Maskenpflicht jetzt auch im Klassenzimmer

Stuttgart (bjhw) – Lehrer und Schüler ab Klasse 5 müssen künftig auch im Unterricht Masken tragen, wenn die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz 35 übersteigt. Am Donnerstag lag der Wert bei 38,0.

Ein Plakat weist auf die Maskenpflicht in einer Berufsschule hin. Sie gilt künftig auch während des Unterrichts. Foto: Andreas Arnold/dpa

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Ein Plakat weist auf die Maskenpflicht in einer Berufsschule hin. Sie gilt künftig auch während des Unterrichts. Foto: Andreas Arnold/dpa

Nur vier Wochen hielt das Versprechen der Kultusministerin, mit ihr werde es keine Maskenpflicht im Unterricht geben. Sowohl Ministerpräsident Winfried Kretschmann als auch Sozialminister Manfred Lucha (beide Grüne) wollten eine so weitreichende Festlegung nicht mittragen. Jetzt steuert Susanne Eisenmann (CDU) um. Allen Schulen im Land wurde am Donnerstag die neue Verordnung zugestellt, wonach ab Freitag und ab der fünften Klasse von Lehrkräften und allen Schülern auch im Klassenzimmer Maske getragen werden muss. Außerdem darf in Räumen, die nicht belüftet werden können, nicht mehr unterrichtet werden.

Wann greift die neue Maskenpflicht konkret?

Die Schulleitungen sind aufgefordert, die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der neu Infizierten pro Woche und 100000 Einwohner, im Blick zu behalten. Wenn der Wert landesweit über 35 steigt, muss die neue Verordnung angewandt werden. Am Donnerstagabend meldete das Sozialministerium den Wert 38. Regional unterschiedliche Maßnahmen sind zu erwarten, weil Stadt- und Landkreise bei noch höheren Zahlen per Allgemeinverfügung auch noch strengere Regeln erlassen dürfen. Sollten Zahlen regional wieder sinken, werden auch Lockerungen möglich.

„Pädagogische Gründe“ gelten nicht mehr

Wie kommt es zu dem Schwenk?

Eisenmann, die auch die Regierungsarbeit aufseiten der CDU koordiniert, hat vergangene Woche versucht, die Ausrufung der zweiten Pandemiestufe zu verhindern. Die sieht unter anderem vor, dass auch für Schulen verschärfte Corona-Maßnahmen vorbereitet werden. Inzwischen sind aber die Zahlen landesweit so angestiegen, dass strengere Verordnungen ohnehin unumgänglich gewesen wären. Bisher hat die Ministerin mit „pädagogischen Gründen“ argumentiert. Von einer Maskenpflicht sei wenig zu halten, weil „es gerade im Unterricht wichtig ist, klar kommunizieren zu können“. Sich Französischunterricht mit Maske vorzustellen, „das ist schon schwierig“.

Gibt es Erfahrungen mit der Maskenpflicht?

NRW hatte nach den Sommerferien eine sehr weitgehende Maskenpflicht erlassen. Lehrkräfte konnten jedoch selbst entscheiden, ob und wann darauf aus Unterrichtsgründen verzichtet werden soll. Als die Vorgaben gelockert wurden, sprachen sich fast drei Viertel der Lehrkräfte in einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für die Wiedereinführung der strengeren Vorgaben aus. Seit zwei Wochen dürfen Grundschulkinder Masken nicht nur an ihrem Plätzen abnehmen, sondern auch wenn sie im Klassenzimmer unterwegs sind.

Gekippte Fenster reichen für Lüftung nicht aus

Wie muss gelüftet werden?

Die neue Verordnung schreibt in allen Klassenräumen alle 20 Minuten eine Lüftung von drei bis fünf Minuten Dauer vor. Das Umweltbundesamt (UBA) hatte eine entsprechende Empfehlung und die Kultusministerkonferenz eine Handreichung veröffentlicht. Darin heißt es, dass es nicht ausreiche, die Fenster zu kippen oder nur teilweise zu öffnen. „Ideal“ sei das sogenannte Querlüften durch gegenüberliegende Fenster. Das Kultusministerium hat allen Schulleitungen auf zehn Seiten die aktualisierten Hygienehinweise überstellt. Danach müssen aus Sicherheitsgründen verschlossene Fenster für die Lüftung unter Aufsicht einer Lehrkraft geöffnet werden. Weiter heißt es: „Können aufgrund baulicher Maßnahmen Fenster in einem Raum dauerhaft nicht geöffnet werden, ist er für den Unterricht nicht geeignet, es sei denn, es ist eine effektive raumlufttechnische Anlage vorhanden.“

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
15. Oktober 2020, 17:47 Uhr
Aktualisiert:
15. Oktober 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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