Markus Bechler gewinnt Bürgermeisterwahl in Malsch

Malsch (sl/as) – Die Bürgermeisterwahl in Malsch ist im zweiten Wahlgang entschieden worden. Der Gewinner ist Markus Bechler mit 52,39 Prozent. Wolfgang Scharer unterliegt knapp mit 47,16 Prozent.

„Ich bin sprachlos“: Markus Bechler und seine Frau Helga werden auf dem Kirchplatz gefeiert. Foto: Frank Vetter

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„Ich bin sprachlos“: Markus Bechler und seine Frau Helga werden auf dem Kirchplatz gefeiert. Foto: Frank Vetter

Der künftige Bürgermeister von Malsch heißt Markus Bechler (Freie Wähler). Mit 3.405 Stimmen (52,39 Prozent) liegt er am Sonntag im zweiten Wahlgang klar vor seinem aussichtsreichsten Mitbewerber Wolfgang Scharer (CDU) mit 3.065 Stimmen (47,16 Prozent). Für Dauerbewerber Samuel Speitelsbach stimmen wie schon vor zwei Wochen 15 Wahlberechtigte (0,23 Prozent). Mit 55,28 Prozent liegt die Wahlbeteiligung noch etwas niedriger als beim ersten Wahlgang am 13. Juni.
„Das ist ja wie ein Krimi“, meint eine Frau, die sich wie rund 200 andere Malscher am Abend auf dem Kirchplatz eingefunden hat. Die Menge trotzt erst einem Regenschauer und fiebert dann, die Augen immer wieder aufs Smartphone gerichtet, gespannt dem Wahlausgang entgegen. Die Gemeinde stellt die Ergebnisse der 16 Wahlbezirke nach und nach online, und immer wieder kommt Scharer seinem Konkurrenten gefährlich nahe, ohne ihn jedoch überholen zu können. Um 19 Uhr sind alle Stimmen ausgezählt, doch auf die offizielle Verkündigung durch den Vorsitzenden des Wahlausschusses, Werner Scherer, muss die Menge noch eine Dreiviertelstunde warten.

Immer wieder brandet Applaus auf

Zwischenzeitlich ist immer wieder aufbrandender Applaus zu hören. Die Malscher warten nicht auf das offizielle Ergebnis, um ihrem künftigen Bürgermeister zu gratulieren. Bechler zeigt sich überglücklich. „Ich bin sprachlos“, sagt er – um dann aber doch recht schnell wieder Worte zu finden. Der 50-Jährige dankt seinen Unterstützern und Helfern, seiner Frau Helga und seinen Wählern. „Allen, die mich nicht gewählt haben, reiche ich ebenfalls die Hand, damit wir gemeinsam unser Malsch gestalten“, lädt er zum Miteinander ein. Bechler dankt auch seinen beiden Mitbewerbern, Elmar Himmel (SPD) zudem für die 16 Jahre, die er als Bürgermeister für Malsch gewirkt habe, auch wenn sie nicht immer einer Meinung gewesen seien. Himmel hatte im ersten Wahlgang nur 23,49 Prozent erreicht und seine Kandidatur für die Neuwahl zurückgezogen. Er ist noch bis 31. Juli offiziell im Amt, hat jedoch seinen Rest-Urlaub genommen. Bechlers Amtszeit beginnt am 1. August. Himmel erscheint nicht zur offiziellen Bekanntgabe des Wahlergebnisses.

Wolfgang Scharer ein fairer Verlierer

Wolfgang Scharer zeigt sich indes als fairer Verlierer. „Es ist eigentlich ein tolles Ergebnis, das ich aus dem Stand und unter den gegebenen Rahmenbedingungen erreicht habe“, spielt der 46-Jährige auf einen durch Corona erschwerten Wahlkampf an. Scharer beglückwünscht Bechler zum Wahlsieg und dankt seinen Wählern und seiner Familie. Für seine Unterstützer und Helfer, die viel Zeit investiert hätten, tue ihm das Ergebnis leid.

Scharer ist im zweiten Wahlgang von der Gemeinderatsfraktion der Grünen unterstützt worden. „Bei den Themen, die uns wichtig sind, haben wir bei ihm mehr Gemeinsamkeiten gesehen“, sagt Fraktionsvorsitzender Karlheinz Bechler, der seinem Namensvetter nun dennoch gute Zusammenarbeit anbietet, wenn „auch kritisch, aber konstruktiv“. Auch CDU-Gemeinderat Manfred Schwarz beglückwünscht den künftigen Verwaltungschef. „Wir hoffen auf eine bessere Stimmung zwischen Bürgermeister und Gemeinderat als in den vergangenen Jahren“, meint er mit Blick auf die 16-jährige, nicht immer konfliktfreie Amtszeit von Elmar Himmel. Der Neue habe viele Themen auf der Agenda, so Schwarz. Er hofft, dass man in Malsch nun „mehr Demokratie wagen wird“.

Glückwünsche aus den Nachbarkommunen

Dass CDU-Kandidat Wolfgang Scharer aus dem Stand fast 50 Prozent erreicht hat, sei ein achtbares Ergebnis. Die Corona-Beschränkungen hätten es dem Neuling schließlich nicht leicht gemacht, sich bekannt zu machen. „Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit“, bekundet Andreas Augustin (parteilos), der als Bürgermeister der Nachbargemeinde Durmersheim als einer der ersten gratuliert. Das knappe Ergebnis sei aus der Ferne, nämlich dem Nachbar-Landkreis, erwartet worden. Doch die Wahlbeteiligung lasse Rückhalt für den neuen Bürgermeister erkennen, meint Augustin. Aus Bietigheim überbringt Bürgermeister-Stellvertreter Willi Renkert die besten Wünsche für den neugewählten Bürgermeister.

Mit Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold (parteilos) arbeitet Bechler schon jetzt in der Karlsruher Kreistagsfraktion der Freien Wähler zusammen. Zwischen Ettlingen und Malsch gebe es einige gemeinsame kommunalpolitische Felder, so Arnold. Aus der Tourismusgemeinschaft sei Himmel jedoch ausgetreten. Hier hofft der OB der Nachbarstadt nun auf eine bessere Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister.

Kommentar: Neuanfang ist möglich

Neuanfang ja, aber bitte kein Newcomer: Mit Markus Bechler haben die Malscher denjenigen Bewerber ins Rathaus gewählt, der sich im Wahlkampf zwar deutlich von Amtsinhaber Elmar Himmel abhob, andererseits aber als Gemeinderat langjährige Erfahrung in der Malscher Kommunalpolitik mitbringt und die Interessen Malschs zudem auch als Mitglied im Kreistag vertreten kann. Ob er es besser kann als sein Vorgänger, das wird Markus Bechler nun beweisen können – und auch müssen. Durch seine politische Arbeit ist er jedenfalls in den Malscher Themen drin und er hat wertvolle Kontakte, was ihm sicher bei der Wahl zugutekam.

Erhobenen Hauptes kann Wolfgang Scharer (CDU) aus dem Ring steigen, in den er seinen Hut als Quereinsteiger geworfen hatte. Dazu gehören Mut und der Wille, Dinge anzupacken und zu verändern. Mit ihm wird in Malsch auf die eine oder andere Weise sicher noch zu rechnen sein.

Das Bild eines schlechten Verlierers gibt Noch-Bürgermeister Elmar Himmel ab, der sich unmittelbar nach seinem Wahldebakel in den Urlaub verabschiedet hat und sich noch nicht dazu äußern will, ob es eine Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger geben wird. Der reicht dagegen auch jenen die Hand, die ihm bei der Wahl nicht ihr Vertrauen geschenkt haben. Am Wahlabend sah es danach aus, dass ein guter Neuanfang tatsächlich möglich wird.

Faire Geste: Wolfgang Scharer (rechts) gratuliert dem Gewinner mit coronakonformem „Handschlag“. Foto: Frank Vetter

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Faire Geste: Wolfgang Scharer (rechts) gratuliert dem Gewinner mit coronakonformem „Handschlag“. Foto: Frank Vetter

Ihr Autor

den BT-Redakteuren S. Linkenheil und A. Groß

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Erstellt:
27. Juni 2021, 22:01 Uhr
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