Magische Wesen mit weltlichen Problemen

Gaggenau (stn) – Ronja Schrimpf aus Ottenau hat ihre erste Kurzgeschichte veröffentlicht. Sie ist im Buch „Urban Fantasy going intersectional“ erschienen.

Ein großer Erfolg: Seit dem 28. Januar gibt es die Kurzgeschichte von Ronja Schrimpf als Taschenbuch und E-Book zu kaufen. Foto: Nora Strupp

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Ein großer Erfolg: Seit dem 28. Januar gibt es die Kurzgeschichte von Ronja Schrimpf als Taschenbuch und E-Book zu kaufen. Foto: Nora Strupp

Eine Kombination von Urban Fantasy und Intersektionalität – das ist der Stoff, aus dem das neue Buch des Berliner Ach je Verlags gemacht ist. Dafür suchte er im Rahmen einer Ausschreibung nach Autoren. Die Gaggenauerin Ronja Schrimpf (25) nahm am Wettbewerb teil – und gewann. Ihre Kurzgeschichte ist nun im Buch „Urban Fantasy going intersectional“ erschienen.

Eine eigene Welt, in der scheinbar alles möglich ist

Drachen und Vampire, Hexen und Zauberer, Gestaltwandler und Elfen – Fantasybücher entführen in eine andere, ganz eigene Welt, in der scheinbar alles möglich ist. Während klassische Fantasy-Geschichten an fiktiven Orten spielen, verlegt das Genre „Urban Fantasy“ die Handlung in eine real existierende, großstädtische Umgebung. „Der Begriff Intersektionalität drückt aus, dass Personen von verschiedenen Diskriminierungsformen betroffen sind“, erklärt Schrimpf.

Das Buch „Urban Fantasy going intersectional“ handelt also von magischen Wesen, die mit ganz weltlichen Problemen zu kämpfen haben. „Das kann ein schwuler, arbeitsloser Vampir sein oder eine schwarze Hexe im Rollstuhl“, führt Schrimpf zum besseren Verständnis einige Fantasy-Charaktere an.

Als die junge Autorin aus Gaggenau, die seit einigen Jahren als freie Mitarbeiterin für das BT im Einsatz ist, auf die Ausschreibung des Berliner Ach je Verlags vergangenes Jahr aufmerksam wurde, hatte sie bereits eine Idee, von was ihre Geschichte handeln soll. „Ich fand das Thema toll. Es war offen, man konnte also viel damit machen. Mir sind sofort Ideen dazu in den Kopf gesprungen“, erzählt die 25-Jährige.

Ungeduldiges Warten auf E-Mail des Verlags

Den eigentlichen Text habe sie aber erst kurz vor Ende der Abgabefrist ausformuliert. „Die Kurzgeschichte habe ich innerhalb von zwei bis drei Nächten runtergeschrieben. Wenn ich unter einem gewissen Zeitdruck stehe, bin ich kreativer“, bemerkt Schrimpf lachend. Nachdem sie ihre Geschichte beim Verlag eingereicht hatte, begann für sie eine quälend lange Zeit des Wartens. „Ich war sehr ungeduldig. Ich habe oft meine E-Mails und Social Media gecheckt“, berichtet die gebürtige Murgtälerin. Doch es dauerte etwa zwei Monate, bis die erlösende E-Mail des Verlags in ihrem Postfach landete. „Sie kam, als ich gar nicht damit gerechnet und auch überhaupt nicht daran gedacht habe. Als ich die E-Mail geöffnet habe, standen die Namen aller 21 Autorinnen und Autoren, die gewonnen hatten, untereinander. Als ich meinen Namen ganz unten gesehen habe, bin ich erst mal ausgeflippt.“

Die Freude war riesig. „Für neue Autoren und als Anfänger ist es sehr schwierig, etwas zu veröffentlichen. Es ist für mich also ein großer Erfolg. Es ist toll, ein Buch in den Händen zu halten, mit den eigenen Geschichten, den eigenen Charakteren und seinen eigenen Namen darin zu lesen.“ Zumal es der erste literarische Wettbewerb gewesen ist, an dem sie teilgenommen hat.

Ihre Geschichte, die den Titel „Zuhause“ trägt, handelt von der Gestaltwandlerin Maroochy, die dem indigenen Stamm der Darug angehört. Die Handlung spielt zu der Zeit, als verheerende Buschbrände im Jahr 2019 in Australien wüteten. „Maroochy lebt in den australischen Wäldern und verliert durch das Feuer ihr Zuhause. Sie kommt in die Zivilisation, merkt jedoch schnell, dass sie anders ist und nicht in diese Welt gehört“, gibt Schrimpf einen kurzen Abriss über den Inhalt. Auch ein sehr trauriges Kapitel der australischen Geschichte wird angerissen: „die gestohlene Generation“. Als solche bezeichnet man die jahrzehntelangen staatlich geförderten und organisierten Entführungen von Kindern der australischen Ureinwohner, um sie als billige Arbeitskräfte auszubeuten.

Nächstes Projekt bereits in Angriff genommen

Die Veröffentlichung der Kurzgeschichte sei auch für Schrimpfs Freunde und Familie eine große Überraschung gewesen. „Den meisten habe ich gar nicht erzählt, dass ich bei dem Wettbewerb mitgemacht habe. Sie haben sich alle für mich gefreut, weil sie wissen, wie wichtig mir das ist. Das Schreiben und die Schriftstellerei war schon immer meins.“ Bereits in jungen Jahren habe sie gerne Geschichten für ihre Familie geschrieben – „mit vielen Rechtschreibfehlern“, erinnert sie sich lachend.

In der ersten Klasse habe sie dann auch ihre Leidenschaft für Fantasy-Geschichten entdeckt. Ihre erste Geschichte in diesem Bereich habe von zwei Hexen gehandelt. Was sie am meisten am Fantasy-Genre fasziniert? „Dass man frei sein kann von der eigenen Welt und dass es keine Grenzen gibt.“

Seit dem 28. Januar gibt es das Buch – eine Anthologie, also eine Sammlung von Kurzgeschichten – mit Schrimpfs Beitrag darin als Taschenbuch und E-Book zu kaufen. Und ihr nächstes Projekt hat sie schon in Angriff genommen: „Ich schreibe gerade einen Fantasy-Roman“, verrät die Studentin, die derzeit ihren Master in Wissenschaftskommunikation am KIT Karlsruhe macht. Angefangen habe sie damit schon in der fünften Klasse, habe es dann allerdings verworfen und vor rund anderthalb Jahren wieder aufgegriffen. Sobald der Roman fertig ist, will sie sich eine Agentur suchen, um ihr Exposé dort einzureichen. Fantasy-Fans dürfen sich also vielleicht schon in naher Zukunft auf das nächste literarische Werk von ihr freuen.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
22. Februar 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 32sec

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