Majolika wagt Schritt in die Serienproduktion

Karlsruhe (fk) - Die Karlsruher Keramikmanufaktur Majolika hat den Weg in die Moderne gefunden. Mit einem 3-D-Drucker wagt sie den Schritt in die Serienproduktion.

Skin-Vase aus dem 3-D-Drucker. Foto: Krekel

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Skin-Vase aus dem 3-D-Drucker. Foto: Krekel

Angestaubt, überholt, unrentabel, kurz vor dem Aus. Das war die Karlsruher Keramikmanufaktur Majolika im Jahr 2012. Es folgten harte Zeiten, der neue Chef, Dieter Kistner, musste zahlreiche Entlassungen durchdrücken. Gesucht wurde der Weg in die Zukunft, in die Moderne – ohne jedoch die über 100-jährige hauseigene DNA zu verleugnen und im Dunkel der vergangenen Erinnerungen versiegen zu lassen. Dieser Weg ins Licht, er war kein leichter. Doch inzwischen scheint ihn die Majolika gefunden zu haben – mit einer ganz neuen, einzigartigen Produktionstechnik. Dem 3-D-Druck. Aus Ton.

Der 3-D-Drucker bei der Arbeit. Foto: Krekel

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Der 3-D-Drucker bei der Arbeit. Foto: Krekel

Begonnen hat der Weg vor knapp vier Jahren. Er führte Kistner damals in die Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HFG). In der Tasche nichts als eine Idee – ein Ziel, eine Herausforderung. Die Majolika sollte mit neuen Technologien den Schritt in die Moderne machen, denn nur so, das war Kistner damals klar, würde es möglich sein, wieder dauerhaft gute Umsatzerlöse zu erzielen.

In der HFG traf der Majolika-Chef über Umwege auf Fabian Schmid. Damals noch Student, heute Designer in der Majolika. Die Idee zum künstlerisch angewandten 3-D-Druckverfahren aus Ton wurde geboren. In der Medizintechnik gibt es dieses zwar schon, verdeutlicht Kistner im BT-Gespräch, doch das Vorhaben der Majolika, Kunst und moderne Technik in einer seriellen Produktion zusammenzubringen, sei etwas Neues.

Was folgte, war eine jahrelange Testphase mit Tüfteleien, in denen allen voran Schmid im Rahmen seiner später ausgezeichneten Diplomarbeit ein Verfahren entwickelte und Maschinen konstruierte, mit denen es möglich sein würde, kunstvolle Keramik im 3-D-Druckverfahren herzustellen.

Majolika wagt Schritt in Serienproduktion

Heute, im Jahr 2020, ist es soweit. Die Majolika sieht sich reif für die Serienproduktion. Zu verdanken ist das neben Kistner, Schmid und der HFG auch der Hochschule Karlsruhe (Mechatronik des Druckverfahrens) und dem Karlsruher Institut für Technologie (Objektentwicklung), die das Majolikateam ebenfalls zu Kooperationen bewegen konnte.

Dr. Dieter Kistner. Foto: Krekel

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Dr. Dieter Kistner. Foto: Krekel

Im Kern funktioniert der tönerne dreidimensionale Druck wie jeder andere auch. „Die Maschine bringt nach einem festgelegten vorherigen Plan einzelne Würstchen mit einer Dicke von etwa 0,8 oder einem Millimeter auf – Schicht für Schicht“, erklärt Schmid. Dafür wurde eigens eine beheizbare Düse entwickelt. Nur so war es möglich, auch Ton zu drucken. Denn im Tank muss die braune Masse noch feucht und flüssig genug sein, um sich unter hohem Druck durch die Leitungen und Düsen bewegen zu können. Doch in dieser Konsistenz wäre das stabile Erstellen einer Vase nur sehr schwer umzusetzen. Die Lösung brachte die warme Düse. Sie verdampft das Wasser im Ton beim finalen Schritt des Druckens, und gibt ihm so eine stabilere Konsistenz, erklärt Schmid eine der Ideen der Majolika.

Vorarbeiten dauern manchmal Monate

Die Formen werden vor dem Druck als 3-D-Modelle am PC erstellt oder eingescannt und mit einem speziellen Konvertierungsprogramm an den Drucker übertragen. Klingt einfach, dauert aber Schmid zufolge manchmal Monate. Dennoch ist es genau diese Übertragbarkeit aller möglichen Designs, die für die Majolika eine weitere Chance eröffnet. Gedruckt werden sollen nämlich nicht nur eigene Entwürfe, sondern auch die von Künstlern weltweit, die ihre Ideen auf digitalem Wege nach Karlsruhe übersenden können, wie Kistner vorschwebt. Dabei ist es dem Majolika-Chef jedoch wichtig zu betonen, dass der neue 3-D-Druck nur ein weiteres, wenn auch wichtiges Standbein werden soll, und keinesfalls die althergebrachten Traditionen der manuellen, künstlerischen Fertigung oder der Baukunst ersetzen sollen. „Es geht darum, einen neuen Absatzmarkt zu schaffen mit Dingen, die man nur mit diesem Verfahren herstellen kann.“

Fabian Schmid, Designer Majolika Karlsruhe. Foto: Krekel

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Fabian Schmid, Designer Majolika Karlsruhe. Foto: Krekel

Eines dieser Dinge sind die sogenannten Skin-Vasen. Sie entstehen komplett im 3-D-Druck und offenbaren in Teilen ihr gerüstgleiches Innenleben aus Abertausenden tönernen Stabstrukturen. So etwas sei einzigartig, mehr oder minder eine Weltneuheit, zeigt sich Kistner stolz. Sie sind ein Zeichen der Moderne, des Aufbrauchs in der Majolika am Karlsruher Ahaweg, die mittlerweile wieder 14 Mitarbeiter zählt, neun davon im Betrieb. Noch vor Jahren waren es in diesem Segment nur fünf.

Eine Ende des Jahres 2018 aufs Tableau gewehte mögliche teilweise Übernahme der Majolika durch den Schwarzwälder Unternehmer Ralf Müller (Zeller Keramik Manufaktur und Dorotheenhütte Wolfach) ist für Kistner indes kein Thema. Er habe nichts mehr von einem solchen Engagement gehört.

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Erstellt:
5. Februar 2020, 15:33 Uhr
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