Max Giesinger sprühte vor guter Laune

Karlsruhe (BT) – Knapp zwei Jahre ist es her, dass Musikbegeisterte den Mount Klotz zum Beben brachten. Wir haben den Artikel über das Karlsruher Fest 2019 für Sie aus dem Archiv gekramt.

Besucher des Open-Air-Festivals „Das Fest“ verfolgen am ersten Tag der Veranstaltung in der Günther-Klotz-Anlage den Auftritt einer Band. Bis einschließlich 21.07.2019 traten damals auf mehreren Bühnen zahlreiche Musiker auf. Foto: Uli Deck/dpa

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Besucher des Open-Air-Festivals „Das Fest“ verfolgen am ersten Tag der Veranstaltung in der Günther-Klotz-Anlage den Auftritt einer Band. Bis einschließlich 21.07.2019 traten damals auf mehreren Bühnen zahlreiche Musiker auf. Foto: Uli Deck/dpa

BT-Mitarbeiter Winfried Heck besuchte im Jahr 2019 das letzte Fest vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Dort erlebte er mitreißende Auftritte von Max Giesinger und Fettes Brot. Hinweis: Dieser Artikel ist ursprünglich am Montag, 22. Juli 2019, im Badischen Tagblatt erschienen. Im Rahmen des Formats „Throwback Thursday“ des BT-Instagram-Teams haben wir ihn aus dem Archiv gekramt und fürs Web optimiert.

Mit Max Giesinger kam der Regen. Doch weder der aus Waldbronn stammende Sänger noch die riesige Menschenmasse vor der Hauptbühne ließen sich von der zumindest anfangs willkommenen Erfrischung die gute Laune bei Giesingers „Heimspiel“ verderben. Mit „Bist Du bereit?“, allein vor einem weißen Vorhang auf der Hauptbühne stehend, stellt er eine höchst rhetorische Frage an sein Publikum.

Und wie bereit sie sind! Die Fest-Crew um Martin Wacker erlebt hingegen einen stressigen Abend. Das Wetter! Eine Gewitterfront zieht haarscharf an der Günther-Klotz-Anlage vorbei, es kommen aber glücklicherweise nur dicke Regentropfen, die nur ein paar Fans vertreiben. Während es im Elsass und im Raum Pforzheim heftige Gewitter gibt und im Westen und Osten der Republik Veranstaltungen wie das Melt!-Festival oder Jahrmärkte unterbrochen werden müssen, bleibt es in Karlsruhe bei bangen Blicken an den Himmel und heftigen kurzen Schauern. Die aktuellen Wetterprognosen der auf dem Gelände sitzenden Experten des KIT tragen zur Beruhigung bei. Der Kern der Gewitterzelle zieht einige Kilometer entfernt vom Festgelände seine Bahn. Das Fest geht weiter.

Derweil sprüht Giesinger bei seinem dritten und bisher besten Fest-Auftritt vor guter Laune. Nach zahllosen Konzerten überall in der Republik kann er die Stimmung in der „Klotze“, „seiner Klotze“, voll und ganz genießen. Vor 15 Jahren, sagt er, sei er noch unten vor der Bühne gestanden, habe wenig gesehen, weil er so klein war, doch damals war schon klar, irgendwann will er da oben auftreten. Bei den regionalen Band-Wettbewerben sei er dann aber immer gescheitert, schmunzelt er, steigt von der Bühne herab und mitten hinein ins Publikum – Fans begrüßen. Eine ehemalige Gitarrenschülerin habe er entdeckt, Gänsehaut. „Ich weiß nach so vielen Konzerten in so vielen Orten jetzt wirklich, wo meine Heimat ist – und das ist Karlsruhe!“, wird er später verkünden. Als Zugabe gibt es am Ende – natürlich – seinen Top-Hit „80 Millionen“. Im KSC-Trikot. Mehr geht an diesem Abend eigentlich gar nicht.

Fettes Brot: Doppelte Schicht

Doch Fettes Brot legt sogar noch eine doppelte Schippe drauf. Dank hereinbrechender Dunkelheit kommt die fantastische Show des Hamburger Hip-Hop-Trios auf der Hauptbühne optimal zur Geltung. Auch der „Mount Klotz“ verwandelt sich zu später Stunde in ein Lichtermeer, als Zehntausende ihre Mobiltelefone zücken und den Hügel in der Günther-Klotz-Anlage erstrahlen lassen. Fettes Brot hat der Fest-Auftritt am Samstag so gut gefallen, dass sie, wie sie noch von der Bühne herab verraten, einen Tag länger bleiben wollen und als Gäste beim Auftritt der PxP Allstars am gestrigen Sonntag dabei sein werden.

„Das-Fest“-Chef Martin Wacker konnte somit schon am Samstagabend ein durchweg positives Zwischenfazit ziehen. 65 000 Menschen waren zum Auftakt am Freitag auf dem Gelände. Vor allem Gentleman begeisterte die Massen vor der Hauptbühne, doch auch auf den Nebenbühnen gab es hochkarätiges Programm. Das Karlsruher Trio „Mess up your DNA“ wurde auf der Feldbühne gefeiert und empfahl sich für weitere Fest-Auftritte. Am Samstag dürften es dann sogar rund 70 000 gewesen sein – trotz des Schwimmbadwetters nebst folgender Abkühlung von oben.

Allerdings nahm der „Druck auf die Anlage“ erst am späten Nachmittag zu, auch wenn der kostenlose Familienbereich den ganzen Tag über gut besucht war. Die zahlreichen Infostände und auch die Spielstationen des Karlsruher Stadtjugendausschusses waren wie in all den Jahren zuvor dicht belagert. Vor allem hier entwickelt „Das Fest“ immer wieder seinen ganz besonderen Charakter, der es einmalig macht unter den mittlerweile zahllosen Sommerfestivals.

Erstmals 2019 angeboten: Klima-Akademie

Gut angekommen ist auch die erstmals auf dem Fest angebotene Klima-Akademie. Erneut scheint „Das Fest“, das sich schon seit Jahren aktiv dem Umweltschutz und vor allem Müllvermeidung widmet, den Nerv der Zeit getroffen zu haben.

Der gestrige Schlusstag startete wie immer mit dem Klassikfrühstück. Wacker verkündete um 10.30 Uhr, dass bis zu diesem Zeitpunkt bereits insgesamt 170 000 Besucher ein wieder einmal absolut friedliches Fest gefeiert hätten. Der Hügel war da bereits wieder gut besetzt, die Klassik-Fans hatten sich breitgemacht. Die 11 500 Besucher sorgten damit für einen neuen Rekord. Auf Picknickdecken standen Kaffee, frisches Gebäck, Obst und Sekt als Favoriten, oben auf der Bühne spielte die Badische Staatskapelle Beethovens 6. Sinfonie, die „Pastorale“.

Ein idealer Auftakt für den dritten und letzten Tag beim Fest, das vom Deutschen Roten Kreuz und der Polizei als erneut völlig unauffällig bezeichnet wird. Die Fans vor den Bühnen werden sicherlich ganz andere Bewertungen als „unauffällig“ abgegeben haben.

Ihr Autor

Winfried Heck

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Erstellt:
22. Juli 2021, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 31sec

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