Mahnmal für den Frieden wird 70 Jahre alt

Bühl (BNN) – Das Bühler Friedenskreuz ruft zur Versöhnung auf und wird 70 Jahre alt: Seine Botschaft ist so aktuell wie je. Pax Christi organisiert eine Veranstaltung.

Symbol der Versöhnung: Seit 70 Jahren steht das Friedenskreuz zwischen Bühl und Ottersweier. Der Freiburger Erzbischof Wendeling Rauch hat es am 4. Mai 1952 geweiht. Die heutige Gestalt hat die Anlage seit 1972. Foto: Bernhard Margull

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Symbol der Versöhnung: Seit 70 Jahren steht das Friedenskreuz zwischen Bühl und Ottersweier. Der Freiburger Erzbischof Wendeling Rauch hat es am 4. Mai 1952 geweiht. Die heutige Gestalt hat die Anlage seit 1972. Foto: Bernhard Margull

Die Geschichte hinter dem Bühler Friedenskreuz ist von elementarer Wucht. Sie handelt von einem SS-Massaker in Frankreich, von Todesurteilen und deren Aufhebung. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine hat das Friedenskreuz Aktualität. Zum 70. Jahrestag seines Bestehens planen Pax Christi, die Ökumenische Friedensgebetsgruppe Altschweier/Bühlertal und die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul eine Veranstaltung unter dem Titel „Wir weigern uns, Feinde zu sein“.

Am Anfang stand ein Massaker: Wolfgang Schaupp aus Kappelrodeck ist Sprecher des Pax-Christi-Diözesanverbands Freiburg. „Wir fühlen uns fürs Friedenskreuz verantwortlich“, sagt er. Das hat seinen Grund auch in Pater Manfred Hörhammer. Der Mitbegründer der deutschen Sektion von Pax Christi ist gemeinsam mit dem Bühler Caritas-Direktor Johannes Schmidt geistiger Urheber des Kreuzes. Sie hatten gelobt, ein Friedenskreuz zu errichten, wenn ein französisches Kollektivschuldgesetz aufgehoben würde, auf dessen Grundlage auch sechs Männer zum Tode verurteilt wurden, die am Massaker von Oradour nicht beteiligt waren. Es gelang. Einer jener sechs Männer war unter den 10.000 Gästen, als der Freiburger Erzbischof Wendelin Rauch am 4. Mai 1952 das Friedenskreuz weihte.

1983 lernte Schaupp, der damals noch im Freiburger Raum lebte, das Friedenskreuz und auch Manfred Hörhammer kennen. Was dieser dort sagte, „hat mein Engagement für Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit bestärkt“. Einmal im Jahr, sagt Schaupp, sei Pax Christi mit einer Veranstaltung am Friedenskreuz präsent gewesen. Dass dies mit der Zeit nicht mehr weiter aufgefallen sei, hält er für eine Folge des Glaubens an einen gesicherten Frieden.

Der russische Präsident Putin hat diesen Glauben nun brutal zertrümmert. Schaupp bringt das von seiner Grundüberzeugung nicht ab: „Gewaltfreiheit und Versöhnung bereiten den Weg.“ Dass Krieg keine Lösung sei, zeige sich immer wieder, zuletzt von Afghanistan über den Irak bis Syrien. Im Moment sprächen die Waffen. Aber Manfred Hörhammers Anliegen bleibe aktuell: „Man darf nicht auf ein Unrecht neues Unrecht draufsetzen.“

Friedensgebetsgruppe ist beteiligt

Dass es bei den Friedensgebeten der vergangenen Wochen wieder mehr Zulauf gegeben habe, freut Schaupp. Regelmäßiger Gast am Kreuz ist die Ökumenische Friedensgebetsgruppe Altschweier/Bühlertal. Im Januar 1991 hat sie sich gegründet, als Reaktion auf den zweiten Golfkrieg. In der Regel lädt die Gruppe einmal im Jahr, meist im Juli, zum Friedenskreuz ein. Rosemarie Hoerth, Agnes Beier und Elke Müller organisieren diese Gebete. Mit dabei ist seit der ersten Stunde der Friedensgebetsgruppe auch Jochen Hoerth. Seine Erinnerungen ans Friedenskreuz gehen weit zurück in die Schulzeit am Windeck-Gymnasium: „Wir sind mit unserem Lehrer Kurt Oser regelmäßig auf Wallfahrt zum Kreuz gegangen.“ Im Mittelpunkt der Feier stand eine Friedensbotschaft der Jugend von Wales, die walisische Nationalhymne wurde gesungen. Hoerth erinnert sich gut daran, auch, weil die walisische Sprache eine große Herausforderung war, als Schülersprecher trug er Gedichte gegen den Krieg vor. Als er Jahrzehnte später Direktor des Technischen Gymnasiums war, gehörte zum Programm des Schüleraustauschs mit Atlanta auch ein Besuch am Friedenskreuz.

Kampfhubschrauberüber dem Kreuz

Die Verständigung zwischen den Völkern, die Versöhnung, das ist das, was Wolfgang Schaupp antreibt. Gewalt dürfe nie ein Mittel sein. Er erinnert sich an den Nato-Gipfel 2009 in Straßburg und Baden-Baden. „Wir organisierten ein Friedensgebet am Kreuz, und plötzlich kreisten die Apache-Hubschrauber über uns, die den Luftraum kontrollierten“, sagt Schaupp. In diesem Moment habe er bemerkt, wie hilflos man sein könne, wenn man Gewaltfreiheit propagiert: „Es ist aber ein Weg, für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Wilfried Lienhard

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Erstellt:
15. April 2022, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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