Malscher Familie schon zum zweiten Mal Brandopfer

Malsch (sl) – Nach dem Brand eines Mehrfamilienhauses in Malsch sind neun Personen ohne Wohnung. Eine der Familien hatte schon 2018 ihr Eigenheim durch Feuer verloren.

Das Haus ist nach dem Brand unbewohnbar. Drei Familien sind vorerst bei Verwandten sowie in einem Hotel untergekommen, suchen aber dringend Wohnraum. Foto: Fank Vetter

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Das Haus ist nach dem Brand unbewohnbar. Drei Familien sind vorerst bei Verwandten sowie in einem Hotel untergekommen, suchen aber dringend Wohnraum. Foto: Fank Vetter

Nach dem Brand eines Mehrfamilienhauses in der Straße Am Federbach in Malsch am Dienstagabend hat die Polizei noch in der Nacht einen 88-Jährigen festgenommen. Er wurde am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt. Dem Beschuldigten werden versuchter Mord und schwere Brandstiftung vorgeworfen. Laut einem Hausbewohner handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um den Hauseigentümer und Vermieter.

88-Jähriger unter Verdacht


Der Mann soll am Dienstagabend auf der Terrasse des Mehrfamilienhauses in Malsch seinen 60-jährigen Schwiegersohn und die Terrasse mit einer brennbaren Flüssigkeit besprüht und die Flüssigkeit entzündet haben, um seinen Schwiegersohn zu töten und das Gebäude in Brand zu setzen, berichtet die Staatsanwaltschaft. Das Opfer, dessen Oberbekleidung Feuer fing, konnte die Flammen zwar selbst löschen, erlitt aber Brandverletzungen an beiden Händen und einem Unterarm. Der Senior entfernte sich anschließend mit einem Pkw und konnte im Zuge einer Polizeifahndung, bei der auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz war, etwa zwei Stunden später bei Rheinstetten festgenommen werden.

Das Haus geriet vollständig in Brand. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 700.000 Euro. Die neun Hausbewohner sind zunächst bei Verwandten und in einem Hotel untergekommen. Es handelt sich um zwei Familien mit Kindern im Alter zwischen 13 und 17 Jahren und ein Ehepaar. Es gab zwei Verletzte. Die Aufräumarbeiten der Feuerwehr dauerten gestern bis in die Mittagszeit. Unter anderem galt es, eine Gasleitung zu sichern.

Wie die Polizei mitteilt, hatten Nachbarn am Dienstag gegen 20.30 Uhr das Feuer gemeldet, das sich in dem großen Gebäude rasch bis zum Dachgeschoss ausbreitete. Die Feuerwehren aus Malsch, Ettlingen und Durmersheim eilten mit rund 90 Einsatzkräften herbei und leiteten Löschmaßnahmen ein. Zusätzlich kamen von den Rettungsdiensten insgesamt 26 Kräfte und ein Notarzt hinzu.

Insgesamt 27 Bewohner aus dem Brandobjekt und aus der Nachbarschaft mussten in Sicherheit gebracht werden und kamen vorübergehend im Bürgerhaus unter. Den genauen Tathergang ermittelt nun die Kriminalpolizei.

Einer der Geschädigten ist Ercan Badur, der sich nun mit um die Organisation von Hilfe kümmert. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen (13 und 17) bewohnte der 47-Jährige die oberste Wohnung des Hauses. Nun sei die Familie bei einem Schwager untergebracht. Die anderen Hausbewohner seien ebenfalls privat beziehungsweise auf Vermittlung von Bürgermeister Elmar Himmel in einem Malscher Hotel untergekommen. „Obdachlos ist niemand“, betonte Himmel, der mit den Geschädigten Kontakt halten will und Hilfe angeboten hat.

„Warum schon wieder wir?“

Diese Unterkünfte sind allerdings nur eine erste Notlösung. Für eine Übergangszeit von sechs bis acht Monaten suche man nun schnell Wohnungen für zwei Familien und ein Ehepaar, so Badur. Außerdem benötige man fürs Erste eine Grundausstattung an Möbeln, denn derzeit sind die Möbelhäuser wegen Corona geschlossen. „Wir sind auch zum Glück alle versichert“, geht Badur davon aus, dass die vernichteten Werte ersetzt werden. Er spricht aus Erfahrung, denn seine Familie musste schon einmal erleben, dass das Zuhause in Flammen steht: 2018 brannte das Mehrfamilienhaus der Badurs ab, nun wohnte die Familie zur Miete, ist aber gerade dabei, neu zu bauen. „Wir hätten nicht gedacht, dass wir das noch einmal erleben müssen.“ Besonders sein jüngerer Sohn habe in der Brandnacht immer wieder angefangen zu weinen, erzählt der Vater: „Warum schon wieder wir?“

In Malsch erfahren die Brandopfer viel Zuspruch und Hilfsangebote, organisiert auch über eine Facebook-Gruppe. Kleidung brauche man aber nicht mehr, so Badur, obwohl man ja wegen des Corona-Lockdowns nicht so leicht an Ersatz kommt. Aber ein örtlicher Einzelhändler habe spontan geholfen und die Betroffenen einzeln in seinem Geschäft einkaufen lassen und sogar noch Rabatt gegeben.

Froh ist Badur bei allem Unglück, dass es nicht noch schwerere Verletzungen oder gar Tote gegeben hat. Zu verdanken ist das auch den Einsatzkräften, die schnell vor Ort gewesen seien, „obwohl es Ihnen natürlich wie eine Ewigkeit vorkommt, wenn Sie vor dem brennenden Haus stehen“.

Getränke und Pizza für Feuerwehr

Die Lebensretter freuen sich ihrerseits über Anerkennung vonseiten der Anwohner. Nachbarn hätten die Kameraden spontan mit Getränken versorgt, berichtet Dennis Walschburger von der Malscher Feuerwehr, auch das DRK sorgte für Verpflegung. Die Inhaberin einer Pizzeria in Muggensturm, die aber in Malsch wohnt, habe sogar eigens ihren Ofen angeworfen und Pizza geliefert. Die Einsatzkräfte haben sich über diese Zeichen der Wertschätzung sehr gefreut.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
24. März 2021, 18:32 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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