Markgräflicher Schlafzimmerschrank kehrt nach Rastatt zurück

Rastatt (sl) – Im Zuge der Neueinrichtung des Rastatter Schlosses kehrt ein Möbelstück zurück, das Konservatorin Petra Pechacek bei Sotheby’s ersteigert hat. Es war einst im Besitz der Markgrafen.

Von der Themse zurück an die Murg: Restauratoren stellen ein chinesisches Lackkabinett in der Beletage von Schloss Rastatt auf. Es wurde in London ersteigert. Foto: Frank Vetter

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Von der Themse zurück an die Murg: Restauratoren stellen ein chinesisches Lackkabinett in der Beletage von Schloss Rastatt auf. Es wurde in London ersteigert. Foto: Frank Vetter

Mit der Neukonzeption der Beletage im Rastatter Residenzschloss (wir berichteten) kehrt auch ein exquisites Möbelstück zurück in die Barockstadt, das Konservatorin Petra Pechacek eigens beim Londoner Auktionshaus Sotheby’s ersteigert hat. Es stammt nachweislich aus dem Besitz der Markgrafen von Baden und stand mit großer Sicherheit einst im Paradeschlafzimmer des Fürsten. Dort soll es jetzt wieder seinen Platz finden. Es handelt sich um ein schwarzglänzendes Lackschränkchen mit Messingbeschlägen aus China.

Einrichtung des Rastatter Schlosses ist eine wahre Herausforderung

Chinesische Möbel erfreuten sich, wie auch Porzellan aus dem Fernen Osten, in der Barockzeit großer Beliebtheit. Gerade Markgräfin Sibylla Augusta hatte ein Faible fürs Exotische. Das seltene Stück ist nicht nur weit gereist, es steht sinnbildlich für eine große Herausforderung, vor die sich die Verantwortlichen im Fall von Schloss Rastatt grundsätzlich gestellt sehen. Denn die älteste Barockresidenz am Oberrhein ist zwar, was ihre Außenhülle und alle wandfesten Bestandteile betrifft, also etwa Stuck und Deckengemälde, im Original erhalten. Das Mobiliar aber wurde schon Ende des 18. Jahrhunderts in alle Winde zerstreut. Ein leeres Schloss also? Nicht ganz. Aber viele der Ausstattungsstücke, die man heute bei einem Rundgang durch die Beletage bewundern kann, stammen zwar aus der Zeit des Markgrafen Ludwig Wilhelm und Sibylla Augustas, jedoch nicht unbedingt aus ihrem Besitz, sondern aus anderen Barockschlössern. Genau umgekehrt liegt der Fall beispielsweise bei Schloss Bruchsal, erklärt Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten: Das Bruchsaler Schloss selbst wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und später wieder aufgebaut. Möbel, Bilder und Wandteppiche aber waren ausgelagert, entkamen dem Inferno und sind heute wieder an Ort und Stelle ausgestellt.

Kostbare Stücke in besserem Licht

Das Wenige, das im Rastatter Schloss noch tatsächlich aus dem Besitz der einstigen Bewohner stammt, will Petra Pechacek künftig in ein besseres Licht rücken. Das gilt etwa für kostbare Kunstgegenstände aus Elfenbein, die Markgräfin Sibylla Augusta ihrem Gatten einst zum Namenstag schenkte. Und natürlich auch für die erwähnte Neuerwerbung, für die die Staatlichen Schlösser und Gärten rund 10.000 Euro hingeblättert haben.

Geradezu günstig findet das Michael Hörrmann – nicht nur angesichts von 250.000 Euro, die man für die Neuausrichtung der Beletage insgesamt ausgibt. Für die Auktion war Petra Pechacek 2017 eigens nach London gereist, um auf ein Stück zu bieten, das bereits bei der aufsehenerregenden Markgrafen-Auktion im Neuen Schloss Baden-Baden 1995 unter den Hammer kam. Damals konnte das Land zwar etliche historische Stücke erwerben, die heute das Rastatter und andere Schlösser möblieren, aber eben nicht alles. Tatsächlich findet sich das chinesische Lackschränkchen im 25 Jahre alten Katalog der Versteigerung. Darin wird es als Schwarzlackkabinett bezeichnet. Der x-förmige Unterbau sei nicht Original, er stamme aus dem 19. Jahrhundert. Das Startgebot lag damals bei 4.000 bis 6.000 Mark. Für wie viel Geld das Möbel dann tatsächlich verkauft wurde und an wen, das ist nicht bekannt.

Obwohl der Versteigerungskatalog von 1995 das Neue Schloss Baden-Baden als Herkunftsort des Schränkchens nennt, gehen Pechacek und Hörrmann von Schloss Rastatt als ursprünglichem Standort aus, denn das Möbel taucht auch in einer Rastatter Inventarliste von 1772 auf, und es hatte sogar ein Pendant. Im Schlafzimmer des Markgrafen standen „2 Kästchen von Chinesisch laquirter Arbeit mit mößing (Messing) beschlagen“. Es ist mit ziemlicher Sicherheit eines davon.

1995 in Baden-Baden unterm Hammer

„Es wäre sehr unwahrscheinlich, dass es ein gleiches Stück mit neun Schubladen im Innern im Neuen Schloss Baden-Baden gegeben hat“, meint Michael Hörrmann. Vielmehr sei Mobiliar im Lauf der Zeit je nach Bedarf vom einen ins andere Schloss derselben Herrscherfamilie umgezogen. Im Unterschied zu Schloss Rastatt, das im 19. Jahrhundert überwiegend vom Militär genutzt und nur selten von Mitgliedern des Hauses Baden bewohnt wurde, stieg das Neue Schloss zum Sommersitz der Großherzöge von Baden auf. Gut möglich also, dass das Schränkchen irgendwann von Rastatt nach Baden-Baden kam, wo es 1995 dann versteigert wurde und nach Großbritannien kam. Jetzt ist es heimgekehrt.

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Erstellt:
9. September 2020, 14:00 Uhr
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