Mangel an Aufträgen und Material

Stuttgart/Baden-Baden (for) – Die Corona-Krise macht dem öffentlichen Bausektor stark zu schaffen. Aufgrund weggebrochener Gewerbesteuereinnahmen sind viele Kommunen mit Investitionen zurückhaltend.

Wegen fehlender Gewerbesteuereinnahmen in der Corona-Krise sind viele Kommunen im Sparmodus. Investitionen, etwa im Straßenbau, werden zurückgehalten. Foto: Christoph Soeder/dpa

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Wegen fehlender Gewerbesteuereinnahmen in der Corona-Krise sind viele Kommunen im Sparmodus. Investitionen, etwa im Straßenbau, werden zurückgehalten. Foto: Christoph Soeder/dpa

Die Corona-Pandemie macht nicht nur der Gastronomie- und Tourismusbranche zu schaffen, sondern auch den Baufirmen. So entwickelt sich der öffentliche Bau laut der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg immer mehr zum Problem für die Baubetriebe im Südwesten. „Sinkende Umsätze, schwindende Aufträge und weniger geleistete Arbeitsstunden lassen in der Branche die Alarmglocken schellen“, heißt es.

Umsetze um acht Prozent ins Minus gerutscht

Wie der Verband weiter mitteilt, sind die Umsätze im ersten Quartal 2021 im öffentlichen Bausektor um acht Prozent ins Minus gerutscht, die Auftragseingänge gingen um 8,9 Prozent zurück. „Besonders kritisch ist aktuell die Lage im Straßenbau“, teilt Eleni Auer, Pressesprecherin bei der Landesvereinigung, mit. Zwischen Januar und März sei hier der Umsatz um 13,5 Prozent gesunken, die Nachfrage habe sich um 10,9 Prozent verringert. Auch der öffentliche Hochbau habe sich demnach negativ entwickelt. „Allein im Monat März betrug der Umsatzrückgang in dieser Sparte 9,7 Prozent, die Aufträge brachen sogar um 28,6 Prozent ein“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Viele Aufträge storniert

Gründe dafür sieht Auer vor allem in der Corona-Krise. So seien vor Ausbruch der Pandemie noch deutlich mehr Investitionen von der öffentlichen Hand getätigt worden. „Da war aber auch noch deutlich mehr Geld im Portfolio“, so Auer auf BT-Nachfrage. Im Sommer 2020 habe sich das Blatt dann gewendet. „Wegen der weggebrochenen Gewerbesteuereinnahmen in der Corona-Krise haben viele Kommunen die Bauaufträge storniert. Teilweise wurden sogar Haushaltssperren verhängt“, schildert Auer die Situation. „Die Kommunen sind seither beim Thema Investitionen sehr zurückhaltend.“ Daran habe auch der Rettungsschirm des Bundes nichts geändert.

Daniel Schnepf, Geschäftsführer des Baden-Badener Bauunternehmens Schnepf, kennt das Problem aus eigenen Erfahrungen. Zwar habe er noch nicht erlebt, dass bereits gebuchte Aufträge coronabedingt wieder storniert wurden, „das liegt aber auch daran, dass die meisten Bauvorhaben schon angelaufen waren – dann den Rückzug anzutreten, ist kaum sinnvoll“, sagt er. Aber: „Im Umkreis Baden-Baden sind schon seit einigen Wochen nur wenig bis gar keine Ausschreibungen von Kommunen mehr zu finden.“

Warnung vor hohen Folgekosten

„Wenn das so weiter geht, dann wird die bisherige Baudynamik in den kommenden Monaten zum Erliegen kommen“, warnt Thomas Möller, Geschäftsführer bei der Landesvereinigung Bauwirtschaft. Er mahnt die öffentliche Hand, nicht gegen die Krise anzusparen. „Gerade jetzt muss in die marode Infrastruktur investiert werden. Kurzsichtige Sparmaßnahmen führen nur zu teuren Folgekosten.“ Diese Folgekosten könnten künftig sogar noch höher ausfallen, denn die Bauunternehmen kämpfen derzeit noch mit einem ganz anderen Problem: fehlendes Material. Einige Unternehmen müssten sogar Kurzarbeit anmelden, weil ihnen aufgrund von unterbrochenen Lieferketten die Rohstoffe fehlten, sagt Auer.

Keine genaue Planung möglich

Zu dieser Maßnahme musste die Firma Schnepf bislang noch nicht greifen. „Aber das ist reine Glückssache“, wie Daniel Schnepf gegenüber dem BT betont. Denn auch er bekomme die Lieferengpässe zu spüren, etwa bei PVC oder Holz. Die Folge des fehlenden Materials: „Die Preise gehen in die Decke“, sagt Schnepf. Dadurch würden Bauvorhaben teurer, „denn irgendwie müssen wir den Einkaufspreis ja weitergeben.“ Gleichzeitig sei eine genaue Planung mit Blick auf die endgültigen Kosten und die Fertigstellung kaum möglich. „Wir können einfach keine Garantie geben“, fügt er hinzu. In vielen Bauverträgen würde deshalb eine sogenannte Stoffpreisgleitklausel eingebaut. Diese kommt dann zur Anwendung, wenn ein Bauunternehmen als Auftragnehmer keinen Einfluss auf die Entwicklung der Einkaufspreise für Stoffe hat beziehungsweise diese Preise nicht im Voraus einschätzen kann.

Forderung: Regionale Lieferketten sicherstellen

Möller fordert Land und Kommunen auf, insbesondere die regionalen Lieferketten für Baumaterialien sicherzustellen. „Dazu gehört, dass heimische Bauprodukte wie beispielsweise Holz nicht nur in den Export gehen, sondern auch dem hiesigen Markt in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen“, schreibt die Landesvereinigung Bauwirtschaft. Zudem müssten lokale Abbaustellen für mineralische Baustoffe wie etwa Steine und Kies erhalten bleiben oder ausgeweitet werden. „Die aktuelle Krise auf dem internationalen Baumarkt mit ihrer massiven Kostenexplosion bei Baumaterialien und akuten Lieferengpässen zeigt doch, dass wir uns künftig unabhängiger machen müssen vom Weltmarkt“, betont Möller. Deutschland verfüge über ausreichend heimische Ressourcen. „Die sollten wir in Zukunft besser nutzen.“


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