Mehr Anzeigen wegen illegaler Autorennen

Stuttgart/Offenburg (for) – In Baden-Württemberg werden mehr illegale Autorennen angezeigt als noch vor einigen Jahren. Das Polizeipräsidium Offenburg sieht aber keine Raserszene in Mittelbaden.

Schon bei der Teilnahme an verbotenen Autorennen drohen Fahrern bis zu zwei Jahre Gefängnisstrafe. Foto: Steffen Schmidt/dpa

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Schon bei der Teilnahme an verbotenen Autorennen drohen Fahrern bis zu zwei Jahre Gefängnisstrafe. Foto: Steffen Schmidt/dpa

Bei illegalen Autorennen drohen schon seit Jahren harte Strafen – mitunter können Fahrer sogar im Gefängnis landen. In Baden-Württemberg wurden zuletzt aber trotzdem immer mehr solcher Fälle angezeigt. Von Verhältnissen wie etwa in Berlin oder anderen Großstädten sei man in Mittelbaden aber noch meilenweit entfernt, wie Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Offenburg, gegenüber dem BT bilanziert.

Zahl der gemeldeten Fälle gestiegen

Die Zahl der Meldungen zu illegalen Autorennen im Südwesten ist laut Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) in der ersten Jahreshälfte 2021 gestiegen. Das geht aus einer Antwort des baden-württembergischen Innenministeriums auf eine Anfrage der SPD hervor. Demnach hat die Polizei bis Ende Juni 263 solcher Fälle erfasst – elf mehr als im gesamten Jahr 2019 und im Frühjahr 2020 zusammengenommen. Laut dpa wurden die meisten Rennen im Ortenaukreis (20) gemeldet, gefolgt vom Rems-Murr-Kreis (16) und dem Landkreis Böblingen (15).

Ortenau – Ein Mekka für Raser?

Ist der Kreis Offenburg also ein beliebter Treffpunkt für Autoraser? – „Nein“, stellt Westermann klar und fügt hinzu, dass man zwischen den gemeldeten Fälle immer differenzieren müsse. Er und seine Kollegen hatten im Zeitraum von Januar bis Ende Juni für den gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums insgesamt 26 Fälle von verbotenen Kraftfahrzeugrennen gemeldet – darunter fünf im Landkreis Rastatt und einer im Stadtkreis Baden-Baden. Allerdings handele es sich dabei längst nicht immer um die klassischen Rennen, bei denen sich Fahrer miteinander oder gegen die Stoppuhr messen, betont Westermann.

„So waren unter diesen 26 Fällen auch 16 Polizeiflucht-Fälle dabei“, erklärt er. Dabei handele es sich um Verkehrsteilnehmer, die wegen einer anderen Straftat oder Ordnungswidrigkeit von der Polizei angehalten werden und daraufhin mit sehr hoher Geschwindigkeit das Weite suchen. „In solchen Situationen kann es zur verantwortungslosen Beschleunigung kommen.“

Lediglich in sechs der genannten 26 Fälle habe es sich tatsächlich um klassische Autorennen gehandelt. „Wir sind kein Hotspot, was Rennen angeht, und es ist auch keine Konzentration auf bestimmten Strecken zu beobachten“, fasst Westermann zusammen. Vielmehr gehe die Polizei stärker dazu über, Leute, die mit ihren Autos besonders waghalsig vor der Polizei fliehen, ebenfalls unter dem Tatbestand des Paragrafen 315d Strafgesetzbuch anzuzeigen.

Kurve am Helbingfelsen bei Motorradrasern beliebt

Dieser wurde 2017 für verbotene Kraftfahrzeugrennen als Straftatbestand eingeführt und sieht drei Tatbestandsalternativen vor, wie Westermann gegenüber dem BT erklärt. So handele es sich bei der ersten Alternative um die Ausführung oder Durchführung eines Kraftfahrzeugrennens und bei der zweiten um die Teilnahme an einem nicht erlaubten Kfz-Rennen. „Die dritte Tatbestandsalternative – und die wird häufig von der Polizei angezeigt – sieht eine Strafe für Fahrer vor, die sich mit nicht angepasster Geschwindigkeit sowie grob verkehrswidrig und rücksichtlos fortbewegen, um eine höchst mögliche Geschwindigkeit zu erreichen.“ Zu Letzterem zähle die klassische Raserei hinzu, „beispielsweise auf der B500, wenn Motorradfahrer die Kurve am Helbingfelsen immer wieder mit höchst möglicher Geschwindigkeit durchfahren“, nennt Westermann ein Beispiel. Bei vier der 26 gemeldeten Fälle habe es sich um genau diese Situation gehandelt.

„Eine echte Raserszene, wie man das beispielsweise aus Großstädten kennt, haben wir in Mittelbaden aber nicht“, kann Westermann beruhigen. Stattdessen hätte man hier eher mit einer Poser- oder Tunerszene zu kämpfen. „Leute, die den Motor aufheulen oder die Reifen durchdrehen lassen, sind aber nicht immer mit Rasern gleichzusetzen“, merkt Westermann an. Dennoch komme es vereinzelt immer wieder vor, dass sich Leute im Verkehr besonders rücksichtslos verhalten.

Aufhellung des Dunkelfelds

Die gute Nachricht: Laut Innenministerium kämen mittlerweile mehr Fälle ans Licht als früher. Fahrer würden öfter angezeigt, Polizisten seien für das Thema sensibilisiert. „Dies führt zu einer Aufhellung des Dunkelfeldes“, sagte ein Ministeriumssprecher. Es gebe „keine Anhaltspunkte“ dafür, dass die Anzahl illegaler Autorennen tatsächlich steigt.

Das sieht zwar auch das baden-württembergische Verkehrsministerium so. Allerdings gebe es noch ein „wirksames Mittel“ gegen illegale Autorennen, von dem bisher kein Gebrauch gemacht worden sei: ein durchgehendes Tempolimit auf deutschen Autobahnen.


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