauf. Herr Müller „darf“ zwischendurch auch mal singen und demonstriert am Ende lässig seine Cajon-Künste.

Da sind sich zwei musikaffine Menschen begegnet, die zufällig entdeckten, dass sie einen ziemlich ähnlichen Musikgeschmack haben. Und wenig später, dass auch die musikalische und zwischenmenschliche Chemie bei ihnen stimmt.

Wie alles entstand, was es für ein überzeugendes Duo braucht, ist durchaus einer eigenen kleinen Geschichte wert: Kurz vor Beginn der Pandemie fragte der Pforzheimer Claus Müller per Facebook bei der Karlsruherin Antje Schumacher wegen einer Studioaufnahme an, für die es noch eine Sängerin brauchte.

Dann kam der Lockdown und für Künstlerinnen und Künstler jeder Couleur mangels Auftritten eine „schier unerträglich lange Wartezeit“. Antje postete an Claus im Gegenzug jene zehn LPs, die sie am meisten liebte. Claus wiederum fand neun davon ebenfalls gut. Von da an schickten sie sich per Mails gegenseitig (Lieblings-)Songs zu.

Bei einem persönlichen Treffen stellten sie fest, dass sowohl die menschlichen als auch die musikalischen Voraussetzungen für ein Akustik-Duo gegeben waren. Der erste Auftritt ließ nicht lange auf sich warten, bei einem Open Air in Pforzheim im Sommer 2020 erfolgte die Initialzündung, was die Gründung eines Duos angeht. Die starke Resonanz des damaligen Publikums bewirkte ein Übriges.

Seither gibt es das Akustik-Duo. Bei ihrem „Heimspiel“ in der klag-Bühne ernteten Antje Schumacher und Claus Müller langen begeisterten Applaus und viele Dankesworte für „einen wunderbaren Abend“.

Ihr Autor

Margrit Haller-Reif

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Erstellt:
6. März 2022, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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