Medienpreis: Comeback mit neuem Format?

Baden-Baden (BNN) – Die Verleihung des Deutschen Medienpreises löste ein gewaltiges Medienecho aus. Stifter Karlheinz Kögel berichtet jetzt erstmals, was zum Aus der Auszeichnung führte.

Erinnerungsstück: Karlheinz Kögel zeigt in seinem Büro ein „Bambi“, das ihm der frühere US-Präsident Bill Clinton überließ. Foto: Bernd Kamleitner

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Erinnerungsstück: Karlheinz Kögel zeigt in seinem Büro ein „Bambi“, das ihm der frühere US-Präsident Bill Clinton überließ. Foto: Bernd Kamleitner

Ist es wirklich schon so lange her? Vor viereinhalb Jahren wurde der ehemalige US-Präsident Barack Obama im Kongresshaus in Baden-Baden mit dem Deutschen Medienpreis gewürdigt. Es war ein denkwürdiger Abend in der Bäderstadt – aber auch der letzte in der eindrucksvollen Geschichte der von Karlheinz Kögel gestifteten Auszeichnung. Im Gespräch mit dieser Redaktion erläutert der Baden-Badener Unternehmer jetzt erstmals, was zum Aus für die prestigeträchtige Veranstaltung führte.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama (Mitte), Preisstifter Karlheinz Kögel (links) und der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck bei der Preisverleihung im Mai 2017. Foto: Uli Deck/dpa

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Der ehemalige US-Präsident Barack Obama (Mitte), Preisstifter Karlheinz Kögel (links) und der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck bei der Preisverleihung im Mai 2017. Foto: Uli Deck/dpa

Zunächst ein Blick zurück: Der 25. Mai 2017 ist ein lauer Sommerabend. Rund um den Augustaplatz gilt die höchste Sicherheitsstufe. Begleitet von einem Blitzlichtgewitter und großem Medieninteresse flanieren Prominente wie Fußball-Weltmeister-Trainer Joachim Löw, Tennis-Legende Boris Becker, Schlagerstar Andrea Berg, TV-Moderator Günther Jauch, Model Toni Garn und viele namhafte Gäste mehr über den roten Teppich im Kongresshaus. Auf den 25. Medienpreisträger hält Ex-Bundespräsident Joachim Gauck die Laudatio, das Grußwort spricht der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die Hauptperson des Abends meidet aber den roten Teppich – zum Leidwesen der dicht gedrängt stehenden Fotografen und TV-Teams. Obama kommt über einen Hintergang ins Auditorium, um den in der Karlsruher Majolika gefertigten Preis in Empfang zu nehmen.

„Unheimliche Kraftanstrengung“

Was der Bäderstadt Jahr für Jahr ein gewaltiges Medienecho bescherte, nahm nach der strahlenden 25. Auflage ein abruptes Ende. Aber warum? „Eine solche Veranstaltung hinzukriegen, bedeutet eine unheimliche Kraftanstrengung“, blickt Kögel auf die glanzvolle Zeit zurück. Nach einem Vierteljahrhundert Medienpreis-Geschichte mit hochkarätigen Gästen kam für den undotierten Preis das überraschende Aus. Für die Auszeichnung des ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin wurde für dessen Anreise von Stuttgart nach Baden-Baden die Autobahn gesperrt. Weitere Preisträger waren gekrönte Häupter, Superstars wie Schauspieler und Frauenschwarm George Clooney oder Bono von der Band U2 und international angesehene Politiker wie der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan oder der ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani. In dessen Amtszeit erschütterten die Terroranschläge am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York City die Welt.

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Karlheinz Kögel (links) und der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (rechts) lauschen im Februar 2009 dem Dalai Lama. Foto: Patrick Seeger/dpa

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Festlicher Rahmen: Für die Preisträger und Gäste des Deutschen Medienpreises wird der rote Teppich ausgerollt. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Hillary Clinton (rechts) erhält die Auszeichnung im Februar 2005. Die Laudatio halten der Medien-Besitzer Haim Saban (links) und die damalige CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel (Mitte). Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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Steffi Graf und Andre Agassi nehmen den Deutschen Medienpreis im Februar 2008 entgegen. Foto: Uli Deck/dpa

Für Kögel kam der Ausstieg nicht völlig überraschend, wie er in der Rückschau erzählt. „Einen Medienpreis zu machen, ist heute viel schwieriger“, erläutert er seine Beweggründe. Die Medien hätten sich geändert. Internetportale kamen in der Medienlandschaft hinzu und hätten in der Jury auch gerne über die Preisträger mitgesprochen. Da sei schon die Definition eines Medienpreises schwierig geworden. „Die sind sich alle nicht mehr einig, wer ihn kriegen soll“, erklärt der langjährige Gastgeber.

„Ich wollte die 25 voll bekommen“

Als er seine Idee eines Deutschen Medienpreises aus der Taufe hob, sei die Ausgangslage noch eine völlig andere gewesen. „Da waren die klassischen Medien da, der Spiegel war das Leitmedium und der Chefredakteur Jury-Vorsitzender.“ Mit der 25. Vergabe am 25. Mai 2017 erreichte Kögel sein Ziel: „Ich wollte die 25 voll bekommen.“ Zudem hätten sich die Rahmenbedingungen für eine solche Preisverleihung im Lauf der Jahre verändert. „Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit an uns vorbeigezogen ist“, findet Kögel.

Der Baden-Badener Unternehmer verweist auf andere Medienpreise, die als glamouröse Veranstaltungen ebenfalls Glanzzeiten feierten, aber von einem ähnlichen Schicksal wie der Deutschen Medienpreis eingeholt wurden. Gemeint sind der wohl bekannteste Medienpreis „Bambi“, zuletzt im November 2019 im Festspielhaus Baden-Baden zu Gast, und die „Goldene Kamera“. Beide gibt es auch nicht mehr.

US-Schauspieler George Clooney (links) freut sich im Februar 2013 neben Preisstifter Karlheinz Kögel über die Auszeichnung. Foto: Patrick Seeger/dpa

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US-Schauspieler George Clooney (links) freut sich im Februar 2013 neben Preisstifter Karlheinz Kögel über die Auszeichnung. Foto: Patrick Seeger/dpa

„Es war aufregend, dass die Promis alle nach Baden-Baden gekommen sind“, freut sich Kögel über große Momente in seiner Heimatstadt. „Aber ich hatte das Gefühl: Wenn ich weitermache, dann muss es ein anderes Format werden.“ Dazu ist es nicht gekommen, bislang jedenfalls nicht. Hat Kögel vielleicht noch einen neuen Plan in der Schublade? „Es könnte noch kommen. Für Überraschungen bin ich immer gut“, sagt der kreative Unternehmer. Mehr lässt er sich dazu aber nicht entlocken.

Kontakte zu früheren Preisträgern unterhält er immer noch, zum Beispiel zu Barack Obama. Und zu dessen Vorgänger Bill Clinton. „Mit Clinton bin ich eng befreundet. Wir sehen uns im Dezember in New York“, berichtet Kögel und zeigt ein „Bambi“ auf dem Kaminsims in seinem Büro. Der Ex-US-Präsident erhielt das goldene Rehkitz für sein Engagement als UN-Sonderbeauftragter für den Wiederaufbau der betroffenen Gebiete nach der verheerenden Tsunami-Katastrophe Ende 2004.

Eindrücke von der Verleihung des Medienpreises und der anschließenden Feier im kleinen Kreis im früheren Restaurant „Medici“ konnten Interessenten zuletzt stets auf der Homepage der Auszeichnung gewinnen. Derzeit ist das aber nicht möglich: Die Seite wurde gehackt, bestätigt Kögel. An der Wiederherstellung wird gearbeitet.

Die Preisträger auf einen Blick

1992: Helmut Thoma (Laudator: Thomas Gottschalk). 1993: Helmut Kohl (Jens Feddersen). 1994 François Mitterrand (Helmut Kohl). 1995: Jassir Arafat und postum Jitzchak Rabin (Klaus Kinkel). 1996: Boris Jelzin (Helmut Kohl). 1997: König Hussein von Jordanien (Roman Herzog). 1998: Nelson Mandela (Jürgen Schrempp). 1999: Bill Clinton (Karlheinz Kögel). 2000: Gerhard Schröder (Frank Schirrmacher). 2001: Rudolph Giuliani (Thomas Middelhoff). 2002: Königin Silvia von Schweden und Königin Rania von Jordanien (Liz Mohn und Sabine Christiansen). 2003: Kofi Annan (Wolfgang Thierse). 2004: Hillary Clinton (Angela Merkel). 2005: Bono (Joschka Fischer). 2006: König Juan Carlos (Plácido Domingo). 2007: Steffi Graf und Andre Agassi (Dieter Zetsche und Thomas Middelhoff). 2008: Dalai Lama (Roland Koch). 2009: Angela Merkel (Anna Netrebko). 2010: Sir Richard Branson (Guido Westerwelle). 2011: Sakena Yacoobi, Mitri Raheb, Stanislaw Petrow und Denis Mukwege (Roman Herzog). 2012: George Clooney (Ursula von der Leyen). 2013: Königin Máxima der Niederlande (Daniela Schadt). 2014: Joachim Löw (Peter Altmaier). 2015: Ban Ki-moon (Christian Wulff). 2016: Barack Obama (Joachim Gauck).

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
19. November 2021, 06:38 Uhr
Lesedauer:
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