Maßnahmen-Wirrwarr: „Das versteht kein Mensch mehr“

Baden-Baden/Berlin (kli) – Der Umgang von Bund und Ländern mit der Corona-Pandemie sorgt auch bei den mittelbadischen Bundestagsabgeordneten für Unverständnis.

„Das aktuelle Hin und Her versteht doch kein Mensch mehr“, sagt Kai Whittaker dem BT. Foto: Sarah Gallenberger/Archiv

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„Das aktuelle Hin und Her versteht doch kein Mensch mehr“, sagt Kai Whittaker dem BT. Foto: Sarah Gallenberger/Archiv

„Ich gehöre zum Team Vorsicht, aber nicht zum Team Wirrwarr“, sagte Kai Whittaker (CDU) am Mittwoch. Seine SPD-Kollegin Gabriele Katzmarek spricht von verspieltem Vertrauen.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um Verzeihung für die Beschlüsse zur „Osterruhe“ gebeten hat, begrüßen beide. „Die Entschuldigung der Bundeskanzlerin ist ernst gemeint und nötigt Respekt ab. Das macht eine positive Fehlerkultur aus, die wir dringend brauchen“, so Whittaker gegenüber dem BT.

Katzmarek meint: „Die Bitte um Verzeihung ist nach diesem Hin und Her das Mindeste, was man erwarten kann. Es zeigt aber auch die mangelnde Entscheidungsfähigkeit der Kanzlerin.“ Für Whittaker war die nun zurückgenommene „Osterruhe“ weder sinn- noch wirkungsvoll. „Ich kann den Menschen, die so viel durchstehen müssen, solche Regeln nicht erklären“, sagt er.

Abgeordnete haben Verständnis für Unmut

Auch Katzmarek hat Verständnis für den Unmut. „Ich kann das Misstrauen der Bürgerinnen und Bürger nachvollziehen, auch ich bin mittlerweile genervt und erwarte endlich eine Perspektive“, sagt sie.

Whittaker nimmt auch die Länder in die Pflicht. „Leider halten die Ministerpräsidenten sich nicht an ihre eigenen Beschlüsse. Sie haben im Herbst letzten Jahres zu spät auf die Bremse getreten und haben sie jetzt im Frühjahr zu früh gelockert. Dieses Wirrwarr hat uns erst in die dritte Welle gebracht.“

Was nun zu tun ist? Testen und impfen, darin sind sich beide einig – und zwar am besten rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. „Die Impfstoffproduktion als Grundvoraussetzung fürs Impfen muss erhöht werden. Alle Unternehmen, die in der Lage sind, Impfstoffe zu produzieren, müssen in die Verantwortung genommen werden. Impfzentren rund um die Uhr. Haus- und Fachärzte sowie Betriebsärzte müssen schnellstmöglich impfen dürfen, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist“, fordert Katzmarek gegenüber dem BT.

SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek sagt: „In den Griff bekommt man die Pandemie mit schnellerem Impfen und mehr kostenlosen Testungen. Das verspielte Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn es klare, verständliche Regeln gibt“. Foto: Büro Katzmarek/BT-Archiv

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SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek sagt: „In den Griff bekommt man die Pandemie mit schnellerem Impfen und mehr kostenlosen Testungen. Das verspielte Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn es klare, verständliche Regeln gibt“. Foto: Büro Katzmarek/BT-Archiv

Auch Whittaker fordert mehr Tempo beim Testen und Impfen. „In den Kühlschränken der Länder liegen Millionen von Impfdosen. Diese müssen ruckzuck verimpft werden. Das aktuelle Hin und Her versteht doch kein Mensch mehr. Kleinkariertes Bürokratie-Denken bremst unsere selbstständigen Unternehmer und den Mittelstand aus.“ Whittaker: „Ich habe da kein Verständnis für parteipolitische Scharmützel. Jede Partei mit Ausnahme der AfD sitzt in irgendeiner Regierung in der Verantwortung. Aber momentan findet mir zu viel Fingerzeigerei und zu wenig Anpackmentalität statt.“

Katzmarek findet: „In den Griff bekommt man die Pandemie mit schnellerem Impfen und mehr kostenlosen Testungen. Das verspielte Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn es klare, verständliche Regeln gibt.“


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