Maske als Verwandlungsmedium

Baden-Baden (vr) – Täuschung, Theater, Totenmaske: Die kulturellen Aspekte der Maske als Verwandlungsmedium sind vielfältig. Die Gesellschaft der Freunde junger Kunst gönnt dem Thema eine Ausstellung.

Karl Manfred Rennertz fertigte seine Malerei auf Holz zu dem Thema „Maske“ bereits 1989 in Rom. Foto: Veruschka Rechel

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Karl Manfred Rennertz fertigte seine Malerei auf Holz zu dem Thema „Maske“ bereits 1989 in Rom. Foto: Veruschka Rechel

„Maske – Die Magie der Verwandlung“, heißt das weitgespannte Thema der neuen Mitgliederausstellung des Baden-Badener Vereins „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“ (GFjK). Er hat sich seit seiner Gründung 1955 der Förderung zeitgenössischer Werke verschrieben.
Die GFjK ist zwar ein Verein für die Region, möchte aber auch überregionalen und ausländischen Künstlern eine Plattform bieten. „Wir hatten bereits eine Künstlerin aus Singapur und einen Künstler aus Kobe in Japan“, erzählt Professor Karl Manfred Rennertz. Er ist Bildhauer, seit den 70er Jahren Mitglied in der GFjK und seit 1998 ihr Vorsitzender.

Doch dieses Mal stellen 147 Künstler der insgesamt rund 500 GFjK-Mitglieder ihre Werke im Alten Dampfbad aus, darunter bekannte Namen aus Baden-Baden wie Beate Angeloni Baldoni, Andrea Baumgärtner, Alfonso und Thaddäus Hüppi, Nina Karkoschka und Karl-Manfred Rennertz. „Neben den autodidaktischen Künstlern sind auch sieben Kunstprofessoren integriert“, betont Rennertz.

Sie alle zeigen ihre ganz eigene, spannende Interpretation zu dem Thema „Maske“, das sie unter gänzlich unterschiedlichen Aspekten bearbeiteten und in Form von Bildern, Skulpturen sowie Installationen präsentieren.

Mit seiner Leuchtkraft ist das Bild von Thaddäus Hüppi die farbenfröhlichste Arbeit der Ausstellung.  Foto: Veruschka Rechel

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Mit seiner Leuchtkraft ist das Bild von Thaddäus Hüppi die farbenfröhlichste Arbeit der Ausstellung. Foto: Veruschka Rechel

So passt sich die Textilkünstlerin Beate Angeloni Baldoni mit „Zei Tung – Chinese Present“ der aktuellen Pandemie an und kreierte eine medizinische Maske aus chinesischem Zeitungspapier. Diese wurde mit einem schwarzen Organzabändchen zum Geschenk stilisiert und auf einem schwarzen Spitzenuntergrund platziert, der Lungenbläschen symbolisieren soll. „Das Coronavirus ist ein ,Geschenk‘ aus China, von dem wir noch lange etwas haben werden“, erklärt sie.

Hinter „Quark bewirkt Wunder“, Öl auf roher, unbehandelter Leinwand, teils gespachtelt, teils gemalt, steckt ein fröhliches Augenzwinkern. „Das ist die Quarkmaske, die gut tut und Spaß macht“, lacht Malerin Andrea Baumgärtner. Nina Karkoschka wiederum möchte mit ihrer Holzschnitt-Collage „Einsicht“ eine sogenannte psychische Maske symbolisieren, die Menschen aufsetzen, um ihr Innenleben vor der Gesellschaft zu schützen und in ihr zu funktionieren.

Wichtige Rolle in allen Kulturen

Was wie eine Reaktion auf die Corona-Pandemie wirkt, wurde bereits im Spätjahr 2019 geplant, als Covid-19 noch ein Fremdwort war. Tatsächlich gehörten Schutzmasken wenige Monate später zum gewohnten Bild im öffentlichen Raum. Deshalb haben einige Künstler je nach Zeitpunkt des Entstehens ihrer Arbeiten Bezug zu Corona genommen.

Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass auch ohne die Pandemie viele Berufsgruppen bei ihrer Arbeit grundsätzlich Masken tragen müssen. Ob Chirurgen, OP-Schwestern, Laboranten sowie Arbeiter bei der Fertigung von Computerchips oder am Hochofen. Sie alle machen täglich zwischen Beruf und Privatsphäre eine Verwandlung durch, werden beruflich andere Menschen, als sie privat sind.

Ähnliches gilt weltweit für Karneval und Brauchtum – von Theater-Requisiten bis zur Totenmaske. Stets gab es Gründe, Mimik durch Maske zu ersetzen, Gesichter zu verhüllen oder in den Vordergrund zu spielen. Oft will der Mensch ein anderer sein als der, der er ist. Die Maske hilft ihm dabei. Auch deshalb spielt sie in allen Kulturen seit jeher eine wichtige Rolle, dient der Täuschung und Tarnung oder der Verbreitung von Furcht und Schrecken. Von Letzterem kann bei der Ausstellung „Maske – Die Magie der Verwandlung“ keine Rede sein. Sie ist absolut sehenswert, und zwar ab Sonntag, 30. Mai, im Alten Dampfbad, Baden-Baden, Marktplatz 13. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag, 15 bis 18 Uhr, Samstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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Erstellt:
17. Mai 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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