Makler bietet Baden-Badener Forellenhof im Internet an

Baden-Baden (hol) – Der Forellenhof steht nicht zum Verkauf. Das gilt, obwohl ein Immobilienmakler das Hotel wohl schon seit Monaten für den Preis von 3,8 Millionen Euro im Internet anbietet.

Idyllisch gelegen – aber nicht zu verkaufen: Der Forellenhof ist im Internet angeboten worden, ohne dass der Makler den Auftrag dazu hatte.  Foto: Harald Holzmann

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Idyllisch gelegen – aber nicht zu verkaufen: Der Forellenhof ist im Internet angeboten worden, ohne dass der Makler den Auftrag dazu hatte. Foto: Harald Holzmann

Rechtsanwalt Alex Dubrowsky, der die Interessen der Forellenhof-Eigentümer vertritt, hat dem Makler mit einer Unterlassungsklage gedroht, wenn er das Inserat nicht löscht. Am Donnerstag um die Mittagszeit verschwand das Angebot dann aus dem Internet. Rainer Harter, Chef der Von-Poll-Filiale in Baden-Baden, ließ ausrichten, es habe sich um ein Versehen gehandelt.

Der Bericht über die Zukunft des Waldhotels Forellenhof am Mittwoch im BT löste bei nicht wenigen Lesern Verwunderung aus. Alex Dubrowsky war mit der Aussage zitiert worden, dass an den Gerüchten, dass der Betrieb zum Verkauf stehe, nichts dran sei.

Mehrere Hinweise von BT-Lesern

Gleich mehrere Hinweise von BT-Lesern gingen daraufhin in der Redaktion ein. Das stimme nicht, hieß es. Schließlich biete das Maklerunternehmen „Von Poll“ den Forellenhof seit Monaten im Internet an.

In der Tat fand sich auf der Homepage des Unternehmens auch am Donnerstagmorgen noch eine ausführliche Annonce über „Objektnummer 14011038“, den Forellenhof. Darin wurde das Hotel samt 13.100 Quadratmeter Grundstück für 3,8 Millionen Euro zum Kauf angepriesen. Das Haus, Baujahr 1875, sei 2012 zuletzt modernisiert worden, hieß es. Bezugsfrei sei es nach Vereinbarung. Ausführungen über die Geschichte des Hauses, das „Restaurant im Landhausstil“ und den „neu angelegten Biergarten“ komplettierten das Angebot. Insgesamt gebe es 32 Zimmer, 45 Parkplätze (10 davon überdacht) und einen 2012 eingerichteten Spa- und Wellnessbereich. Außerdem gebe es eine „sehr geschmackvoll eingerichtete Vier-Zimmer-Wohnung zur langfristigen Vermietung oder für den neuen Eigentümer“. Das Hotel sei komplett ausgestattet und seit Dezember 2015 langfristig verpachtet. Im Inserat heißt es zudem: „Auf dem Grundstück gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, nach Abstimmung mit dem Bauamt Baden-Baden Erweiterungsbauten zu erstellen.“ So könne beispielsweise durch den Bau eines Konferenz- und Seminarbereiches die Auslastung erhöht werden.

Rechtsanwalt vermutet Lock-Angebot

Alex Dubrowsky, der erst durch den Anruf der Redaktion von dem Von-Poll-Inserat erfahren hat, betonte am Donnerstag: „Es gibt keinen Verkaufsauftrag.“ Die aus Aserbaidschan stammenden Eigentümer hätten das Maklerunternehmen bereits im Herbst vergangenen Jahres schriftlich aufgefordert, die Annonce zu löschen. „Nichts ist passiert“, so der Jurist. „Wir werden dem Unternehmen jetzt mit einer Unterlassungsklage drohen.“

Diese Drohung fruchtete offenbar. Am späten Vormittag verschwand das Angebot aus dem Internet. Auf Nachfrage ließ der Filialleiter ausrichten, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe. Mehr wolle er nicht sagen. Dubrowsky vermutet, dass der Makler seine Webseite mit dem Angebot ausgestattet hat, um Kunden anzulocken. Solche Fälle gebe es immer wieder in der Immobilienbranche. Dafür spreche auch der extrem niedrig annoncierte Preis von 3,8 Millionen Euro.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
5. Februar 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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