Medizinische Versorgung in Vimbuch gesichert

Bühl (jure) – Zwei junge Ärzte übernehmen die Hausarztpraxis von Sonja Kaiser-Schmidt und Reinhold Unold in Vimbuch. Die gehen in Ruhestand.

Die beiden neuen Ärzte Alexandru Bara und Christian Vatran übernehmen die Praxis von Sonja Kaiser-Schmidt und Reinhold Unold (von links).  Foto: Judith Feuerer

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Die beiden neuen Ärzte Alexandru Bara und Christian Vatran übernehmen die Praxis von Sonja Kaiser-Schmidt und Reinhold Unold (von links). Foto: Judith Feuerer

In Bühl sind nicht alle kassenärztlichen Stellen besetzt, landauf, landab wird über den Landarztmangel geklagt und über Hausarztpraxen, die keine Nachfolger finden. Umso besser die Nachricht für Vimbuch: Alexandru Bara und Christian Vatran, Fachärzte für Innere Medizin, traten in die Fußstapfen von Sonja Kaiser-Schmidt und Reinhold Unold.

Für Ortsvorsteher Manuel Royal liegen die Gründe auf der Hand: „Nettere und sympathischere Menschen als in Vimbuch wird man nirgends finden können“, beglückwünscht er augenzwinkernd die beiden neuen Vimbucher Ärzte.

Sonja Kaiser-Schmidt und Reinhold Unold können so nach gut drei Jahrzehnten etwas beruhigter ihren Ruhestand genießen. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man seine Patienten in gute Hände übergeben kann“, freut sich Kaiser-Schmidt über den nahtlosen Übergang. Da sind die bürokratischen Hürden fast schon vergessen, die mit der Praxisübernahme und Umstellung der Kassenzuordnung jedes Patienten zum neuen Arzt verbunden sind.

Praxis ist eine Lebensaufgabe

Die Geschichten des Quartetts scheinen sich zu ähneln und nähren damit die Hoffnung auf weitere 30 Jahre Konstanz. Die Übernahme einer Praxis sei eigentlich vergleichbar mit dem Eheversprechen, meint der verheiratete Familienvater Bara und gibt damit zu verstehen, dass er wie seine Vorgänger eine Lebensaufgabe in der Praxis sieht. Kollege Vatran stimmt da nickend zu. „Es war immer mein Ziel, in einer eigenen Praxis zu arbeiten.“

Den Klinikalltag wollten vor mehr als drei Jahrzehnten auch Kaiser-Schmidt und Unold hinter sich lassen, die beide nach dem Medizin-Studium am Bühler Krankenhaus zwischen fünf und sechs Jahren in verschiedenen Abteilungen tätig waren. Während Unold danach noch in einigen weiteren Praxen und Einrichtungen, darunter bei Kinderärzten und in der Langzeittherapie in der Hub Erfahrungen sammelte, stand für Sonja Kaiser-Schmidt damals auch die Familienplanung im Vordergrund. Mit eigener Praxis schien dieser Wunsch einfacher umsetzbar, und so war es für sie keine Frage, als ihr der Hauseigentümer des Neubaus in Vimbuch das Erdgeschoss als Praxis schmackhaft machte.

Sie wandte sich an den Kollegen Unold, warb diesen bei einem Ottersweierer Hausarzt ab und baute mit ihm in Vimbuch die Praxis auf. Das war am 1. April 1991. „Anfänglich hatten wir vielleicht 30 bis 50 Patienten, die Zahlen gingen dann aber sehr schnell nach oben“, erzählt Unold. Mittlerweile stapeln sich in der Praxis die Karteien von gut 20.000 Patienten, die sich in den letzten Jahrzehnten bei dem Duo behandeln ließen. 2.500 Patienten sind es heute etwa pro Quartal und damit gut 10.000 Arztbesuche im Jahr.

Kennenlernen steht erstmal im Vordergrund

„Geändert hat sich bei den Anliegen der Patienten wenig in dieser Zeit“, resümiert Sonja Kaiser-Schmidt. Zugenommen habe jedoch der Gesprächsbedarf, der teils fast schon therapeutischer und seelsorgerischer Art sei. Gerade zu Beginn habe man in der Praxis auch viele Kinder versorgt und die nötigen U-Untersuchungen vorgenommen. „So manches Kind von damals ist später wieder mit eigenem Kind in die Praxis zurückgekommen“, erzählt Unold von den Bindungen, die als Hausarzt über die Jahre aufgebaut werden.

Das Kennenlernen der Menschen steht auch für die beiden Neuen, die beide Wurzeln in Rumänien haben, im Vordergrund, die sich aktuell viel Zeit dafür nehmen, die Patientenakten durchzuarbeiten, Befunde zu lesen und Vertrauen zu den Patienten aufzubauen. „Das macht auch den Unterschied zum Krankenhaus aus“, meint Vatran, der wie Bara zuletzt in der Notfallambulanz in der Klinik in Balg tätig war. Ein weiterer Reiz der eigenen Praxis ist für Dr. Alexandru Bara auch die Bandbreite. „Ich kann viele Untersuchungen durchführen, akute wie chronische Erkrankungen betreuen.“

Bis jetzt hätten die beiden nur positive Erfahrungen in Vimbuch gesammelt. Einziger Wermutstropfen: „Wir können eigentlich keine neuen Patienten mehr aufnehmen.“ Die Praxis konzentriert sich auf Patienten ab fünf Jahren nicht nur aus Vimbuch, sondern auch aus Balzhofen, Oberbruch und Oberweier – dort gibt es keine eigenen Praxen.

Übernommen haben die beiden Ärzte nicht nur die Praxis samt Inventar, sondern auch das erfahrene und verlässliche Team von sieben Mitarbeiterinnen und einer Auszubildenden.

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Erstellt:
7. Juli 2021, 10:45 Uhr
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