Mannheim – Karlsruhe: Deutsche Bahn sucht Korridor

Karlsruhe (vn) – Der Aus- und Neubau der Schienenverbindung zwischen der Quadrate- und der Fächerstadt ist ein großes Infrastrukturprojekt. Jetzt skizziert der Konzern mögliche Streckenverläufe.

Ganz neue Strecken oder zusätzliche Gleise auf vorhandenen Trassen sind möglich. Foto: Bernd Thissen/dpa

© dpa

Ganz neue Strecken oder zusätzliche Gleise auf vorhandenen Trassen sind möglich. Foto: Bernd Thissen/dpa

Die Deutsche Bahn hat 2020 einen aufwendigen Prozess der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung gestartet. Diese Vorgehensweise kommt in der Bevölkerung, bei Politikern, Behörden und Verbänden bislang gut an. Nach dem 4. Dialogforum skizziert der Konzern jetzt erstmals Linienkorridore durch die dicht besiedelte Region. Bis der genaue Trassenverlauf feststeht, wird aber noch einige Zeit vergehen.
Planungsgrundlage ist ein durchgehender Suchraum von Mannheim-Waldhof im Norden durch die gesamte Rheinebene bis nach Karlsruhe im Süden. Tangiert sind Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Beiderseits des Rheins wurden Grobkorridore definiert, die sich für die weitere konkrete Trassensuche sowohl für Neu- als auch Ausbauoptionen eignen. Die Grobkorridore sind etwa 1.000 Meter breit und lassen erahnen, wo künftig einmal die ausgebauten Strecken verlaufen könnten.

„Diese Grobkorridore bestehen aus Gebieten, die besonders sensible Bereiche umgehen, etwa Siedlungs- oder Naturschutzgebiete“, erläutert die Bahn ihre Vorgehensweise. Der Fachbegriff lautet Raumwiderstand und spielt für die Streckenplanung eine entscheidende Rolle: Je sensibler der Bereich, desto höher der Raumwiderstand.

Raumordnungsverfahren läuft parallel

„In dem verfeinerten Untersuchungsraum werden im Anschluss konkrete Trassenkorridore und technisch machbare Linienverläufe untersucht. Daraus werden dann die am besten geeigneten Varianten vertieft geprüft.“ Nach einer Gegenüberstellung und Abwägung bleibt die Antragsvariante übrig, die von der Bahn in ein Raumordnungsverfahren eingebracht wird.

„Jetzt liegen zahlreiche, zum Teil überraschende Linienkorridore auf dem Tisch, der Auswahlprozess wird konkreter“, berichtet Gerd Hager aus dem Dialogforum. Der Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein spricht von einem ersten Meilenstein. „In den nächsten vier Monaten sollen aus dem umfangreichen Streckenportfolio wenige durchgehende Linienvarianten entwickelt werden.“ Diese sollen laut Bahn bei den nächsten Dialogforen im Januar und im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Hager bezeichnet eine vertiefende Diskussion mit Blick auf viele offene Fragen als unabdingbar. „Die Debatte wird ihre Zeit benötigen.“

Die bestmögliche Trasse wäre natürlich eine, die Mensch und Natur am wenigsten behelligt und dennoch ihre Funktion für den Personen- und vor allem für den Güterverkehr optimal erfüllen kann. Der Suchraum ist aber von hoher Siedlungsdichte und einem eng gewebten Biotopnetz geprägt. Beachtet werden müssen zudem auch Trinkwasserschutzgebiete, Wälder und Vorranggebiete für erneuerbare Energien, um nur wenige Beispiele zu nennen. Da hier klassische Fragen der Raum- beziehungsweise Regionalplanung tangiert sind, ist der Regionalverband von Anfang an eng eingebunden.

Denkbar sind ganz neue Strecken oder auch zusätzliche Gleise auf vorhandenen Trassen, des Weiteren hohe Lärmschutzwände und Tunnel. Solche Fragen können aber erst im parallel laufenden Raumordnungsverfahren behandelt werden. Die Bahn hat die zuständigen Behörden in beiden Bundesländern jeweils zu einer Antragskonferenz im Rahmen der Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens eingeladen (Scoping-Prozess): das Regierungspräsidium Karlsruhe am 29. November in Karlsruhe und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd am 30. November in Neustadt an der Weinstraße.

Info-Container für die Öffentlichkeit geplant


Ein gemeinsames Pressegespräch mit allen Projektbeteiligten ist für Frühjahr 2022 vorgesehen, ein Info-Container für die interessierte Öffentlichkeit ist in Planung.

„Die Streckenführung durch unseren dicht besiedelten Raum ist eine gewaltige Herausforderung“, unterstreicht der Regionalverbandsvorsitzende, der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel (CDU). „Umso wichtiger ist es, im sachlichen Dialog zu bleiben. Deshalb setzen wir uns weiter dafür ein, gemeinsam die beste Streckenlösung für Mensch und Umwelt zu finden.“

www.mannheim-karlsruhe.de

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

Zum Artikel

Erstellt:
12. Oktober 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.