„Marsch des Lebens“ auf dem Salmenplatz

Gernsbach (ueb) – Der international wirksame Verein „Marsch des Lebens“ hatte dazu aufgerufen, ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen. In Gernsbach folgte man dem Aufruf.

Dagmar Freundel und Rabbiner Sorovtsev setzen ein sichtbares Zeichen der Unterstützung jüdischen Lebens. Foto: Dagmar Uebel

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Dagmar Freundel und Rabbiner Sorovtsev setzen ein sichtbares Zeichen der Unterstützung jüdischen Lebens. Foto: Dagmar Uebel

In Israel stand das öffentliche Leben am 8. April im Gedenken an den Holocaust still. Doch auch weltweit wurde in den Tagen zum 11. April in unterschiedlichsten Aktionen der Opfer von Judenverfolgungen und -morden vor mehr als 80 Jahren gedacht. Der international wirksame Verein „Marsch des Lebens“ hatte dazu aufgerufen, ein gemeinsames Zeichen gegen Hass, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

So fanden sich am Sonntag auch in Gernsbachs Mitte Menschen zusammen, um durch ihre Teilnahme ebenfalls ein öffentlich sichtbares Zeichen der Unterstützung jüdischen Lebens setzen. Als Ort der bewegenden Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Gemeinsam für eine bessere Zukunft – ohne Antisemitismus und Judenhass!“ hatten die Veranstalter die Salmengasse gewählt.

Eine nicht zufällige Ortswahl, ist die Salmengasse doch ein ganz besonderer Ort, an dem die Erinnerung an die 1940 deportierten jüdischen Mitbürger durch verlegte Stolpersteine wachgehalten wird. Die Organisatorin Dagmar Freundel prangerte in ihrer begrüßenden Rede an, dass Jahrzehnte nach millionenfachen Morden heute wieder jüdische Einrichtungen und Rabbiner durch Polizeiaufgebot geschützt werden müssten. Eine beängstigende Erscheinung, die in Pandemie-Zeiten sogar noch zunähme.

Mahnung: Mit einem deutlichen Nein gegenhalten, wenn „harmlose Judenwitzchen“ kursieren

„Es ist doch nicht normal“, so Freundel, „dass es heute wieder jüdische Mitbürger gibt, die ihre Religion lieber geheimhalten und ihre Kippa aus Angst vor Attacken nicht öffentlich zeigen.“ Einen Teil ihrer Rede widmete Freundel jüdischen Kindern, die dem Holocaust zum Opfer fielen. Etwa 1,5 Millionen, so wird geschätzt, sind es gewesen. Unüberhörbares Schweigen der Umstehenden, als sie 20 Namen von Kindern jeglichen Alters und verschiedener Nationalitäten vorlas. Das Vorlesen weiterer 60 Namen kindlicher Holocaust-Opfer setzten Regina Meier, Thalib Ahmad und Dr. Cornelia Renger-Zorn fort. Mit den Worten, „Wir sind 2021 durch die Vielfalt von 1.700 Jahren jüdischen Lebens in unserem Land gesegnet (…) Lasst uns zu Antisemitismus und Judenhass nie wieder schweigen“, beendete Freundel das Verlesen einer Deklaration des Vereins „Marsch des Lebens“.

Rabbiner Daniel Naftoli Sorovtsev von der israelitischen Gemeinde Baden-Baden erklärte nach einleitendem jüdischem Sprechgesang: „Physische Körper können brennen. Was aber immer bleiben wird, sind die Seelen und die Erinnerungen an alle Opfer.“

Als Gernsbacherin war es Dagmar Uebel wichtig, ihren kleinen ergänzenden Redebeitrag mit Bertolt Brechts „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“ zu beginnen und die Macht des Wortes hervorzuheben. Dabei komme es darauf an, mit einem deutlichen Nein gegenzuhalten, wenn „harmlose Judenwitzchen“ kursierten. Und auch aus dem Verborgenen heraus im Internet Mut zu beweisen – und dort, auch mit Klarname, Stellung zu beziehen.

Mit dem gemeinsamen Singen des hebräischen Volkslieds „Hevenu Schalom“ (Wir wünschen Frieden, Frieden, Frieden aller Welt) endete eine würdige Gedenkfeier mitten in Gernsbach.


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