Markus Kauczinski über seine Quarantäne-Erfahrungen

Von Christoph Ruf

Dresden (ruf) – „Jetzt wird es heftig“ – Markus Kauczinski weiß genau, in welcher Lage der Karlsruher SC aktuell steckt. Der ehemalige KSC-Coach hat es mit Dresden schließlich selbst erlebt.

Markus Kauczinski über seine Quarantäne-Erfahrungen

„Gott sei Dank haben sie schon 42 Punkte“: Dynamo-Trainer Markus Kauczinski freut sich, dass der KSC trotz Quarantäne eine sorgenfreie Runde spielen kann. Foto: Robert Michael/dpa

Markus Kauczinski weiß genau, in welcher Lage der Karlsruher SC aktuell steckt. Der ehemalige Trainer des badischen Fußball-Zweitligisten hat es schließlich selbst erlebt. Mit seinem aktuellen Club Dynamo Dresden musste der 51-Jährige in der vergangenen Saison wegen zahlreicher Corona-Fälle ebenfalls in Quarantäne – und stieg nicht zuletzt deshalb in Liga drei ab. Im Interview mit Christoph Ruf betont der Dynamo-Coach, der KSC werde „einen Preis zahlen.“

BT: Herr Kauczinski, was war Ihr erster Gedanke, als Sie gehört haben, dass Ihr Ex-Verein in Quarantäne muss?Markus Kauczinski: Ich dachte: „Gott sei Dank haben sie schon 42 Punkte“.

BT: Sie fürchten, dass nicht mehr viele dazukommen?Kauczinski: Das weiß ich nicht. Aber sie werden einen Preis zahlen, so wie wir ihn auch in der vergangenen Saison gezahlt haben. Für den KSC und Sandhausen wird es jetzt heftig.

BT: Dynamo war nach Ihrer Amtsübernahme im Aufwind, musste dann in Quarantäne und war anschließend chancenlos...Kauczinski: Das ließ sich nicht kompensieren. In den Spielen danach sah das eine Viertelstunde gut aus, dann hat der Gegner zugeschlagen. Und wir das Spiel verloren.

BT: Lässt sich Fitness nicht auch individuell so trainieren, dass der Substanzverlust nicht so enorm ist?Kauczinski: Wir haben natürlich sofort 25 Spinningräder besorgt, aber mit reinem Krafttraining bekommst du das Herz-Kreislauf-System nicht an die Belastungsgrenze. Hinzu kommt, dass die Abläufe nicht mehr internalisiert sind, wenn die Jungs zwei Wochen keinen Ball sehen. Und wenn es wieder losgeht, jagt eine englische Woche die nächste. Dazwischen wird regeneriert. Als Trainerteam versuchst du, die Mannschaft auf den kommenden Gegner vorzubereiten. Aber wirklich einstudieren kann man nicht mehr viel.

BT: Was löst eine solche Situation bei den Spielern aus? Ihr damaliger Kapitän Chris Löwe hat die DFL in einer Wutrede harsch kritisiert...Kauczinski: Naja, wir hätten ja fast noch den Klassenerhalt geschafft. Trotzdem ist es frustrierend ohne Ende, wenn du ahnst, was möglich wäre, wenn alle Mannschaften die gleiche Ausgangslage hätten.

BT: Was kann man als Trainer machen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen?Kauczinski: Wir haben versucht, viel durchzuwechseln, phasenweise hatten wir zwei unterschiedliche Startformationen mit jeweils sechs, sieben Feldspielern, die sonst zu den ersten 14 zählen. So konnten wir physisch ein bisschen was kompensieren. Aber statt der bestmöglichen Mannschaft hatten wir halt dann zwei eher durchschnittliche.

BT: Der dritte nun positiv getestete KSC-Spieler wurde am Dienstagmorgen negativ getestet, ehe dann nachmittags der PCR-Test positiv ausfiel und die Team-Quarantäne angeordnet wurde. Wie ist so ein Hickhack zu erklären?Kauczinski: Das ist überhaupt nicht zu verhindern. Jeder Tag kann eine neue Situation bringen. Die Kinder können das Virus aus der Kita einschleppen, die Ehefrau von der Arbeit. Es gibt falsch positive und falsch negative Ergebnisse. Es kann sein, dass ein Spieler positiv getestet wird, und am nächsten Tag ist die Virenlast so gering, dass er negativ wird. Oder umgekehrt. Auch ich habe gleich einen Abstrich vor mir, obwohl ich schonmal positiv getestet wurde.

Kauczinski rechnet mit Quarantäne-Trainingslager

BT: Sie mussten sogar ins Krankenhaus...Kauczinski: Ich bin am 12. Januar positiv getestet worden, hatte aber keinerlei Symptome. Nach dem Ablauf der Quarantäne stand das Spiel in Mannheim an. In der Nacht vor dem Abflug hatte ich dann Kopfweh, leichtes Unwohlsein. Vom Krankenhaus war anfangs keine Rede, ich hatte eigentlich nur vorgeschlagen, dass ich stattdessen mit dem Auto hinfahre.

BT: Es kam dann anders...Kauczinski: Teamarzt und Physios rieten mir sehr eindrücklich, mich erstmal richtig durchchecken zu lassen. Und in der Klinik waren alle sehr sensibel, als sie erfahren hatten, dass ich kurz zuvor noch wegen der Corona-Infektion in Quarantäne gewesen war. Sie haben dann drei Tage lang wirklich alles untersucht.

BT: Müsste der Profifußball, der ja gegenüber anderen gesellschaftlichen Bereichen privilegiert ist, nicht konsequenterweise bis Saisonende in ein Quarantäne-Trainingslager?Kauczinski: Ich denke, dass es so kommen wird. Wenn es in den kommenden Tagen ein weiteres Team trifft, ist das Chaos im Terminplan sonst ja komplett.

BT: Sie haben 15 Jahre lang beim KSC gearbeitet. Freut Sie die Entwicklung dort?Kauczinski: Klar, der KSC ist ja nicht irgendeine Adresse in meinem Lebenslauf. Das 0:1 gegen Osnabrück war sicher nicht geplant, aber ich freue mich sehr darüber, dass man so früh weiß, dass man eine sorgenfreie Saison spielen wird.

BT: Trainer Christian Eichner hat auch die Spielweise auf den Kopf gestellt. Mutig für einen jungen Trainer, oder?Kauczinski: Christian war schon immer ein guter Typ, das ist dann auch eine Gewähr, dass man gut mit Menschen umgehen kann. Ahnung von Fußball hat er auch, er strahlt eine gewisse Unaufgeregtheit aus, auch das kann wichtig werden.

BT: Wie meinen Sie das?Kauczinski: Wenn es so gut läuft, kommt irgendwann der Scheitelpunkt, an dem das Umfeld mehr will. Ich selbst habe das 2015 gemerkt, als nach der Relegation gegen den HSV in der darauffolgenden Saison plötzlich Platz 7 nicht mehr gut genug war. Man weiß irgendwann nicht mehr zu schätzen, wo man herkommt, was man erwarten kann. So etwas kann schnell zur Endlosschleife werden. Umso wichtiger zu wissen, dass man gut beraten ist, auf Kontinuität zu setzen. Es wäre schön, wenn sich der KSC das bewahrt.

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