Mehr Wohnungseinbrüche und Sexualdelikte in Baden-Baden

Baden-Baden (marv) – Der polizeiliche Kriminalreport 2019 des Stadtkreises Baden-Baden ist am Mittwochnachmittag veröffentlicht worden. Auffällig ist, dass vor allem die Wohnungseinbrüche und Sexuadelikte deutlich zugenommen haben.

Die Straßenkriminalität ist 2019 in Baden-Baden insgesamt zurückgegangen. In diesen sieben Straßen ist der Großteil der Sachbeschädigungen entstanden. Infografik: Vogt

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Die Straßenkriminalität ist 2019 in Baden-Baden insgesamt zurückgegangen. In diesen sieben Straßen ist der Großteil der Sachbeschädigungen entstanden. Infografik: Vogt

Das Gute vorweg: „Man kann sich in Baden-Baden absolut sicher fühlen“, sagt Polizeirat Lutz Kirchner, Revierleiter der Polizei Baden-Baden. Dennoch gab es 2019 einige unschöne Entwicklungen, wie man der gestern veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik des Stadtkreises entnehmen kann. Sexualdelikte und Wohnungseinbrüche haben deutlich zugenommen.

2019 wurden insgesamt 56Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung registriert. Darunter acht Vergewaltigungen (zwei im Vorjahr) und 19 Fälle von sexuellem Missbrauch (2018: sechs Fälle). Im Vergleich zu 2018 sind das zehn Sexualdelikte mehr. Auch im Fünfjahresvergleich weist 2019 die meisten dieser Delikte auf. „2018 ist das Sexualstrafrecht grundlegend überarbeitet worden, die Zahlen sind mit den Vorjahren also nur schwer zu vergleichen“, sagt Kirchner.

Auf Snapchat hat ein Unbekannter Siebtklässlerinnen sexuelle Videos zugeschickt.  Symbolfoto: Robert Günther/dpa

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Auf Snapchat hat ein Unbekannter Siebtklässlerinnen sexuelle Videos zugeschickt. Symbolfoto: Robert Günther/dpa

Was laut dem Baden-Badener Polizeichef da außerdem hineinspielt, sind zwei Dinge: „Wir haben ein Problemfeld bei Kindern und Jugendlichen, die sich Nacktfotos und -videos zuschicken. Sowohl der Besitz, als auch das Verschicken fällt hier unter den Straftatbestand der Kinderpornografie“, sagt Kirchner. Hinzu kämen Hinweise der US-Nichtregierungsorganisation NCMEC (Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder), die das Internet nach kinderpornografischen Inhalten durchforste und diese an das Bundeskriminalamt weiterleite.

Beispiele für Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern nannte Kirchner auch: Die Polizei habe etwa einen Mann identifizieren können, der sich 2019 in vier Fällen in seinem Auto vor Kindern selbstbefriedigt habe. Ein noch nicht identifizierter Beschuldigter habe Videos mit sexuellem Inhalt per Snapchat an Siebtklässlerinnen verschickt. Ein Straftäter habe sich auf einem Schulhof entblößt und ein weiterer Mann soll einen Jungen in der Dusche im Bertholdbad aufgefordert haben, seine Badehose auszuziehen. Bei Letzterem ist der Hintergrund laut Kirchner unbekannt.

Betrugsfall verfälscht Gesamteindruck

Zu den acht Vergewaltigungen gibt Kirchner zu Protokoll, dass es „sich fast ausschließlich um Fälle im häuslichen Bereich handelt“ und es zu keiner überfallartigen Vergewaltigung gekommen sei, „wie man sie beispielsweise aus Filmen kennt. Man kann sich also im ganzen Stadtgebiet sicher bewegen“, schlussfolgert der Polizeirat und ergänzt: „Es gibt keine Brennpunkte.“ Das unterstreichen die Zahlen zur Straßenkriminalität. Hier ist ein Rückgang um 9,5 Prozent auf 686 Fälle zu verzeichnen. 2019 befindet sich somit unter dem Fünfjahresschnitt.

Um dies zu verdeutlichen, zieht der kurstädtische Polizeichef das Hauptdeliktfeld der Straßenkriminalität, die Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (161 Fälle), heran. An den 365 Tagen im Jahr 2019 sind auf der Rheinstraße zehn Delikte gemeldet worden.

40 Wohnungseinbrüche mehr als 2018

Insgesamt 5813 Straftaten sind 2019 im Stadtkreis Baden-Baden verübt worden. Das ist ein Anstieg um 39,4 Prozent. Davon werden aber 1655 Fälle einem einzigen Betrugsverfahren gegen ein Ehepaar zugerechnet. Ohne diese 1655 Fälle hätte die Kurstadt 2019 den niedrigsten Wert bei Straftaten im Fünfjahresschnitt erreicht. Statt auf Platz neun der sichersten Stadt- und Landkreise wäre man dann auf Platz drei hinter dem Hohenlohekreis und Freudenstadt gelandet.

Vor allem wegen „einer überregionalen Tätergruppe“ gab es mit 104 Fällen 40 Wohnungseinbrüche mehr als 2018. Hier setzt die Polizei auf Prävention und eine Sensibilisierung der Bevölkerung, unter anderem habe man einen Sicherheitstag durchgeführt und dabei auf Tatgelegenheiten, wie zum Beispiel offene Fenster, hingewiesen. Außerdem habe man Anfang 2020 verstärkte Kontrollen vor allem in Wohngebieten durchgeführt, so Kirchner. Im Bereich der Fahrrad- und Taschendiebstähle habe man mit solchen Methoden nämlich einen Rückgang von 2018 auf 2019 erzielen können.

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Erstellt:
2. April 2020, 15:00 Uhr
Lesedauer:
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