Digitale Schuhmacher aus Baden-Baden

Baden-Baden (for) – Das Traditionelle mit der Moderne verbinden – das ist das Erfolgsrezept von Matthias Vickermann, einem der Inhaber der Schuhmanufaktur Vickermann und Stoya in Baden-Baden.

Bereits seit 2004 betreiben Matthias Vickermann (rechts) und Martin Stoya gemeinsam die Schuhmanufaktur Vickermann und Stoya in Baden-Baden. Foto: Frank Schinski/Ostkreuz/Vickermann und Stoya

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Bereits seit 2004 betreiben Matthias Vickermann (rechts) und Martin Stoya gemeinsam die Schuhmanufaktur Vickermann und Stoya in Baden-Baden. Foto: Frank Schinski/Ostkreuz/Vickermann und Stoya

Mit dem Online-Schuhreparaturdienst „Shoedoc“ hat es der 41-Jährige geschafft, ein altbekanntes Handwerk zu digitalisieren. Gleichzeitig hat er gemeinsam mit Wissenschaftlern eine App entwickelt, mit der Maßschuhe künftig auch industriell hergestellt werden können – und damit auch deutlich weniger kosten. Am Dienstag bekommt sein Unternehmen dafür den Seifriz-Transferpreis Handwerk und Wissenschaft verliehen.

„Viele verteufeln die Digitalisierung“, weiß der Geschäftsführer aus Erfahrung. Allerdings sei das der falsche Weg. „Ich habe schon vor vielen Jahren gesagt, dass wir uns früher oder später alle digitalisieren müssen, um überlebensfähig zu bleiben.“ Wichtig dabei sei aber, wie man das Ganze umsetzt, ohne das traditionelle Handwerk komplett zu verdrängen.

Maßschuhe in Handwerksarbeit

Gemeinsam mit Martin Stoya ist Matthias Vickermann seit 16 Jahren darauf spezialisiert, mit der Schuhmanufaktur Vickermann und Stoya Maßschuhe in Handwerksarbeit herzustellen. In Deutschland gibt es laut Vickermann nur noch rund zehn solcher Betriebe. Viele traditionelle Schuhmacher hätten unter den günstigen Tretern aus Billiglohnländern gelitten. Mittlerweile sei aber ein Umdenken in der Gesellschaft zu beobachten: „Früher war der typische Käufer eines Maßschuhs mindestens 60 Jahre alt. Inzwischen ist er im Schnitt Anfang 40“, sagt Vickermann. Der Nachhaltigkeitsgedanke und die Kritik an der Wegwerfgesellschaft sei weit verbreitet.

Immer mehr Anfragen für Schuhreparaturen

So seien neben der Maßanfertigung auch die Nachfragen nach Schuhreparaturen immer mehr geworden. „Wir haben zunehmend auch Anfragen von Kunden außerhalb von Baden-Baden erhalten“, erinnert sich Vickermann. Damit war die Idee eines Online-Reparaturdienstes geboren. „Im vergangenen Jahr haben wir die Shoedoc GmbH gegründet“, erzählt er. Anhand eines Web-Angebots können sich Nutzer in einfachen Schritten zur gewünschten Schuhreparatur klicken. Anschließend werden die Pumps, Sneaker oder Stiefel zu den Schustern nach Baden-Baden geschickt. „Wir reparieren die Schuhe und senden sie nach rund sieben Tagen wieder zurück“, schildert Vickermann den Vorgang.

Online-Angebot hat Vorteile in der Corona-Krise

Die Vorteile des Online-Angebots hätten sich vor allem während der Corona-Krise gezeigt: „Während des Lockdowns sind die Anfragen bei uns in die Höhe geschossen.“

Neben den Schuhreparaturen werden in der Werkstatt in der Kurstadt aber weiterhin Maßschuhe angefertigt. „Die Herstellung der Maßschuhe macht noch immer 80 Prozent unseres Umsatzes aus“, betont Vickermann. Maßschuhe unterscheiden sich von herkömmlichen, standardisierten Schuhen dadurch, dass sie individuell an die Füße angepasst werden. Normalerweise wird für die gängigen Schuhgrößen in der Herstellung nur die Fußlänge genutzt, um den Schuh an die verschiedenen Füße anzupassen. Bei Maßschuhen werde dagegen zunächst der Fuß mit einem Maßband vermessen und ein Druckabdruck genommen. Aus diesen Daten entstehen dann in mühevoller Handarbeit die Schuhleisten, die später die Form für den Schuh vorgeben. Das Ergebnis dieses aufwendigen Herstellungsprozesses kann schnell mehr als 2.000 Euro kosten – das können sich viele schlichtweg nicht leisten.

Ausmessen der Füße mit Smartphone-App

Vickermanns neuestes Projekt ist deshalb die Modum Shoes GmbH, die er in Kooperation mit ehemaligen Studenten aus Hannover gegründet hat. „Im Zusammenspiel aus modernen Ingenieursmethoden und langjährigem Schuhmacherwissen haben wir das Ausmessen der Füße und die Konstruktion des Schuhs automatisiert und können damit Maßschuhe unabhängig der Schuhgrößensysteme industriell herstellen“, erklärt Vickermann.

Dazu vermessen Interessierte ihre Füße mit einer Smartphone-App. Im Anschluss werden die Schuhleisten mittels eines 3-D-Druckverfahrens konstruiert.

Schneller und kostengünstiger

„Auf Basis dieser individuellen Leisten können die Schuhe dann in Fabriken innerhalb Europas hergestellt werden“, erklärt Vickermann. Der Vorteil des Ganzen sei eine schnellere und vor allem kostengünstigere Produktion. „Einen auf diese Weise hergestellten Schuh gibt es dann für rund 500 Euro.“

Fotostrecke

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Digitale Schuhmacher aus Baden-Baden
Ein in Handarbeit hergestellter Maßschuh kostet im Schnitt mehr als 2.000 Euro. Foto: Patrick Labitzke/Vickermann und Stoya

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Digitale Schuhmacher aus Baden-Baden
In Deutschland gibt es laut Vickermann nur noch rund zehn traditionelle Schuhmacherbetriebe. Foto: Patrick Labitzke/Vickermann und Stoya

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Digitale Schuhmacher aus Baden-Baden
Putzen, polieren und reparieren: Mit dem Online-Reparaturdienst „Shoedoc“ hat sich Matthias Vickermann ein zweites Standbein aufgebaut. Foto: Patrick Labitzke/Vickermann und Stoya

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Aber könnte das System nicht zur Konkurrenz für Vickermann und Stoya werden? „Ich denke nicht. Wer bei uns einen Schuh kauft, der kauft nicht nur den Schuh, sondern die komplette Story“, meint Vickermann. Dazu gehört das Ambiente des Handwerksbetriebs, der sich in einem Altbau im edlen Baden-Baden befindet, genauso wie der Geruch nach echtem Leder und der Klang von Raspel und Messer – ganz traditionell eben.

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Ein in Handarbeit hergestellter Maßschuh kostet im Schnitt mehr als 2.000 Euro. Foto: Patrick Labitzke/Vickermann und Stoya

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In Deutschland gibt es laut Vickermann nur noch rund zehn traditionelle Schuhmacherbetriebe. Foto: Patrick Labitzke/Vickermann und Stoya

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Putzen, polieren und reparieren: Mit dem Online-Reparaturdienst „Shoedoc“ hat sich Matthias Vickermann ein zweites Standbein aufgebaut. Foto: Patrick Labitzke/Vickermann und Stoya

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