Magische Geschichten mit Märchenerzählerin auf Burg Windeck

Bühl – Riesen, Tod und Teufel treiben ihr Unwesen bei Märchenerzählerin Katharina Ritter. Sie entführte in ihrer One-Woman-Show bei „Kultur im Klappstuhl“ in die Welt magischer Geschichten.

Auch mit mimischen Akzenten zieht Katharina Ritter die Zuhörer mühelos in ihren Bann.  Foto: Ursula Klöpfer

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Auch mit mimischen Akzenten zieht Katharina Ritter die Zuhörer mühelos in ihren Bann. Foto: Ursula Klöpfer

Oft wohnen sie zwischen zwei Buchdeckeln: die Riesen, die Ritter und die Hexen. Sie aus ihren Druckwerken zu befreien und ihre Geschichten zu erzählen, könnte wohl kaum jemand besser als Katharina Ritter. Angekündigt war sie als Geschichtenerzählerin, doch sie kann weitaus mehr. Mit ihrer ansprechenden Stimme, ausdrucksvollen Gesten und mimischen Akzenten schaffte sie es mühelos, in ihrer One-Woman-Show die Zuschauer in den Bann zu ziehen. Ganz ohne Requisiten. Da steht sie frech mit ihren langen Zöpfen auf der winzigen Bühne und stampft mit beiden Beinen auf, um die Ratten zu vertreiben. „Schschsch“, zischt sie und geht ganz in ihrer Rolle als Rattenfängerin auf: „Gegen angemessenen Lohn kann ich Euch helfen, Hamelns Straßen und Haushalte von der herrschenden Ratten- und Mäuseplage zu säubern.“

Welcher Ort wäre wohl besser zum Geschichtenerzählen geeignet als die Burg Alt-Windeck? Im historischen Burghof erwachte am Mittwoch nicht nur die Geschichte des „Rattenfängers von Hameln“ zum Leben. In der Reihe „Kultur im Klappstuhl“ präsentierte Katharina Ritter uralte Märchen in ihrer ganz eigenen modernen Weise. So gab sie unter dem Motto „Ritter, Tod & Teufel – Schlag ein oder traust Du Dich nicht?“ nicht nur einen sehr frei erzählten Faust zum Besten, sondern auch eine absurde Geschichte um König Artus.

Dabei hatte der Tag mal wieder mit einer Wetter-Zitter-Partie angefangen. Eine Stunde vor der Veranstaltung schüttete es in Strömen. Kurz vor Beginn passierte dann fast schon ein kleines Wunder: Das Wetter beruhigte sich, obwohl zuerst noch dicke Tropfen von den Sonnenschirmen tropften. Schließlich riss die Wolkendecke sogar ganz auf und es legte sich (fast schon) ein Zauberlicht über die Rheinebene, dem ein atemberaubender roter Sonnenuntergang folgte.

Sozusagen Kino im Kopf

Doch zuvor wurden die Gäste nicht nur von Bürgerhaus-Chefin Corinna Doba, sondern auch von vier stattlichen Rittern begrüßt. Echten, solchen aus Fleisch und Blut. Die Ritter von Windeck hatten es sich nicht nehmen lassen, die Besucher in Empfang zu nehmen.

Die Örtlichkeiten, an denen die Wahlmünchnerin schon überall Geschichten erzählt hat, liest sich mit Staunen. So führten sie zum Beispiel Tourneen & Auftritte für das Goethe-Institut nach Indien, Marokko, Kiew, Georgien, Vancouver, London, Singapur und New York. Schon mit fünf Jahren konnte sie ganze Bücher frei erzählen. Nach kaufmännischer Ausbildung landete sie schließlich beim Film. 1998 entdeckte sie ihre Form des „Filmemachens“: Geschichten erzählen – sozusagen Kino im Kopf. Seither ist sie landauf, landab unterwegs, und erzählt – liebend gerne auch in ihrem Dialekt – aber immer frei von der Leber weg. So ist nicht nur die Interaktion mit dem Publikum eine ihrer großen Stärken, auch ihr lockerer natürlicher Umgang mit der Sprache selbst. Altbekannte Märchen bestückt sie immer mit skurrilen Verrücktheiten. Diese sorgten auch auf der Burg Windeck immer wieder für Gelächter.

Trotz jeder Menge Schabernack, Pointen und Ulk, war es manchmal auf dem Burghof mucksmäuschenstill. Leider war es aber so, dass die Künstlerin immer wieder durch Toilettengänge der Gäste (der Weg ging direkt an der Bühne vorbei) oder die Bewirtung gestört wurde. Irritation auch bei Katharina Ritter. Dieser machte sie irgendwann auch Luft: „Wo geht ihr alle hin? Wisst ihr denn nicht, dass man während einer Geschichte sitzen bleiben muss?“

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Erstellt:
30. Juli 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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