Wechselunterricht nach Ostern

Stuttgart (bjhw) – Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann möchte Schüler bereits nach Ostern schrittweise in den Präsenzunterricht zurückführen.

Voraussetzung für die Rückkehr in den Präsenzunterricht ist laut Kretschmann, dass neben Lehrkräften auch Schüler zweimal die Woche getestet werden. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Voraussetzung für die Rückkehr in den Präsenzunterricht ist laut Kretschmann, dass neben Lehrkräften auch Schüler zweimal die Woche getestet werden. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Seit Wochen wird Ministerpräsident Winfried Kretschmann von Bildungsverbänden und Elternvertretern aufgefordert, das Ruder in der Schulpolitik selbst in die Hand zu nehmen. Eineinhalb Wochen nach der gewonnenen Landtagswahl liefert der Grüne: Überraschend kündigte er in der Corona-Sondersitzung des Landtags an, dass Kinder und Jugendliche schon nach den Osterferien schrittweise in den Präsenzunterricht an ihre Schulen zurückkehren können.

„Perspektive geben“

„Wir wollen hier Perspektiven geben“, sagte Kretschmann. Voraussetzung dafür sei, dass neben Lehrkräften auch Schüler zweimal die Woche getestet werden. Kommende Woche will er mit Eltern, Lehrkräften und Schulleitungen Details und einen möglichen Stufenplan besprechen.

Warum wird die Abkehr von Homeschooling nach und nach jetzt doch möglich?

Dreh- und Angelpunkt ist die Testkonzeption. Die scheidende Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte Details nicht ausarbeiten wollen. Für Kretschmann steht aber fest: „Wenn wir möglichst viel Präsenz ermöglichen wollen, brauchen wir Tests und eine hohe Teilnahmequote.“ Immer wieder wird in der CDU Österreich als Vorbild genannt, weil dort alle Kinder und Jugendlichen seit Anfang Februar getestet werden oder sich selber testen. Ein zentraler Unterschied zu den bisherigen Überlegungen im Land ist die Pflicht. Eltern, die den Test für ihre Kinder in Österreich verweigern, dürfen sie auch nicht in die Schule schicken. Die Teilnahmequote ist entsprechend hoch. Zugleich wurden bereits mehrere Tausend Corona-Fälle entdeckt und Schulen auch wieder geschlossen. „Welche Möglichkeiten wir in Richtung einer Testpflicht haben, loten wir gerade rechtlich aus“, so Kretschmann im Landtag. Jedenfalls sei das Ziel, „allen Klassenstufen unter entsprechende Sicherheitsvorkehrungen eine Chance auf Wechselunterricht zu einräumen“.

Wie könnte eine Testpflicht für Baden-Württemberg aussehen?

Vorreiter ist Sachsen, wo seit dem 15. März weiterführende Schulen nur mit einem negativen Test betreten werde dürfen. Für Lehrkräfte kann er längstens drei Tage, für Schüler längstens sieben Tage alt sein. Eine Klage dagegen hat das sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) abgewiesen und die entsprechende Regelung in der Corona-Schutzverordnung als rechtmäßig bestätigt. Die Tests berührten nicht den Schutzbereich des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit, und die verbundenen Eingriffe seien auch verhältnismäßig, heißt es in der Entscheidung vom Dienstag.

Welche Möglichkeiten würden mit einem Stufenplan eröffnet?

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz machte im Landtag deutlich, dass es in Hotspots mit mehr als 200 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen und auf 100.000 Einwohner „zum Schutz der Gesundheit ausschließlich digitalen Unterricht geben sollte“. Unter diesem Wert könne, je nach Inzidenz, zwischen dem eingeschränkten Regelbetrieb, der Schule im Wechselmodell und einem Unterricht in geteilten Klassen unterschieden werden. Schwarz bot den Beteiligten, aber auch Bildungspolitikern von CDU, SPD und FDP an, „gemeinsam mit Ihnen an einem solchen Stufenplan zu arbeiten und diesen auch sehr zügig umzusetzen“. Außerdem wolle er darüber reden, so der direkt mit 33,1 Prozent wiedergewählte Kirchheimer Abgeordnete weiter, wie die in den vergangenen Monaten entstandenen Defizite abgebaut werden könnten. Dazu brauche es Diagnostik, etwa im Sinne einer Lernstandserhebung, sowie zusätzliche Unterstützungsangebote und Lernbrücken.

Wie sind die Reaktionen?

Besonders deutlich wurde Gerhard Brand, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Er habe „viel Verständnis für die schwierige Situation von Frau Susanne Eisenmann, aber kein Verständnis für eine Ministerin, die untertaucht und die Bildungspolitik dem Staatsministerium überlässt“. Prinzipiell begrüßte Brand die Teststrategie des Landes, der Schulbetrieb dürfe aber nicht gestört werden. Außerdem müssten die Tests durch externes Fachpersonal vorgenommen werden. Und in Sachen Stufenplan wünscht sich der VEB Freiheiten für die Schulen, damit sie in Absprache mit den Gesundheits- und Schulämtern selbst über die Unterrichtsform entscheiden könnten.


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