„Man taucht in ganz neue Welten ein“

Rust (BNN) – Der Südbadener Youtuber Silas Fischer und seine Lebensgefährtin Susanne Cellak verbringen fast jede freie Minute in Freizeitparks. In der Szene sind sie prominent.

Die Liebe zu Freizeitparks verbindet sie: Susanne Cellak und Silas Fischer. Foto: Elvira Weisenburger

© Elvira Weisenburger

Die Liebe zu Freizeitparks verbindet sie: Susanne Cellak und Silas Fischer. Foto: Elvira Weisenburger

Anfangs führten sie eine Wochenendbeziehung. Knapp 400 Kilometer Fahrtstrecke trennen Silas Fischer und seine Freundin Susanne Cellak damals. Er lebt in Südbaden, sie in Hessen. Die viel zu kurzen Wochenenden, die Abschiede – es ist wie bei den meisten Paaren, die der Liebe wegen pendeln. Als sie allerdings zusammenziehen wollen, haben die beiden es leichter. Es gibt keinen Streit über die Frage: Wo ziehen wir gemeinsam hin? Fischer hat den unschlagbaren Heimvorteil. Er wohnt in der Nähe des Europa-Parks. „Ich habe gleich zu ihm gesagt: Kommt eine Wohnung direkt in Rust in Frage?“, erinnert sich Cellak. Denn: Sie und ihr Lebensgefährte sind Freizeitpark-Fans der extremen Art.

„Wir werden oft erkannt“

„Letztes Jahr haben wir 18 verschiedene Parks besucht – in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden“, erzählt Fischer. Das bedeutet aber weit mehr als nur 18 Ausflüge zu Achterbahnen und Märchenwelten. Einige Freizeitparks hat das Paar selbstverständlich mehrfach besucht. Ein Sommer-Wochenende zu Hause? Undenkbar. Dauerkarten besitzen Fischer und Cellak fürs Disneyland Paris, für den Holiday Park und natürlich für den Europa-Park.

Als Youtuber „EPfan95“ ist Silas Fischer vielen Europa-Park-Liebhabern ein Begriff. Auf seinen Touren sammelt er Parkpläne. Foto: Elvira Weisenburger

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Als Youtuber „EPfan95“ ist Silas Fischer vielen Europa-Park-Liebhabern ein Begriff. Auf seinen Touren sammelt er Parkpläne. Foto: Elvira Weisenburger

Beide sind von Beruf Sozialarbeiter. So wie andere Menschen nach Feierabend in den Biergarten gehen, besucht das Paar eben mehrmals die Woche kurz Deutschlands größten Freizeitpark in Rust. Es kommt vor, dass Fremde sie dort um ein gemeinsames Selfie bitten. „Wir werden oft erkannt“, sagt Cellak. In der Szene genießt das Paar eine gewisse Prominenz: Als Youtuber „EPfan95“ versorgt Fischer die Fan-Gemeinde regelmäßig mit Freizeitpark-Videos und den neuesten Infos – die Abkürzung EP steht für Europa-Park. Cellak ist als Instagram-Bloggerin „myrollercoasterdream“ ein Begriff.

Ob die beiden jemals einen „normalen“ Urlaub am Strand verbracht haben – ohne Achterbahn-Nervenkitzel und Vergnügungspark? Sie schütteln die Köpfe. „Nicht seitdem wir zusammen sind“, sagt Fischer – und früher auch nur in wenigen Ausnahmefällen. „Wenn wir Urlaub machen, sagen wir nicht: Wir fahren nach Lübeck“, erklärt „EPfan95, „sondern wir sagen: Wir fahren in den Hansa Park – was ist da in der Nähe?“

Vorigen Sommer sah der Reiseplan so aus: Mittwoch: Fahrt nach Lübeck. Donnerstag: Hansa Park. Freitag: Sightseeing Lübeck, Weiterfahrt. Samstag: Serengeti Park im niedersächsischen Hodenhagen. Sonntag: Legoland Discovery Centre in Oberhausen. Montag: Movie Park Germany in Bottrop. Dienstag: Phantasialand bei Köln. Mittwoch: Phantasialand. Donnerstag: Heimfahrt. „Wir haben ein sehr spezielles Hobby – und ein sehr zeitaufwendiges“, räumt Fischer lachend ein.

Was ihn so sehr fasziniert an dieser Welt der Achterbahnen und der knallbunten, fantastischen Kulissen? „Man taucht in ganz neue Welten ein“, sagt er. Und dann ist da dieser irre schöne Moment in der Achterbahn, den er nicht oft genug erleben kann: „Wenn es einen aus dem Sitz hebt und man für einen Augenblick schwerelos in der Luft steht.“ Airtime nennt die Fan-Gemeinde diesen Effekt.

Schnell, aber nicht die schnellste: Der „Silver Star“ im Europa Park fährt bis zu 127 Kilometer pro Stunde. Eine Achterbahn in Abu Dhabi fährt Tempo 240. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Schnell, aber nicht die schnellste: Der „Silver Star“ im Europa Park fährt bis zu 127 Kilometer pro Stunde. Eine Achterbahn in Abu Dhabi fährt Tempo 240. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Zu den besten Neuheiten zählt Fischer die Achterbahn Fly im Phantasialand: „Da hängt man liegend unter den Schienen. Diese Bahn hat Maßstäbe gesetzt“. Der 26-Jährige kann spontane Kurzreferate zu allen möglichen technischen Details halten. Über Trimmbremsen, die Achterbahnen sanft im Tempo drosseln. Über die legendären Konstrukteure Anton Schwarzkopf und Werner Stengel, die Pioniere des Loopings. Er weiß, in welchem Freizeitpark die Fahrgeschäfte welcher Firmen stehen. „Wenn ich die Schienen sehe, weiß ich meist schon, wer der Hersteller ist.“

Daten und Fakten hat er immer parat

Die schnellste Achterbahn der Welt? Sie steht in Abu Dhabi und fährt Tempo 240. Die höchste und schnellste in Europa erreicht 180 Stundenkilometer und ragt 112 Meter in den Himmel. Standort: Port Aventura World nahe Barcelona. Ein Spitzentempo von 127 ist bei der Silver Star im Europa-Park drin. Solche Daten hat Fischer abrufbereit. „Es kommt mir aber nicht auf die Geschwindigkeit an“, betont er. Die Raffinesse des Bahnverlaufs, die Abwechslung der Effekte seien entscheidend.

„Es gibt Leute, die sammeln Achterbahnen“, sagt Fischer. „Bei mir sind es gar nicht so viele – ich bin vielleicht mit 280 verschiedenen gefahren.“ Glänzende Augen bekommt „EPfan95“, wenn er von seinen Auslandsreisen erzählt. Als 17-Jähriger flog er mit Freunden nach England. London, Blackpool, Alton Towers: „In drei Tagen haben wir drei Freizeitparks mitgenommen.“ Dann 2016 das absolute Highlight: Orlando, die Themenpark-Hochburg im US-Staat Florida. Acht riesige Parks hat die Clique abgeklappert. „Das war eine intensive Zeit“, schwärmt Fischer heute noch. Mit Lebensgefährtin Susi will er unbedingt noch mal nach Orlando – aber die Corona-Pandemie durchkreuzte diesen Plan bisher.

Selbst der Europa-Park blieb ja lange abgeriegelt. Trotzdem war das Paar oft dort. „Wir sind um den Europa-Park herum gejoggt und geskatet“, erzählt die 33-jährige Cellak lächelnd. Er sei schließlich ihr „Home Park“, ihr Heimat-Park: „Man will dem einfach nah sein.“

Kennenlernen beim Fan-Treffen im Park

Einander näher gekommen sind sich die beiden leidenschaftlichen Freizeitpark-Besucher über Fan-Foren im Internet. Erstmals gesehen haben sie sich dann 2019 bei einem Fan-Treffen im Europa-Park. Beide sind da übrigens familiär vorbelastet. „Ich weiß noch, wie meine Eltern im Italienurlaub dreieinhalb Stunden Autofahrt in Kauf genommen haben, damit wir den Park mit den extrem interessanten Bahnen besuchen konnten“, erinnert sich Fischer. „Mir ist das in die Wiege gelegt.“ Und seine Freundin fuhr jährlich mit ihrer Mutter und ihrer Schwester die rund 400 Kilometer nach Rust. „Ich kann nirgendwo so gut abschalten wie in Freizeitparks“, meint sie.

Der Europa-Park in Rust: Im April geht die Sommersaison hier so richtig los. Foto: Patrick Seeger/dpa

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Der Europa-Park in Rust: Im April geht die Sommersaison hier so richtig los. Foto: Patrick Seeger/dpa

Deutschlandweit geht die Saison im April so richtig los. Dass Cellak und Fischer sofort beim vorgezogenen Eröffnungswochenende am 19. März in Rust dabei waren – Ehrensache. „Der Europa-Park hat vielleicht nicht die besten Einzelattraktionen, aber das beste Gesamtpaket“, sagt „EPfan95“. „Er hat solide Achterbahnen und ist familientauglich.“

„Der beste Park ist der, in dem du gerade bist“

Am letzten Märzwochenende zog es ihn und seine Lebensgefährtin dann sofort nach Paris: Kurzurlaub im Disneyland. „Wir wollen dieses Jahr auch nach Italien, die Parks um den Gardasee in Angriff nehmen“, kündigt Fischer an. Und die vielen kleinen Vergnügungsparks im Elsass stehen auf der Liste.

„Ich fände es arrogant, nur die Top Parks zu besuchen“, sagt „EPfan95“. Er freue sich auch, wenn kleine Betriebe mutige Nischenkonzepte entwickeln. „Und unsere Devise ist sowieso: Der beste Park ist der, in dem du gerade bist“, meint Fischer lachend.

Direkt in Rust sind er und seine Lebensgefährtin übrigens doch nicht zusammengezogen, sondern im 19 Kilometer entfernten Endingen am Kaiserstuhl. „Ich muss immer noch eine Anfahrt haben“, meint „EPfan95“. Wenn am Horizont die Umrisse der Achterbahnen und der Hotelbauten auftauchen – dann ist die Vorfreude perfekt.

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Ihr Autor

BNN-Redakteurin Elvira Weißenburger

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Erstellt:
5. April 2022, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 33sec

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