Mängeln im Rastatter Radnetz auf der Spur

Rastatt (galu) – Das Fahrrad boomt. Doch wie sieht es mit der Sicherheit im Straßenverkehr aus? ADFC und BT sichten Problemstellen in Rastatt und fragen bei der Stadt nach Lösungen.

Vor dem Bahnhof kreuzt der Radweg den Fußgängerbereich. Foto: Lukas Gangl

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Vor dem Bahnhof kreuzt der Radweg den Fußgängerbereich. Foto: Lukas Gangl

Nicht zuletzt regelrecht explodierende Spritpreise und steigende Temperaturen ziehen viele Menschen wieder auf ein alternatives und umweltfreundliches Verkehrsmittel: das Fahrrad. Seit Beginn der Corona-Pandemie boomt der Zweirad-Markt. Von Umweltschützern und Mobilitätsplanern wird es gerne als Speerspitze des Verkehrswandels betitelt, von eingefleischten Autofahrern wird der Radfahrer gerne belächelt. Doch wie steht es um die Verkehrssicherheit von Radlern in Rastatt? Gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) hat das BT Problemstellen in Rastatt gesichtet und die Stadtverwaltung, insbesondere den Mobilitätsbeauftragten Kevin Schlegel, damit konfrontiert.

Bereits am Bahnhofsvorplatz werden erste Mängel ersichtlich: „Die Gesamtsituation ist reformbedürftig“, heißt es vonseiten des ADFC. Der Radweg verläuft in beide Richtungen direkt vor dem Bahnhofsgebäude und kreuzt dementsprechend mit den Fußgängern, die die Unterführung verlassen oder auf dem Weg zu Taxen oder Bussen sind. Durch Unaufmerksamkeit und Ablenkungen – wie ein kurzer Blick aufs Mobiltelefon oder den Busfahrplan – besteht erhöhte Kollisionsgefahr. Die Probleme seien bekannt, Verbesserungen sollen mit einer generellen Umplanung des Bahnhofsvorplatzes einhergehen, sagt Kevin Schlegel. Einen genauen Zeithorizont konnte er nicht benennen, bis zur Landesgartenschau 2036 soll der Umbau jedoch abgeschlossen sein. Von einer kurzfristigen Lösung habe man aufgrund der Unwirtschaftlichkeit Abstand genommen.

In südwestlicher Richtung liegt in unmittelbarer Nähe die Steinmetzstraße, die Richtung Franzbrücke führt. Der dortige Parkplatz stellt für den ADFC eine weitere Problemstelle dar: Der Radschutzstreifen wird von ausparkenden Autos mitgenutzt, da die Gesamtsituation recht beengt ist. Des Weiteren wird auch hier ein Radweg für beide Richtungen genutzt. Darauf habe die Stadt leider keinerlei Einfluss, heißt es aus dem Rathaus. Das Problem sei bekannt, jedoch gehöre das Gelände der Deutschen Bahn – somit seien der Verwaltung derzeit die Hände gebunden.

„Nutzungskonflikte“ durch starken Parkdruck

Ein lang gehegter Wunsch des ADFC war eine Verbesserung der Verkehrssituation auf und vor der Franzbrücke, bisher ein Nadelöhr für Verkehrsteilnehmer. Da der Umbau der Franzbrücke erst vor Kurzem beendet wurde, könne man laut Schlegel noch keine Aussagen zu den tatsächlichen Auswirkungen auf den Radverkehr machen. Die derzeitige Situation sei ohnehin nur ein Provisorium. Für eine Langzeitlösung plane die Stadtverwaltung bereits in Abstimmung mit dem ADFC. Auch das Thema Kreisverkehr sei dabei mehrfach zur Sprache gekommen. Jedoch gibt es für den Verkehrsplaner ein starkes Gegenargument: Platz. Für einen Kreisel müsste man das Karlsruher Tor in seiner Gesamtheit versetzen, der Preisrahmen für ein solches Projekt würde voraussichtlich den des Kombibads in den Schatten stellen, so Schlegel.

Kritik ernten auch die kurzen Radschutzstreifen in der Carl-Schurz-Straße zwischen den Kreuzungen zu Zeughaus-/Herrenstraße und Kinkel-/Kaiserstraße. Dies sei dem starken Parkdruck durch das angrenzende Wohngebiet Murg-Carrée geschuldet. Aufgrund des Nutzungskonflikts sei derzeit keine Änderung an der Gesamtsituation absehbar, so Schlegel. Die dort installierten Schutzstreifen sollen jedoch angenehmes und sicheres Halten an den Kreuzungen ermöglichen, da so die Radfahrer leicht vor den Autos stehen und somit besser sichtbar sind.

In der Dr.-Schleyer-Straße werden Radfahrer zurück auf die Straße geführt – wo oft Autos den Weg blockieren. Foto: Lukas Gangl

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In der Dr.-Schleyer-Straße werden Radfahrer zurück auf die Straße geführt – wo oft Autos den Weg blockieren. Foto: Lukas Gangl

Etwas weiter stadtauswärts befindet sich das Zwischenstück der Siemensstraße Richtung Johann-Peter-Hebel-Schule in einem katastrophalen Zustand. Schlaglöcher und Wurzeln machen den Weg zu einer Gefahrenstelle, nicht nur für Radfahrer, so Vertreter des ADFC. Dem stimmt auch Schlegel zu, eine Sanierung dieses Teilstücks sei deshalb bereits ausgeschrieben, die Maßnahme soll zur Jahresmitte hin beendet sein.

Bereits einige hundert Meter weiter befindet sich laut ADFC mit der Dr.-Schleyer-Straße eine weitere Problemstelle. Die Zweiradfahrer werden dort zurück auf die Straße geführt, jedoch ist die Abfahrt durch schlecht platzierte Autos auf dem angrenzenden Parkplatz des Öfteren blockiert. Zudem gibt es auf der gesamten Straßenlänge trotz vieler parkender Autos, Lkw-Verkehrs und einer erlaubten Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern keinen Radschutzstreifen. Eine Änderung der Abfahrt mit einem Sicherheitsstreifen möchte Schlegel nicht ausschließen. Für einen Schutzstreifen im weiteren Straßenverlauf könnte es jedoch Probleme mit der Gesamtbreite des Asphalts in Kombination mit dem herrschenden Schwerlastverkehr geben. Man werde die Situation im Auge behalten und eventuelle Lösungen prüfen.

Unübersichtliche Verkehrsführung

Eine unübersichtliche und für Radfahrer komplizierte Verkehrsführung hat auch die Rheinauer Brücke zu bieten. Ab der Kreuzung Plittersdorfer/Oberwaldstraße/Rheinauer Ring wird hier in Richtung Brücke der Radverkehr über einen gemeinsamen Fuß- und Radweg geführt. Da sich dieser Weg mit Fahrtrichtung Brücke jedoch links befindet, tendierten viele Abbieger in Richtung Richard-Wagner-Ring zum Fahren auf der Straße. Das birgt eine Tücke: Die ursprüngliche Radverkehrsführung sieht vor, dass auf eine Verkehrsinsel gewechselt wird, um von dort auf die Brücke zu kommen, wo wieder ein gemeinsamer Fuß- und Radweg markiert ist. Da dies nicht nur den Verkehrsfluss stört, sondern auch zum Überqueren der Brücke auf der Straße animiert, müsste man hier laut ADFC die Verkehrsführung für Radfahrer überdenken. Hierzu liegen derzeit keine Überlegungen seitens der Stadtverwaltung vor, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Ein weiterer Kritikpunkt des Radclubs ist der Berliner Ring. Hier wird bis zur Stettiner Straße der Radverkehr ohne einen zusätzlichen Sicherheitsabstand an stark frequentierten Parkplätzen vorbeigeführt. Jede unaufmerksam geöffnete Autotür könne somit zur Gefahr werden. Ein solcher Sicherheitstrennstreifen werde geprüft, lässt Schlegel wissen. Jedoch sei dies wahrscheinlich nicht umsetzbar, da aufgrund des Busverkehrs eine gewisse Fahrbahnbreite ermöglicht werden müsse.

Radschutzstreifen gesperrt: Dieses Ärgernis im Rödernweg war nur baustellenbedingt und daher temporärer Natur. Foto: Lukas Gangl

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Radschutzstreifen gesperrt: Dieses Ärgernis im Rödernweg war nur baustellenbedingt und daher temporärer Natur. Foto: Lukas Gangl

Fast am anderen Ende des Berliner Rings befindet sich der Kreisverkehr an der Kreuzung Am Steingerüst. In Richtung Kaufland gibt es dort trotz regen Lkw-Verkehrs keinen Radschutzstreifen bis zur Rauentaler Straße. Dort wiederum werden Radfahrer auf einen geteilten Geh- und Radweg geführt, welcher jedoch zu eng sei, moniert der ADFC. Auf die Straße auszuweichen sei hier keine sichere Option, da dies vielmals nicht von Autofahrern akzeptiert werde. Die Kritikpunkte an der Radverkehrsführung sind der Stadt bekannt, so Schlegel. Dementsprechend habe man sich bereits Gedanken zur Thematik gemacht. Um die Situation dort zu verbessern, soll zunächst die Rauentaler Straße ab der Hardbergstraße in Richtung Franzbrücke saniert werden, in diesem Zug sollen dort auch Radschutzstreifen markiert werden, voraussichtlich jedoch nicht über die gesamte Straßenlänge. In die andere Richtung ist angedacht, die Randbereiche zu verbreitern, um so jeweils mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen – eine Verkehrsführung auf der Straße sei hier sowieso schwer möglich aufgrund des Schwerlastverkehrs, merkt der Mobilitätsbeauftragte an. Einen Radschutzstreifen Richtung Kaufland werde es jedoch nicht geben, da die Stadt andere Pläne hat: Die Lkw-Parkplätze an diesem Ende des Berliner Rings soll reduziert und ausgelagert werden, insgesamt soll die Straße deutlich attraktiver für Radfahrer gestaltet werden. Davon erhofft sich die Verwaltung die Abwicklung des Radverkehrs über Berliner Ring und Rauentaler Straße – eine Verbindung zu Kaufland wäre damit auch geschaffen. Einen genauen Zeithorizont, so Schlegel, gebe es dafür derzeit nicht, es sei aber noch in den 2020er-Jahren vorgesehen.

„Vorübergehend zumutbar“

Ein besonderes Ärgernis, allerdings nur temporär, war für den ADFC im Rödernweg auf Höhe der ehemaligen Sparkassenakademie zu finden. Hier wurde für Asphaltierungsarbeiten im Einfahrtsbereich zum dortigen Neubaugebiet der Radschutzstreifen gesperrt - und kurzerhand zu Parkplätzen für die Anwohner umfunktioniert. Es stelle sich die Frage, ob hier die Bequemlichkeit der Anwohner der Verkehrssicherheit von Radfahrern übergeordnet würde. Nein, heißt es dazu vonseiten der Ordnungsbehörde. Jedoch sei den Anwohnern durch die Bauarbeiten die Zufahrt zu ihren Grundstücken und der Tiefgarage nicht möglich gewesen, wodurch mehrere hundert Meter Fußweg mit Einkäufen oder kleinen Kindern in Kauf genommen werden mussten. Daher war es aus Sicht der Stadtverwaltung durchaus zumutbar, vorübergehend vom 1. Januar bis etwa Mitte Februar auf einer Länge von rund 200 Metern auf den Radstreifen zu verzichten – zumal der großzügige Straßenquerschnitt in diesem sehr gut zu überblickenden Abschnitt des Rödernwegs die Sicherheit der Radfahrer nicht beeinträchtigt habe, so die Stadtverwaltung.

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Erstellt:
23. April 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
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