Mehr Sicherheit für Radler durch Schutzstreifen

Rastatt (red/ema) – Um die Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer zu erhöhen, wollen die Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK) und das Verkehrsministerium über zwei Modellprojekte weitere Erfahrungen zu Schutzstreifen auf den Straßen sammeln.

Innerorts (im Bild der Leopoldring Rastatt) sind Schutzstreifen ein vertrautes Bild. Der Landkreis Rastatt will testen, ob auch auf Landstraßen solche Einrichtungen sinnvoll sind. Foto: Vetter

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Innerorts (im Bild der Leopoldring Rastatt) sind Schutzstreifen ein vertrautes Bild. Der Landkreis Rastatt will testen, ob auch auf Landstraßen solche Einrichtungen sinnvoll sind. Foto: Vetter

An dem Vorhaben beteiligt sich auch der Landkreis Rastatt. Laut Mitteilung der AGFK werden in zwei Modellprojekten auf zahlreichen Pilotstrecken im ganzen Land verschiedene Varianten von neuartigen Radschutzstreifen getestet. Das Vorhaben sei das bisher größte derartige Modellprojekt in Deutschland. Untersucht wird, wie Schutzstreifen ausgestaltet sein müssen, sodass eine sichere Verkehrsführung für Radfahrer möglich ist. Gefördert werden die Modellprojekte vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg.

Rund 30 Kommunen beteiligen sich. Der Landkreis Rastatt ist mit der Kreisstraße K 3705 zwischen Gaggenau und Sulzbach dabei, wie Planungsdezernent Mario Mohr dem BT sagte. Man werde voraussichtlich im Frühsommer einen 1,50 Meter breiten Schutzstreifen in Fahrtrichtung aufbringen. Die Straße habe man ausgewählt, weil dort eine relativ geringe Verkehrsdichte herrsche, eine leichte Steigung bestehe und kein Gehweg existiert, so Mohr. Bis Ende 2021 wolle man beobachten, inwieweit sich durch die Maßnahme mehr Sicherheit für die Radfahrer herstellen lässt – wobei laut Mohr noch ungeklärt sei, wie man den Effekt tatsächlich bewerten könne.

Laut AGFK erstrecken sich die Modellprojekte über einen Zeitraum von drei Jahren. Gestartet sind sie bereits 2019. Sichtbar werden sie auf den Straßen in Baden-Württemberg ab Frühjahr 2020, wenn die Schutzstreifen-Markierungen in den Kommunen nach und nach angebracht werden.

Radverkehr sicherer gestalten

Schutzstreifen können – wo es nicht möglich ist, einen eigenen Radweg anzulegen – eine vergleichsweise einfach und günstig umsetzbare Möglichkeit sein, den Radverkehr sicherer zu machen und durchgängige Radverkehrsnetze zu schaffen, heißt es in der Pressemitteilung. Bislang sei aber noch nicht ausreichend untersucht, unter welchen Rahmenbedingungen Schutzstreifen auch außerorts sowie auf schmalen Straßen innerorts den Radverkehr sicherer und attraktiver machen und eine sichere Verkehrsführung für Radfahrer sein können. Diese Formen von Schutzstreifen sind bisher nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt.

Die übergreifenden Ziele der beiden Modellprojekte zu neuen Schutzstreifen innerorts und außerorts sind die Radverkehrsförderung und die Förderung der Verkehrssicherheit. Um diese Ziele zu erreichen, braucht es ein lückenloses Radverkehrsnetz, so die AGFK. An vielen Strecken im Flächenland Baden-Württemberg sei es aber nach den aktuellen Regelwerken noch nicht möglich, ein lückenloses Infrastrukturangebot für den Radverkehr zu schaffen. Die AGFK hat daher bereits 2013 ein bundesweit beachtetes Gutachten zu Schutzstreifen innerorts vorgelegt. Das Land hat sich zudem an einem bundesweiten Modellversuch zu Schutzstreifen außerorts beteiligt. Daran soll nun angeknüpft werden.

Günter Riemer, Vorstandsvorsitzender der AGFK: „Wir sind stolz, dass es durch das aktive Mitwirken von rund 30 Kommunen gelingen konnte, landesweit genügend Pilotstrecken für die Modellvorhaben zu finden. Denn eine hohe Beteiligung von Gemeinden, Städten und Landkreisen ist eine Voraussetzung dafür, dass die Modellversuche möglichst praxisnah und zielgerichtet ausgewertet werden können.“

Schutz für bergauf fahrende Radfahrer

Im Fokus der Untersuchungen innerorts stehen beidseitige Schutzstreifen auf Straßen mit schmaler Kernfahrbahn. Bisher wurden auf solchen schmalen Straßen in der Regel nur schmale Schutzstreifen markiert, die Kfz haben ihren Platz behalten. Im Modellprojekt für Schutzstreifen wird jetzt untersucht, wie sich das Verkehrsverhalten verändert, wenn zulasten der Kfz-Fahrbahnbreite die Schutzstreifen für Fahrräder breiter markiert werden. Auch der Einsatz von einseitigen Schutzstreifen auf Abschnitten mit Steigungen wird untersucht. Hier ist die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Radfahrern und Kfz besonders groß. Bergauf fahrende Radfahrer genießen mit dem neuen Schutzstreifen so einen besonderen Schutz.

Außerorts sind Schutzstreifen bislang nicht zulässig. Hier werden die Einsatzbereiche zur Markierung ein- oder beidseitiger Schutzstreifen in Abhängigkeit von der Verkehrsbelastung und Struktur der Straße, den topografischen Verhältnissen und den Straßenbreiten untersucht und bewertet. Bis 2021 sollen die Modellvorhaben ausgewertet werden.

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Erstellt:
31. März 2020, 16:00 Uhr
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