Maßgeschneiderte Kisten für den sicheren Transport

Kuppenheim (sawe) – Auf besondere Verpackungen hat sich Küst Holzverarbeitung in Kuppenheim spezialisiert. Durch die Corona-Pandemie ist der Betrieb bislang gut gekommen.

Firmenchef Gregor Gaa legt auch gerne mal selbst Hand an und hilft zuweilen auch in der Produktion mit. Foto: Frank Vetter

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Firmenchef Gregor Gaa legt auch gerne mal selbst Hand an und hilft zuweilen auch in der Produktion mit. Foto: Frank Vetter

Eigentlich sollte sich Gregor Gaa, damals freiberuflich im Projektmanagement tätig, die Firma Küst Holzverarbeitung in Kuppenheim nur einmal anschauen und bewerten. Das tat er und fand ziemlich schnell Gefallen an dem kleinen Unternehmen in der Neufeldstraße. Im Jahr 2010 kaufte er selbst die Firma an der Murg, die sich auf individuelle und maßgeschneiderte Verpackungen aus Holz spezialisiert hat. Die Kunden kommen ausschließlich aus der Region, sind aber weitgehend exportorientiert. „Unsere Produkte werden somit weltweit verschickt“, berichtet der 51-Jährige. Schon der frühere Eigentümer Gerhard Küst, der die Firma 1989 erworben und 20 Jahre lang geführt hatte, entwickelte das Unternehmen Zug um Zug zu einem Fachunternehmen für Transportlösungen aus Holz für sensible Fracht, stoßeempfindliche Geräte und für Schwerlasttransporte. Diese Philosophie setzte Betriebswirt Gregor Gaa fort, der in Sandweier aufgewachsen ist und nach seinem Studium wertvolle berufliche Erfahrungen bei mehreren Unternehmen sammeln konnte.

Der erste Corona-Lockdown habe zwar den Export getroffen, dennoch sei Küst „gut durch diese Zeit gekommen, weil wir sehr breit aufgestellt sind“, berichtet der Firmenchef. Küst Holzverarbeitung stellt unter anderem Paletten, Gestelle, Verschläge und Kisten her, wobei der Kistenbau inzwischen etwa zwei Drittel des Gesamtumsatzes ausmacht. Und der liegt aktuell bei zwei bis 2,5 Millionen Euro im Jahr, teilt der Inhaber und Geschäftsführer mit. Fast jede Kiste ist anders – muss angepasst werden an das spezielle Gut, das darin gesichert an seinen Bestimmungsort per Lkw, Bahn, Schiff oder Frachtflug gelangen soll – gleichgültig ob das in Deutschland, Europa oder Übersee ist. Ob klappbare Seitenwände, bewegliche Verbindungen oder vollständig demontierbare Transportkisten – die Verpackungen müssen stets praktikabel sein und die Ware wie beispielsweise medizintechnische Geräte oder Maschinenteile auch beim Auspacken vor Stößen oder ruckartigen Bewegungen schützen, erläutert Gaa den Anspruch und stellt heraus: „Unsere Transportkisten passen sich dem Inhalt an, nicht umgekehrt“. Dies gilt auch für Paletten, denn: „Moderne Produkte passen nicht auf jede Palette“, weiß der Firmenchef. Küst bietet daher die gesamte Bandbreite an – Einzelstücke, Überseepaletten, Mehrwegpaletten, aber natürlich auch Paletten in Standardgrößen. Zu den regelmäßigen Kunden zählen rund 60 Firmen aus der Region zwischen Offenburg und Bruchsal sowie aus dem Murgtal und dem Kraichtal. Viele Produkte der Firma Küst lassen sich nicht allein maschinell und nicht in Serie herstellen wie bei großen Firmen. „Da ist viel Handarbeit dabei“, erläutert Gaa. Dies erfordert gut ausgebildete Mitarbeiter und eine hohe Flexibilität, weil oft schnelle Lösungen gefragt sind. In der Regel werde nach 72 Stunden geliefert, und wenn es mal besonders schnell gehen muss, dann auch innerhalb von 24 Stunden.

Verwendet wird nur Holz aus der Region

Verwendet werde nur Holz aus der Region, aus nachhaltig bewirtschafteten Anbau, wie Fichte, Kiefer und Douglasie, betont Gregor Gaa, dem das Thema Nachhaltigkeit besonders am Herzen liegt. So wird am Standort in Kuppenheim nicht mit Heizöl oder Gas geheizt, sondern mit naturbelassen Holzresten. An jedem Arbeitsplatz werden die Späne mittels einer modernen Anlage abgesaugt, die mit einer energetischen Hackschnitzelheizung verbunden ist. Und: Über 50 Prozent des Strombedarfs wird durch Sonnenenergie auf den Dächern über eine Fotovoltaikanlage gewonnen. Eine Hallenwand und Rolltore wurden erneuert, das Dach energetisch gedämmt, die Beleuchtung auf LED umgestellt und in das Hochregallager investiert. Der Maschinenpark ist fast komplett modernisiert (Gaa: „Nur eine einzige Maschine stammt noch aus dem alten Bestand“). Frühzeitig wurde auch in elektrische Gabelstapler investiert. So summieren sich die Gesamtinvestitionen, die Gaa im Laufe der vergangenen Jahre vorgenommen hat, auf rund 550 000 Euro. In diesem Jahr wurde ein Lkw einer kleinen Spedition übernommen, die viele Jahre für Küst gefahren ist, nun aber ihren Betrieb eingestellt hat. Einer der beiden Fahrer sei in den Ruhestand gegangen, den anderen 62-jährigen Fahrer hat Gaa nun in seiner Firma eingestellt, damit er dort noch bis zu seiner Rente arbeiten kann. Erstmals bildet die Firma auch selbst aus und hat in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz für einen Holzverarbeitungsmechaniker geschaffen. Expansionsgedanken hegt Gaa derzeit nicht, auch wenn die Firma noch Kapazitäten auf dem insgesamt 3.500 Quadratmeter großen Gelände hat und die 650 Quadratmeter große Produktionshalle um 20 Prozent erweitert werden könnte. Indes: „Wir wollen nicht größer werden, sondern stärker. Wir suchen Kunden, die zu uns passen“, verdeutlicht Gaa, der wie alle seine zehn Mitarbeiter den Gabelstaplerführerschein hat und zuweilen selbst in der Produktion mitmischt – auch auf die Gefahr hin, dass bei dem Büromenschen dann abends doch mal ein Spreißel im Finger steckt, wie er schmunzelnd erzählt.

Blick in die Produktionshalle der Firma Küst in Kuppenheim: Dort werden individuelle Verpackungen aus Holz hergestellt. Foto: Frank Vetter

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Blick in die Produktionshalle der Firma Küst in Kuppenheim: Dort werden individuelle Verpackungen aus Holz hergestellt. Foto: Frank Vetter

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Erstellt:
8. Januar 2021, 11:00 Uhr
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