Malscher haben die Wahl

Malsch (sl/ar) – Drei ernst zu nehmende Bewerber stellen sich am Sonntag, 13. Juni, der Wahl zum Malscher Bürgermeister. Den Wählern präsentieren sie sich in Live-Veranstalungen und im Internet.

Gesittete Veranstaltung: Weit weniger heiß als in der Vergangenheit geht es bei der Kandidatenvorstellung im Malscher Bürgerhaus zu. Foto: Anne-Rose Gangl

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Gesittete Veranstaltung: Weit weniger heiß als in der Vergangenheit geht es bei der Kandidatenvorstellung im Malscher Bürgerhaus zu. Foto: Anne-Rose Gangl

Während sich drei Bewerber um das Bürgermeisteramt in Malsch in den „Tiefen des Bürgerhauses ohne Mithörgelegenheit“ aufhielten, begrüßte Werner Scherer, Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses, rund 70 interessierte Bürgerinnen und Bürger zur ersten Kandidatenvorstellung. Weit mehr verfolgten die Veranstaltung im Internet.
Gemeinsam mit Hauptamtsleiter Heribert Reiter und dem ehemaligen Rektor der Hans-Thoma-Schule, Trudbert Wipfler, der den Abend moderierte, achteten sie darauf, dass die vorgegebenen Regeln und Zeiten eingehalten wurden. Je 15 Minuten Redezeit gab es für Markus Bechler (FW), Amtsinhaber Elmar Himmel (SPD) und Wolfgang Scharer (CDU), deren Reihenfolge das Los entschieden hatte. Dauerkandidat Samuel Speitelsbach zeigte sich in Malsch nicht.

Die anfängliche Nervosität bei allen drei Bewerbern legte sich im Lauf ihrer Vorstellungsrede, denn sie traten vor ein entspanntes Publikum, das den Bürgermeisterkandidaten mit Respekt begegnete.

„Vor 16 und vor acht Jahren habe ich das anders erlebt, damals hat es in der Halle gedampft“, erinnerte sich Trudbert Wipfler an die damaligen Kandidatenvorstellungen, bei denen der SPD-Kandidat Elmar Himmel ebenfalls auf der Bühne gestanden hatte. Umso mehr gab es dieses Mal ein Lob für die „wertschätzenden und sogar lächelnden“ Besucher, die allen drei Kandidaten viel Beifall spendeten.

Wenn auch nur rund ein Drittel der zugelassenen Besucherzahl im Bürgerhaus anwesend war, so konnten bei der mit einigem Stolpern per Live-Stream übertragenen öffentlichen Bewerbervorstellung 1.230 Zugriffe gezählt werden. Noch bis zum Wahlsonntag am 13. Juni ist die Online-Übertragung auf der Homepage der Gemeinde abzurufen.

Markus Bechler (Freie Wähler) will Innenstadtberater einsetzen

Hier steht ein Malscher, hier bin ich daheim“, machte sich Markus Bechler den Teilnehmern der ersten Kandidatenvorstellungsrunde im Bürgerhaus bekannt. Wenn das überhaupt notwendig war, denn mit zwölf Jahren als Gemeinderat, davon sieben Jahre als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, und zwei Jahren im Kreistag, kann der 50-Jährige kommunalpolitisch schon als „alter Hase“ gelten.

Jetzt will er es auch an die Spitze des Rathauses schaffen. „Malsch ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagte der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder und meinte damit auch die Ortsteile. Als ersten Schwerpunkt nannte Bechler, der Kritikfähigkeit zu seinen Stärken zählt, ein bürgerfreundliches Rathaus, das wieder mehr als Dienstleister erkennbar werden müsse. Der studierte Informatiker möchte ein Ticket-System einführen, das Mitarbeitern und Bürgern ermöglicht zu sehen, wie weit die Bearbeitung eines Themas ist und wer sich damit beschäftigt. Digitalisierung im Rathaus solle überhaupt Bürger und Mitarbeiter entlasten.

Er stehe für sinnvollen Natur- und Umweltschutz sowie einen vernünftigen Klimaschutz. Windkraftanlagen im Bergwald lehnt Bechler indes ab, plädiert aber für mehr Solarflächen (zum Beispiel entlang der Autobahn) und eine Biogasanlage.

Seit zwölf Jahren wirkt Markus Bechler im Gemeinderat, jetzt will er Bürgermeister werden. Foto: Anne-Rose Gangl

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Seit zwölf Jahren wirkt Markus Bechler im Gemeinderat, jetzt will er Bürgermeister werden. Foto: Anne-Rose Gangl

Maßvolle Innenverdichtung und weitere Baugebiete sollen Malsch und die Teilorte zur Heimat für Familien machen. Auch ihm missfalle der Leerstand vieler Häuser im Ort, gab er einem Fragesteller aus dem Publikum recht, der sogar von Bruchbuden sprach. „Eigentum verpflichtet!“, sagte Bechler, „aber Enteignung geht auch nicht“.

Der Kandidat will für Unterstützung der Wirtschaft und des Einzelhandels eintreten. Er möchte einen durch Fördergelder finanzierten Innenstadtberater. Er verspricht Kontinuität bei der Kinderbetreuung, permanente Pflege und Erneuerung von Spielplätzen und Grünanlagen und eine Aufwertung des Bühngeländes.

Ferner stehe er für eine langfristige Projekt- und Finanzkontrolle, aber nicht für „Sparen um jeden Preis“. Den Ordnungsdienst will er personell stärken und mit mehr Kompetenzen ausstatten, „damit wir uns alle in einem sauberen Malsch wohl und sicher fühlen“.

Auf die Publikumsfrage nach dem Schuldenstand der Gemeinde in fünf Jahren antwortete Bechler, dass er steigen wird, denn der Gemeinderat habe viele Projekte angestoßen, für die Kredite notwendig sind. Die Niedrigzinsphase solle man nutzen. Er kritisierte aber, dass die Verwaltung dem Ratsgremium noch keine Komplettliste aller Vorhaben zur Bewertung vorgelegt habe.

Auf die Frage, was er als neuer Bürgermeister als erstes angehen will, nannte Bechler, dass Malsch auf Facebook und Instagram aktiv sein sollte und eine Gemeinde-App brauche, um die Jugend wieder mehr anzusprechen.

Elmar Himmel (SPD) möchte Entwicklung der Gemeinde fortsetzen

Ganz nach dem Motto „Bewährtes erhalten, Zukunft gestalten!“ möchte Elmar Himmel (SPD) eine dritte Amtsperiode antreten. Der 53-jährige Diplom-Verwaltungswirt, Volljurist und Politologe rief in seiner Vorstellungsrede die bereits verwirklichten Projekte während seiner 16-jährigen Amtszeit in Erinnerung und verheimlichte nicht, dass Malsch vor weiteren großen Aufgaben stehe.

Oberstes Ziel sei es für ihn, das normale Leben so bald wie möglich wieder in die Gemeinde zurückzuholen. „Wir brauchen ein breites und zugleich konkretes und verlässliches Nachdenken über Malsch nach der Pandemie“, sagte Himmel. Malsch habe sich gut entwickelt und werde in der Region als attraktive Gemeinde gesehen.

Es sei seine Aufgabe als Bürgermeister, bei allen Themenfeldern Chancen und Risiken für die gemeindliche Entwicklung und die Wohlfühl- und Lebensqualität aller Bürger im Blick zu haben. Es gelte, nicht Stimmungen hinterherzulaufen, sondern auch schwierige, unbequeme Aufgaben anzupacken und Lösungen zu entwickeln. Himmel betonte, er gebe keine Versprechen ab, sondern formuliere Ziele, deren Umsetzung von der Haushaltslage und dem Willen des Gemeinderats abhänge.

Als Ziele formulierte er unter anderen die Wohnraumversorgung, die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts, klimafreundliche Mobilitätsformen, die Weiterführung des Hochwasserschutzes, die Gestaltung des Bühngeländes, die Ortsmittengestaltung in Waldprechtsweier, den Erhalt des Lehrschwimmbeckens in der Hans-Thoma-Schule: „Wichtig ist es, bei unseren Projekten generell darauf zu achten, dass wir als Gemeinde unsere Investitionen nicht zurückfahren, sondern damit zu einer Stabilisierung der Wirtschaft beitragen.“

Der Amtsinhaber beschrieb sich selbst als ergebnisorientiert, er verliere die Ziele nicht aus den Augen, er sei kämpferisch, sage, was er denke und tue, was er sage. „Damit macht man sich nicht immer Freude, aber gerade deshalb können Sie sich auch in Zukunft auf mich verlassen“, so Himmel, der betonte, er wolle Malsch mit den Bürgern und seinen Mitarbeitern gestalten. „Wir passen zusammen, wir sind ein gutes Team.“

Elmar Himmel ist seit 16 Jahren Bürgermeister von Malsch und strebt eine dritte Amtszeit an.Foto: Anne-Rose Gangl

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Elmar Himmel ist seit 16 Jahren Bürgermeister von Malsch und strebt eine dritte Amtszeit an.Foto: Anne-Rose Gangl

Im Rahmen der 20-minütigen Fragerunde ging es auch um die Themen Digitalisierung, Waldwirtschaft, Wachstum der Gemeinde und Parksituation. Definiertes Parken und Einbahnstraßenregelungen bräuchten die Akzeptanz der Bürger, bei Digitalisierung und Waldbewirtschaftung gebe es weiteren Handlungsbedarf, zum Konzeptpapier Wohnen und Bauen sei nun die Entscheidung des Gemeinderats gefragt. Angesprochen auf die Schuldenentwicklung bemerkte Himmel, bei seinem Amtsantritt 2005 sei der Schuldenstand höher gewesen, man habe aber in den vergangenen Jahren viel in die notwendige Infrastruktur investiert.

Wolfgang Scharer (CDU) fordert Neuanfang in der Gemeinde

Malsch bleibt hinter seinen Chancen zurück; das will ich zusammen mit Ihnen ändern“, versprach Bürgermeisterkandidat Wolfgang Scharer (CDU). Der 46-jährige Volljurist und selbstständige Anwalt will die Gemeinde Malsch mit ihrem „großartigen Potenzial“ erfolgreich in die Zukunft führen, betonte er in seiner Vorstellungsrede.

Der gebürtige Malscher ist vor einigen Jahren in seinen Heimatort zurückgezogen und bezeichnet sich selbst als politischen Quereinsteiger. „Als junge Familie wurden wir konfrontiert mit Bürokratie, Intransparenz, Ignoranz, Abweisung und Vertröstung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Kindergarten Villa Federbach“, berichtete der CDU-Bewerber und zweifache Vater. Dies sei der Augenblick gewesen, in dem er sich gesagt habe, das dürfe so nicht sein, das müsse anders werden. „Das hat mich motiviert, Bürgermeister zu werden“, so Scharer.

Politik, die dem Ort und den Menschen dient, möchte er gestalten. Er stehe für einen Neuanfang, für eine Politik, bei der die Probleme der Menschen, der Betriebe und Vereine im Mittelpunkt stünden und nicht irgendwelche eigenen Interessen, Befindlichkeiten und Egos. Den Blick meist fest auf sein Redemanuskript gerichtet, äußerte Wolfgang Scharer einige Kritik in Richtung Rathaus.

Als Quereinsteiger ist Wolfgang Scharer (CDU) von der Bürokratie im Rathaus enttäuscht.Foto: Anne-Rose Gangl

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Als Quereinsteiger ist Wolfgang Scharer (CDU) von der Bürokratie im Rathaus enttäuscht.Foto: Anne-Rose Gangl

In Malsch habe man bisher versäumt, innovative Lösungen zu entwickeln, sei es bei der Kinderbetreuung als auch beim Thema Senioren. „Ich will, dass Familien flexible Betreuungsangebote bekommen“, so Scharer, der hierzu einen Runden Tisch Schule und Betreuung einrichten möchte. Für ältere Menschen möchte er den öffentlichen Nahverkehr stärken, damit Nahversorgung und der Gang zum Hausarzt nicht zu einem Altersproblem werden. Dinge sollte man nicht aussitzen, sondern angehen und anpacken.

Es gebe viele Baustellen, wobei die Gemeinde in ureigener Verantwortung etwas ändern könnte. Scharer möchte mehr Transparenz in Politik, Bürgerbeteiligung und Bürgerdialog. Aufgabe einer Gemeindeverwaltung sei nicht die Verwaltung der Gemeinde, sondern ihre Gestaltung. Hierfür möchte der CDU-Bewerber eine Zukunftswerkstatt oder projektbezogene Arbeitsgemeinschaften ins Leben rufen.

Scharer präsentierte einen ganzen Strauß an Ideen wie eine Wirtschaftsförderung, die Gründung von Baugemeinschaften oder Baugenossenschaften, eine Bürgerstiftung, Aufwertung des Bühngeländes, die Wiedereinführung eines Feldschützen und Verkehrskonzepte. „Mit etwas Engagement und den Ideen der Bürgerschaft könnten wir so viel verbessern“, sagte er und bat um das Vertrauen der Wähler, damit Malsch einen neuen Aufbruch starten könne.

Um Themen wie Windkraft, Schuldenentwicklung, Motivation der Rathausmitarbeiter und Autobahnanschluss ging es in der Fragerunde.

Ihr Autor

BT-Redakteur S. Linkenheil und Anne-Rose Gangl

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Erstellt:
9. Juni 2021, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 5min 24sec

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