Mancher Biker lässt es richtig krachen

Loffenau (ham) – Die Gemeinde Loffenau hat ein Motorradlärm-Display erworben. An den ersten 16 Tagen ermahnte es an der Ortsausfahrt in Richtung Bad Herrenalb mehr als 1000 Motorradfahrer, Tempo und Lärm zu reduzieren.

Das Motorradlärm-Display in Loffenau hat in kurzer Zeit mehr als 1 000 zu schnelle Biker ermahnt. Foto: Gemeinde Loffenau

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Das Motorradlärm-Display in Loffenau hat in kurzer Zeit mehr als 1 000 zu schnelle Biker ermahnt. Foto: Gemeinde Loffenau

Prächtiges Wetter, kurze gerade Strecke nach dem Ortsausgang in Richtung Bad Herrenalb: Da lässt mancher Motorradfahrer gerne seine Maschinen bis zur ersten 180-Grad-Kurve aufheulen – nicht gerade ein Ohrenschmaus für die Loffenauer, die den Sound aus den Auspuffrohren weniger als liebliche Orchester-Musik empfinden.

Das Landesverkehrsministerium will dem Motorradlärm erneut Einhalt gebieten und offeriert daher Zuschüsse beim Kauf von Motorradlärm-Displays. Die Zusage von 4 000 Euro, die jetzt beim neuerlichen Förderprogramm beantragt werden können, hat Loffenau bereits im Vorjahr wie 18 andere Kommunen (darunter Baden-Baden und Baiersbronn) erhalten. Für 15 300 Euro erwarb die Gemeinde ein Display und installierte dieses am 25. März. Es besteht aus zwei Geräten, die per Funk miteinander kommunizieren. Zuerst erweckt eine unscheinbare graue Box keinerlei Verdacht. Sie misst Geschwindigkeit, Lautstärke und Art des passierenden Fahrzeugs (ob Lkw, Auto oder Motorrad). Ist das Gefährt zu flott oder zu laut unterwegs, ermahnt rund 100 Meter weiter das Display unter dem Schriftzug „pssst, Rücksicht“ entweder mit „bitte langsam“ oder „bitte leise“.

Die Hälfte hält sich an Tempo 70

Markus Burger betont: „Wir wollen die Motorradfahrer nicht alle über einen Kamm scheren und verteufeln. Sehr viele fahren vorschriftsgemäß oder sind nur wenig zu schnell“, verweist der Bürgermeister auf die Daten, die ausgewertet und auch dem Land zur Verfügung gestellt werden. Demnach hält sich etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Stundenkilometern an der Stelle. Knapp drei von vier Bikern (73 Prozent) drehen den Gashahn zumindest nicht übertrieben auf und belassen es bei höchstens 80 km/h.

Dass der Standort am Ortsausgang gen Bad Herrenalb „der richtige ist und es gut war, das Display anzuschaffen“, konstatiert Burger allerdings ebenso, denn „einige fuhren an der Stelle fast doppelt so schnell wie erlaubt“! Außerdem seien die meisten der Raser „auch zu laut“.

In der Spitze bis zu 136 km/h

An den ersten 16 Tagen passierten 2 644 Krafträder das Motorradlärm-Display samt Box. 1 428 hielten sich an die vorgegebenen 70 km/h. 504 (19 Prozent) überschritten das Tempolimit um maximal zehn Stundenkilometer. Kräftig auf die Tube drückten weitere 19 Prozent (503) mit 81 bis 100 km/h. In die Kategorie notorische Raser fielen 209 Fahrer, die mit dreistelligen Geschwindigkeiten „glänzten“. Die Spitze des Eisbergs (8 Prozent) ließ es mit bis zu 136 km/h richtig krachen.

In der müßigen Dauerdiskussion mit Bikern verfügt die Gemeinde nun „erstmals über belastbares Datenmaterial, das unsere Maßnahmen gegen Motorradlärm stützt“, freut sich Burger über die bezuschusste Neuanschaffung und kündigt an: „Nach einem Jahr stellen wir das Display an einen anderen Standort: an den Ortsausgang in Richtung Gernsbach.“ Dort dürften kaum weniger Ermahnungen angezeigt werden: „Pssst!“

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Erstellt:
10. April 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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