Massive Probleme mit der Akzeptanz

Baden-Baden (kie) – Das Klinikum Mittelbaden schlägt Alarm: Die Sicherheitsleute an den Kliniktüren werden immer häufiger in Diskussionen verstrickt, beleidigt und teilweise sogar tätlich angegriffen.

Einlasskontrolle an der Balger Klinik: Der Sicherheitsdienst ist seit Beginn der Pandemie im Einsatz. Doch die Akzeptanz für die Kontrollen sinkt zusehends. Foto: Franziska Kiedaisch

© kie

Einlasskontrolle an der Balger Klinik: Der Sicherheitsdienst ist seit Beginn der Pandemie im Einsatz. Doch die Akzeptanz für die Kontrollen sinkt zusehends. Foto: Franziska Kiedaisch

Diskussionen an der Tür kennen Joachim Steimle und Nico Wernicke schon länger. Aber dass es dabei um Testnachweise oder Masken geht, ist auch für die beiden Sicherheitsmänner eine relativ neue Erfahrung. Vor den Krankenhäusern des Klinikums Mittelbaden (KMB) kontrollieren die Mitarbeiter der Offenburger Firma Patronus Protection GmbH seit Beginn der Pandemie entsprechend der geltenden Corona-Verordnung die Besucher. Immer häufiger kommt es dabei zu Problemen.

„Die Akzeptanz ist weit nach unten gegangen“, fasst der Einsatzleiter am Standort Balg, Nico Wernicke, die Entwicklung der vergangenen Monate zusammen. Beleidigungen und Diskussionen seien inzwischen an der Tagesordnung, rund einmal wöchentlich komme es gar zu Handgreiflichkeiten. Auch der Spiegel des Geschäftswagens wurde bereits von einem frustrierten Besucher abgetreten.

Joachim Steimle, Geschäftsführer von Patronus Protection, merkt an, dass Besucher oftmals der Meinung seien, „dass die Regeln auf unserem Mist gewachsen sind. Dabei sind wir die Exekutive; unsere Aufgabe ist es, die Gesetze durchzusetzen“. Manch ein Besucher übertrage seinen Frust auf den Menschen, der vor ihm stehe, „obwohl der nichts dafür kann“. Dementsprechend wünscht er sich ein „bisschen mehr Verständnis“.

Erklären, deeskalieren und zur Not Polizei rufen

Und wie reagieren die Sicherheitsleute auf schwierige Situationen? „Wir erklären die Regeln und machen deutlich, dass diese aufgrund der Verordnung bestehen. Und wir versuchen zu deeskalieren. Wenn es zu Handgreiflichkeiten kommt, rufen wir die Polizei“, erklärt Wernicke.

Täglich komme es außerdem vor, dass Besucher sich mit gefälschten Impfbescheinigungen oder Testnachweisen Zutritt verschaffen wollen. „Da gibt es ganz plumpe Versuche bis hin zu professionellen Fälschungen“, sagt Wernicke. Beispielsweise seien schon Testnachweise vorgelegt worden, auf denen ein Name schlichtweg durchgestrichen und durch einen anderen ersetzt wurde.

Wenn die Sicherheitsleute eine Fälschung feststellen oder vermuten, rufen sie das Ordnungsamt hinzu. „Ich glaube, noch nie wurde so viel gelogen und betrogen wie während der Corona-Pandemie“, vermutet auch Heike Ullrich-Bunge, kaufmännische Direktorin des Klinikums. Die Gesellschaft habe sich nach 20 Monaten Pandemie verändert, das sei eben auch an der Tür des KMB spürbar, fügt sie an.

Mit Beleidigungen oder gar Handgreiflichkeiten zurechtzukommen, sei zwar nicht einfach, sagt Wernicke, doch auch das gehöre zum Job eines Sicherheitsmannes dazu. Die Einsatzgebiete haben sich aber komplett geändert: „Innerhalb von drei Tagen“, blickt Steimle auf den Beginn der Pandemie zurück, sei nichts mehr so gewesen, wie gewohnt: „Mit Corona kam ein großer Wandel, weil die komplette Veranstaltungssaison abgesagt wurde“. Rund 2.000 Veranstaltungen jährlich betreuen die rund 200 Mitarbeiter von Patronus Protection normalerweise.

Rund um die Uhr im Einsatz

Mit Corona gab es plötzlich neue Betätigungsfelder: „Eine Tür geht zu, eine andere geht auf“, so Steimle. Auch das KMB hat sich an die Firma gewandt, seit März 2020 ist Patronus Protection an den drei Klinikstandorten rund um die Uhr im Einsatz. Das KMB war sogar der erste Kunde, der in Corona-Zeiten die Dienste des Unternehmens angefordert hat – und ist nach wie vor der „konstanteste“, wie Steimle sagt: „Da sind wir sehr dankbar“. Seit rund einem Monat betreibt die Firma auch am Rastatter und am Balger Standort eine Teststation.

Für das KMB ist der Sicherheitsdienst laut Ullrich-Bunge ein Gewinn, auch bei kritischen Situationen mit Patienten: „Es ist toll, dass wir sie haben“, sagt sie. Erst kürzlich sei etwa ein Patient mit einem Messer auf eine Pflegekraft losgegangen, der Sicherheitsdienst habe diesen schließlich entwaffnen können. Und auch für die Sicherheitsleute hat der Einsatz vor der Kliniktür Folgen: „Corona war ja zunächst ganz weit weg, aber durch die Arbeit hier war es plötzlich ganz nah. Corona-Leugner werden Sie jedenfalls unter unseren Mitarbeitern keine finden“, sagt Steimle


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.